17.10.2016

Bericht #2 - “Und wie ist es in Russland?"

“Und wie ist es in Russland?”…

…diese Frage kriege ich so oft gestellt, dass ich sie fast schon nicht mehr hören kann. “Hier ist es toll.”, antworte ich meistens. Und das stimmt auch. Aber was genau ist toll? Also als allererstes fällt mir meine Gastfamilie ein, die wirklich toll ist! Ich werde schon jetzt wie ein richtiges Familienmitglied behandelt, meine Gasteltern kümmern sich um mich als wäre ich ein goldenes Ei.

Zum Beispiel war ich in den vergangenen Wochen ein wenig krank. Nichts Schlimmes, nur Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, eine normale Erkältung. Allerdings durfte ich deswegen ca. zwei Wochen lang nicht schlafen gehen bevor ich nicht eine Knoblauchzehe gegessen hatte und in der “Botschka” (ich nenne es Einmannsauna) für mindestens 10 Minuten war. Zum Glück mag ich Knoblauch und habe auch nichts gegen eine Sauna. 

Oh, außerdem sollte ich in der Zeit jeden Tag zur schuleigenen Ärztin gehen, die mir immer irgendwas zur “schnelleren Besserung” gegeben hat. Meiner Meinung nach hat das alles nichts gebracht, jedoch gab es eine ganz tolle Sache bei der Ärztin: Die gute Frau war seeehr redefreudig, meistens lief es dann darauf hinaus. dass sie immer noch geredet hat als mein Unterricht schon angefangen hat. Ich wollte sie natürlich nicht unterbrechen und so kam ich ab und an zu spät……ich hatte dagegen nichts einzuwenden und sonst hat es auch keinen gestört. J 

Toll sind natürlich auch meine Gastschwestern. Eigentlich sind die beiden das komplette Gegenteil von mir. Äußerlich und auch in ein paar anderen Dingen. Aber wie sagt man so schön: Gegensätze ziehen sich an. Ich bin so unglaublich froh und dankbar in dieser Familie zu sein! <3

Russland ist außerdem auch ein supertolles Land, um die Botschafteraufgaben zu erfüllen. Also Berichte zu schreiben und einen Vortrag über die MRN zu halten. Schon am ersten richtigen Schultag wurde ich von zwei Englischlehrerinnen gefragt ob ich nicht in ihrer Unterrichtsstunde einen Vortrag halten könnte. Eigentlich sollte ich auf Englisch reden, aber da die Russen so viel Englisch verstehen wie ich Chinesisch habe ich irgendwann auf Russisch weitergemacht. Das war sehr sehr spontan, aber zum Glück hatte ich meine notwendigen Materialien dabei und davor auch einen Blick auf meine Power Point geworfen.

Am nächsten Tag habe ich dann schon den dritten Vortrag vor meiner Jahrgangsstufe gehalten. Ich habe über Deutschland, Rheinland-Pfalz, die Rhein-Neckar-Region allgemein und auch meinen Wohnort Landau gesprochen, also kein sehr kurzer Vortrag. Alle waren sehr interessiert und Fragen gab es auch nicht wenige. Teilweise war es für mich äußerst amüsant, denn es gab Fragen wie: “Gibt es bei euch Computer?” oder “Habt ihr normale Toiletten oder Plumpsklos?”. Die meisten Fragen drehten sich allerdings um Bier und Autos. Überraschenderweise nicht um Fußball, denn hier interessiert sich kaum einer für Fußball. Eishockey ist hingegen etwas, über das jeder Bescheid weiß.

Toll ist auch die Russische Sprache, mit der ich zum Glück wenige Probleme habe. Allerdings muss ich am Ende des Schuljahres zwei Examen schreiben: In “russischer Sprache”, also Grammatik und in noch einem beliebigen Fach. Für das Examen in Grammatik lerne ich jetzt schon. Dafür habe ich zweimal in der Woche Extraunterricht und besuche ab und zu die fünfte, sechste und zweite Klasse, denn da ist der Grammatikunterricht auf meinem Level J Das heißt, ich bin regelmäßig von kleinen Kinder umzingelt. Und alle die mich kennen wissen, dass ich kein großer Fan von Kindern bin. Die kleinen hier sind aber wirklich einfach nur mega süß! Es gibt tausende Umarmungen und jedes Kind hat irgendein Geschenk für mich. Die meisten Geschenke bestehen aus selbstgemachten Armbändern, bald brauche ich schon keinen Pulli mehr anziehen. Außerdem gibt es niedliche Fragen wie:” Spricht man in Deutschland Deutsch?” oder “Warum hast du rote Haare?”. Und sobald sie mich sehen, kommen alle angerannt. Manchmal sind es nervige kleine Quälgeister, aber meistens einfach nur niedliche Zwerge. Das Beste ist, dass ich mich zwischen den kleinen sogar groß fühlen darf, obwohl ich nicht groß bin :)

Aber zurück zur Sprache: Wenn ich sie spreche, habe ich keine Probleme, allerdings ist das Lernen der Grammatik eine kleine Katastrophe. Meine Lehrerin bei der ich den Extraunterricht habe, kann nur Russisch sprechen, weiss aber alle möglichen grammatikalischen Bezeichnungen auf Deutsch. Leider kann ich mit denen genau so wenig anfangen wie mit den russischen Begriffen. Tjaaa, da fängt die kleine Katastrophe auch schon an. Aber noch bin ich optimistisch.

Sehr interessant und natürlich toll an Russland sind auch die vielen Feiertage. Davon gibt es sehr viele und jeder hat seine eigene Tradition. Zum Beispiel war am 5. Oktober der “Tag der Lehrer”. Es ist ein Tag, an dem man den Lehrern dankt, dass sie Wissen weitergeben und es werden einige Geschenke an sie überreicht. Außerdem gibt es im großen Saal der Schule, der als Veranstaltungsraum dient, eine Feier zu Ehren der Lehrer, wobei jede Klasse eine kleine Aufführung vorbereitet.

Selbstverständlich wird sich an dem Tag noch schicker als sonst angezogen, was ich irgendwie verpeilt habe. Zum Glück war ich wenigstens schwarz/weiss angezogen. Nicht zu vergessen war am 27. September ein Tag der von AFS ins Leben gerufen wurde: “Intercultural Dialogue Day”. An diesem gab es bei uns im großen Saal eine Feier für die achten bis elften Klassen. Mit Programm das aus verschiedenen Spielen und ein paar Vorträgen über andere Länder bestand. Das war sehr interessant. Dort habe ich dann sogar schon meinen vierten Vortrag als Jungbotschafterin der Rhein-Neckar-Region gehalten.

Zur Tradition der Schule gehört auch, dass sich einmal im Schuljahr alle Schüler und Lehrer treffen, um gemeinsam im nahegelegenen Park joggen oder einfach spazieren zu gehen. Angeführt wurden wir von vier Schülern, die die Russische Flagge, die der Region Yaroslavl, der Stadt Lyubim, und unsere Schulflagge hielten. Es war wirklich toll, denn so konnte man alle besser kennenlernen und vor allem mit den Lehrern außerhalb der Schule, einfach so reden.

Außerdem fährt die ganze Schule jedes Jahr in ein Dorf, Kukaboi, wo eine Führung mit viel Unterhaltung und typisch russischen Sachen geboten wird. Die Fahrt dahin dauert zwei Stunden und ist alles andere als toll. Bei den schlechten Straßen und dem alten Schulbus mit dem wir gefahren sind, hatte ich wirklich Angst. Ich war allerdings die einzige die wie ein verschrecktes Huhn da saß, alle anderen sind fröhlich durch den Bus gelaufen, haben gegessen und mich teilweise ausgelacht. Besonders die kleinen haben mich nicht verstanden, die fanden das ganze Gewackel und Geruettel ganz toll. Das der Bus jede Sekunde auseinanderfallen könnte…darüber hat sich keiner Sorgen gemacht, außer ich :) 

Mir fallen noch viele Dinge ein die hier toll sind, aber das war‘s erst mal, sonst würde der Bericht viiiiel zu lang werden. Denkt aber nicht, dass in Russland alles super ist. Es gibt auch schlechte Dinge über die ich noch berichten werde.

Bis zum naechsten Mal,

Йоханна