5.10.2016

Bericht #1 - Holá, que tal?

Mein Name ist Henry und ich habe mich entschieden ein Auslandsjahr mit AFS in Argentinien zu machen. Ich möchte euch in meinen Berichten, welche über das Jahr verteilt erscheinen werden auf meine Reise mitnehmen und zeigen, was ich hier schon vieles erlebt habe und was ich noch alles erleben werde.

Los ging es dann also am 18. August in Frankfurt, wo ich mit circa 40 Jugendlichen aus ganz Deutschland in 13 Stunden nach Buenos Aires geflogen bin. Nach langem Warten wurden wir dann endlich aufgeteilt, je nach dem in welche Region man in Argentinien musste. Ich fuhr mit einer Amerikanerin und einer Italienerin für circa 7 Stunden mit dem Bus von Buenos Aires nach Santa Fe.

Hier in Argentinien gibt es quasi keine Zugverbindung und deswegen muss man egal wohin man möchte den Bus nehmen, welcher jedoch zum Glück nicht sehr teuer ist. Dort angekommen wurde ich schon von meinem Afs-Betreuer erwartet und es ging für zwei weitere Stunden weiter bis nach San Justo, was rund 600 km nordwestlich von Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens, liegt.

Auf dem Weg dorthin habe ich versucht mir alles genau anzuschauen, wenn man sich überlegt, dass man hier für ein Jahr leben wird. Viel konnte ich jedoch leider nicht erkennen, da es bereits ein Uhr nachts war. In San Justo wurde ich sehr herzlich von meiner Familie empfangen und es ging direkt, nach dem ich meinen Koffer und meine Tasche in unserem Haus abgestellt habe, weiter mit meinem Gastbruder zu seinen Freunden. Wir waren noch bis sechs Uhr unterwegs bis wir endlich zu Hause angekommen sind. Ich war durch den Flug und die lange Busreise in der ich zwar versucht habe zu schlafen, was aber nicht wirklich funktioniert hat, sehr müde, sodass der nächste Tag für mich nur aus Schlafen bestand.

Ich lebe mit meiner Familie in einem gemütlichem Haus, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Wir haben einen kleinen Garten mit Pool, in dem es direkt am ersten Wochenende ein großes Asado mit sehr viel Fleisch gab. So nennt man hier das das Grillen, welches jeden Sonntag traditionell in einer Art Steinofen und immer mit Kohle gemacht wird. Vielen denken, dass man in Argentinien viel Fleisch ist und ich muss sagen es stimmt! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber über einen großen Salat freue ich mich mittlerweile schon sehr.

Nach zwei Tagen, an denen ich eigentlich nicht relativ viel gemacht habe, hat mich meine Gastmutter morgens direkt mit in meine neue Schule genommen um mich dort anzumelden. Es ist eine katholische Privatschule, welche sehr zentral liegt und nur etwa 10 Minuten zu Fuß von unserem Haus entfernt ist. Natürlich musste direkt mein Handy klingeln, als mich der Direktor der Schule meiner Klasse vorstellte. Ich hatte schon sehr Angst, da mir mein Gastbruder, welcher übrigens auch auf die selbe Schule geht, bereits schon davor gesagt hatte, dass die Schule sehr streng in Bezug auf das Telefonverbot ist. Zum Glück hat jeder gelacht und sogar der Direktor hat etwas geschmunzelt.

Katholische Privatschule hört sich auch erst einmal sehr streng an, jedoch ist hier alles sehr locker wie ich finde. Am ersten Schultag wurde ich direkt umzingelt und jeder wollte mich etwas fragen. Es waren Fragen von ''wie alt bist du?'' bis hin zu ''Stimmt es, dass es das ganze Jahr über schneit in Deutschland?''. Zum Glück habe ich direkt einen Mitschüler gefunden der Englisch sprechen kann. Er übersetzt mir immer alles, da ich nach Argentinien gekommen bin ohne auch nur ein Wort Spanisch zu sprechen. Was übrigens ein großer Fehler war, da ich in Spanisch nun zunächst große Probleme habe.

Natürlich war das Thema Fußball direkt sehr wichtig und jeder hat versucht mir zu erzählen, was er doch alles über deutsche oder europäische Fußball-Teams weiß. Hier in Argentinien gibt es auch sehr viele große Clubs, jedoch interessieren sich die meisten eigentlich nur für den europäischen Fußball. Man merkt, dass der Fußball hier ein sehr große Bedeutung für viele hat und so sind wir direkt am nächstens Tag mit Freunden meines Gastbruders kicken gegangen. Natürlich kam ich in meinem Deutschland-Trikot, musste mir dann aber direkt alle möglichen Sprüche anhören. J

Die sechs Wochen, die ich nun schon hier bin vergingen für mich sehr schnell. Für mich fühlt es sich so an, als würde ich schon mehrere Monate hier leben. Ich bin meiner Familie für alles sehr dankbar, aber vor allem meiner Mutter, die sich sehr rührend um mich gekümmert hat, als ich krank war. Da mein Gastbruder Anfang nächstes Jahr selbst ein Auslandsjahr in Deutschland machen wird, versuche ich ihm nun einige Brocken Deutsch beizubringen. Es hört sich doch schon sehr lustig an, wenn Argentinier versuchen Deutsch zu sprechen. Aber ich denke andersherum ist das genauso.

Die beste Entscheidung war es bis jetzt mit dem Volleyball anzufangen. Da ich in Deutschland schon sehr gerne Volleyball spiele, wollte ich es hier unbedingt fortsetzen. In der Schule wurde ich von jemandem angesprochen, ob ich nicht Lust hätte mit ihm ins Training zu gehen. Ich habe natürlich ja gesagt und schon am darauf folgenden Tag ging es los. Die Halle in der wir spielen kann man nicht wirklich Sport-Halle nennen, da der Boden aus Beton ist und Teile des Dachs und der Wände einfach fehlen. Das interessiert hier jedoch niemanden und man hat trotzdem jede Menge Spaß.

Das erste Training ging auch schon direkt mit einem Headshot und Nasenbluten für mich zu Ende, was mich aber nicht davon abhielt wieder zu kommen. Am darauf folgenden Wochenende waren ich und mein Gastbruder auf einen sehr lustigen 18. Geburtstag von einem Freund eingeladen, da es hier in Argentinien Tradition ist, wenn man 18 wird, dass man für 10 Sekunden von allen seinen Freunden geschlagen wird. Richtig Sinn ergibt es für mich nicht, aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Jetzt bin ich natürlich froh, dass mein 18. Geburtstag erst nach meinem Auslandsjahr ist.

Mein Gastbruder und ich verstehen uns jetzt schon sehr gut. Wir teilen uns ein Zimmer und da wir im selben Alter sind, nimmt er mich oft zu seinen Freunden mit. Meinen Gastvater kenne ich leider noch gar nicht, da er auf einer Ölplattform im Süden Argentiniens arbeitet. Er kommt immer nur alle zwei Monate für etwa drei Wochen nachhause. Ich freue mich schon sehr ihn kennenzulernen, da ich schon ein paar Mal mit ihm telefoniert habe und er sehr lustig ist.

Die Zeit die ich jetzt schon hier bin, ging so schnell rum, dass ich gar nicht fassen kann dass es schon sechs Wochen sind.

Saludos, Henry