31.8.2016

Bericht #1 - Buenos dias aus Argentinien!

Fast zwei Wochen bin ich nun schon in Rio Cuarto, Argentinien, und mir gefällt es super gut hier! Meine Gastfamilie ist total nett und ich habe ein wunderschönes eigenes Zimmer. Mit der spanischen Sprache komme ich auch prima zurecht, bis auf ein paar Vokabellücken verstehe ich nach einer Erklärung mehr oder weniger eigentlich alles.

Aber beginnen wir am Anfang: An einem Donnerstagabend ging der 14-stündige Flug von Frankfurt nach Buenos Aires. 

Im Morgengrauen landeten wir, die 40 Deutschen die ein Jahr mit AFS in Argentinien verbringen werden, in der kalten, winterlichen Hauptstadt. Nach einigen Stunden Warten mit den insgesamt über 200 Schülern aus aller Welt ging es dann weiter mit dem Bus in unsere jeweiligen Gaststädte. Solche Reisebusse sind total bequem in Argentinien, jeder hat seinen eigenen Fernseher, es wird Essen serviert wie im Flugzeug und die auf 180° zurückstellbaren Sitze sind weich und breit. Die 7 Stunden Fahrt habe ich komplett verschlafen.

Am Samstagmorgen traf ich nach den Strapazen der langen Reise endlich meine Gastfamilie. Gleich am ersten Tag gab es das typische argentinische Asado zum Mittagessen, ganz frisches eigenhändig mariniertes Fleisch auf einem riesigen im Haus eingebauten Grill zubereitet. In den nächsten Tagen haben wir gefühlt 100 Familien besucht, denen ich vorgestellt wurde, und jeder, wirklich jeder hat mindestens einen Hund. Hunde gehören hier einfach zum Familienleben dazu, genauso wie der Fernseher, der bei jedem Essen läuft und in (fast) jedem Raum des Hauses vorhanden ist. 

Von der fehlenden Privatsphäre und Armut, auf die wir von AFS vorbereitet wurden, spüre ich hier in meiner Familie nichts. Wir haben sogar einen Pool, der aber um diese Jahreszeit noch nicht genutzt wird. Hier ist es Frühling, das heißt einen Tag fast 30°C und am nächsten wieder 10°C und bewölkt. Vor allem nachts wird es noch ziemlich kalt.

Letzte Woche konnte ich noch nicht so viel machen, da ich noch nicht in der Schule war und deshalb (fast) niemanden kannte. Einmal bin ich mit meiner Gastschwester (11) zu ihrer Zirkusstunde gegangen; einmal war ich mit meinem Gastcousin (16) und seinen Freunden im Kino und an einem anderen Tag habe ich beim Hockeyspiel meiner Gastcousine (13) zugeschaut. Hockey ist hier sehr populär, es gibt unzählige Vereine. Ansonsten konnte ich morgens immer ausschlafen und lesen. 

Am Donnerstag hatte ich dann Geburtstag. Wir hatten für abends - 22 Uhr - die ganze Familie eingeladen. 22 Uhr ist hier so die übliche Zeit zum Abendessen. Es gab Pizza und anschließend natürlich Torte. Es war ein sehr schöner Tag. 

Am Samstag hatten wir unsere „Survival-Orientation“ von AFS, wo wir nochmal über unsere Erwartungen und Ängste gesprochen haben und die anderen Austauschschüler, die ihr Jahr in Argentinien in Rio Cuarto verbringen, kennenlernten. Insgesamt sind wir 13 Schüler aus Thailand, Neuseeland, Italien, Frankreich, Belgien, Dänemark und Deutschland. Jeder hat seinen persönlichen Betreuer und außerdem gibt es noch viele andere Freiwillige. 

Am Sonntag sind wir, meine Gastfamilie und ich, zur städtischen Autorennbahn gefahren, um dort mit dem Fahrrad zu fahren. Mein Gastvater ist, nebenberuflich, Rennautofahrer und deshalb auch dort ein alter Bekannter.

An alle, die sich immer beschweren, dass ihre Schule so früh beginnt: Meine fängt um 7:15 Uhr an. Zum Glück wohne ich ziemlich nah dran, sodass es reicht wenn ich um 6:30 Uhr aufstehe. Jeden Morgen versammeln sich zunächst alle Schüler in der Aula, um die Flagge zu hissen, die Nationalhymne zu singen und den Worten der Direktorin zu lauschen. Da meine Schule, das Colegio Concordia, evangelisch ist, geht es in der morgendlichen Ansprache hauptsächlich um Martin Luther.

Wenn der Unterricht dann mal anfängt, wird sich eher mehr unterhalten als mitgeschrieben. Die Lehrer, so wurde es mir erzählt, haben es mittlerweile aufgegeben sich durchzusetzen. Ich gehe in die Klasse 5to „A“, was in Deutschland die 11. Klasse wäre. Vom Unterrichtsstoff lässt es sich jedoch eher mit 9./10. Klasse vergleichen (Gymnasium).

Der erste Schultag war ziemlich anstrengend, da sich alle förmlich auf mich gestürzt haben und alle gleichzeitig superschnell auf Spanisch auf mich einredeten, aber das macht nichts, denn alle sind wirklich sehr nett und sehr bemüht mich zu integrieren. Eine Gruppe von Mädchen hat mich gleich bei sich aufgenommen und Pläne für Treffen geschmiedet. Insgesamt gefällt es mir total gut in der Schule und vor allem in meiner Klasse! 

Vielleicht habt ihr, liebe Leser, ja schon mal vom Mate-Tee gehört. In Argentinien ist es Tradition, unter den Erwachsenen zumindest, mit Freunden Mate zu trinken. Dabei wird der typische Mate Becher herumgegeben. Unter den Jugendlichen ist es hingegen eher üblich, Geld zusammenzulegen und eine große Flasche Cola („coca“) zu kaufen und herumzugeben.

Alles in allem bin ich wirklich glücklich hier und freue mich auf alles was ich in den kommenden 11 Monaten erleben werde! :) 

Bis bald, Maike