20.9.2017

Bericht #1 - Welcome to Watertown, Wisconsin!

Schon gut einen Monat bin ich mittlerweile hier in meiner neuen Heimat, Watertown, einer kleinen Stadt zwischen Madison und Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin, die ungefähr so groß wie Grünstadt (im Nordwesten meiner Heimat der Rhein-Neckar-Region) ist.

Aber fangen wir mal von Anfang an. Die große Reise begann für mich am 10. August. Früh morgens machte ich mich mit meiner Familie auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Dort traf ich dann auf rund 80 Jugendliche, deren Zielflughafen auch Chicago war. Nach einem turbulenten, tränenreichen, aber auch voller Vorfreude  9 Stunden Flug war es dann soweit und wir waren in Chicago gelandet.  Dort angekommen, wurden wir von dem regionalen AFS-Team empfangen und in ein vier Stunden entferntes Arrival-Camp gebracht. Hier bekamen wir noch letzte organisatorische Dinge erklärt und den einen oder anderen interkulturellen Tipp, der das Eingewöhnen erleichtern sollte. Am folgenden Nachmittag trudelten auch schon die ersten Gastfamilien ein. Alle waren total aufgeregt und nervös vorm ersten Zusammentreffen. Bei mir persönlich hat die Vorfreude überwogen.

Nach zwei Stunden Autofahrt kamen wir im Haus meiner Gastfamilie an und machten uns noch am selben Abend auf den Weg in die Stadt zu einem Sommerfest, dem Riverfest. Von der Größe und Auswahl an Fahrgeschäften kann dieses Volksfest es glatt mit unserem Dürkheimer Wurstmarkt aufnehmen.  Jedoch fehlten natürlich die typischen Pfälzer Weinzelte. Auch am Samstag war kein Ausruhen angesagt, denn meine Gastfamilie und ich waren zu einer  Graduation party eingeladen. Für die, die mit dem Begriff nicht viel anfangen können: In Amerika lädt man üblicherweise Familie und Freunde ein, wenn man die Highschool abgeschlossen hat, um dies zu feiern.

Hier konnte ich auch schon erste neue Freunde meiner künftigen Schule treffen. Alle waren supernett zu mir und haben mich alles Mögliche über Deutschland gefragt. Doch lange blieben wir nicht, denn wir waren für den Abend zu einer barn wedding geladen. Direkt übersetzt heißt das so viel wie Scheunen-Hochzeit, was es auch im wahrsten Sinne des Wortes war. Meine Gasteltern erklärten mir, dass es hier in Amerika ein immer populärerer Trend ist. Denn die für Amerika typisch großen, pompösen Hochzeiten sind recht kostspielig.

So kam es, dass Leute anfingen Hochzeiten in einer schön feierlich dekorierten Scheune zu feiern. Eigentlich unterscheidet sich die barn wedding nicht groß zu den Hochzeiten, die wir kennen. Nur ist die Zeremonie um einiges kürzer und die Location natürlich etwas anders. Da auch meine beiden Gastgeschwister kaum Leute kannten, nutzten wir die Gelegenheit, uns etwas näher kennenzulernen.

Bereits vor meiner Abreise haben mir meine Eltern geschrieben: „an deinem ersten Wochenende hier, gehen wir auf ein Baseballspiel“ Und so fuhren wir am Sonntag zum Baseball Spiel der Brewers, der Mannschaft von Milwaukee. Dort lernte ich auch meine neuen Verwandten kennen, nämlich die meines Gastvaters. Seine Familie ist ziemlich groß, wir waren ungefähr 25 Leute (meine Gastfamilie und ich mit einberechnet).

Der Rest der Woche war etwas entspannter und wir fuhren zum Haus am See der Großeltern. Dort verbrachten wir viel Zeit draußen und hatten sogar ein Lagerfeuer mit typisch amerikanischen sogenannten „S’mores“, d.h. goldbraun gebratene Marshmallows zwischen zwei Kekshälften und einer Schokolade. Tagsüber waren wir größtenteils am See bzw. auf dem See mit dem Motorboot oder auch den Wasserskiern. Auch ich durfte mich mal probieren und habe es eine gute Minute geschafft, mich auf den zwei Brettern zu halten. Und wenn wir mal nicht am See waren, fuhren wir mit dem Quad durch den Wald und auf die pipe line.

Nicht zu vergessen ist das besondere Naturphänomen, das wir hier in den USA hatten, die Sonnenfinsternis. Hinterher erfuhr ich, dass dies auch in den deutschen Nachrichten kam. Die verbleibende Zeit der großen Sommerferien verbrachte ich mit Tagestouren, wie den Zoo in Milwaukee besuchen, welcher meiner Meinung nach sogar den bei uns sehr bekannten Frankfurter Zoo toppt.

Oder ich verbrachte den Mittag zusammen mit meiner Gastmutter und Schwester in einer der großen Malls , um für ein Homecoming dress zu shoppen, ein event wie bei uns das Shoppen der Kleider für den Abschlussball. Aufregend fand ich auch den Besuch eines typisch amerikanischen Freizeitparks. Um genau zu sein war Mt. Olympus, der Freizeitpark, nicht nur ein Freizeitpark, sondern auch ein Wasser- und Themenpark. Aber auch Aktivtäten, wie mit Freunden Schlittschuhlaufen gehen oder Frizz Golfen habe ich unternommen.

Seit zwei Wochen ist aber jetzt auch bei mir so langsam Alltag eingekehrt und die Schule hat begonnen. Mit meinem Englisch komme ich inzwischen ganz gut zurecht. Aber ungewohnt ist für mich noch, dass es auf alles, auch auf jede Hausaufgabe, eine Note gibt. Auch der Unterrichtsstoff und die Fächer unterscheiden sich von dem, was ich aus Deutschland kenne komplett, aber davon das nächste Mal mehr.

Soweit kann ich nur sagen, mir gefällt es hier super und ich habe mich auch schon gut eingelebt!