2.11.2017

Bericht #1 - Mein etwas anders erwarteter Start

Ich weiß noch ziemlich gut, wie es war, mich von meinen Eltern, meiner Familie und meinen Freunden zu verabschieden, nicht zu wissen wie es sein wird, ein Jahr ohne sie zu verbringen. Das ist jetzt schon genau zwei Monate her und ich habe mich hier in Irland in meiner neuen Familie schon sehr gut eingelebt und fühle mich hier sehr wohl.

Ich habe hier eine italienische Gastschwester, Federica, und zwei irische Gastschwestern, Myeshim und Devyn, die aber nur zwei bis drei Tage bei uns sind. Sie sind die Enkelinnen meiner Gastmutter und wohnen bei uns, wenn kein Universitätstag ist oder wenn die Mutter arbeiten ist. Meine Gastmutter Frances und mein Gastvater Peter sind offene und freundliche Menschen, die auch sehr geduldig sind, wenn ich und Federica doch etwas überlegen müssen um das richtige Wort zu finden.

Aber jetzt sollte ich mal von Anfang an mein Auslandsjahr erzählen. Als ich Donnerstagmorgen nach drei Stunden Schlaf schon aufwachen musste, ich hatte bis zwölf Uhr nachts noch meine Tasche gepackt, war ich noch nicht so aufgeregt und hatte noch nicht richtig realisiert, dass es jetzt losgehen wird. Mich begleiteten nur meine Schwester und mein Papa zum Flughafen.

Aber mein Ziel von Frankfurt aus war noch nicht Irland. Nachdem ich die anderen Schüler von AFS am Flughafen getroffen hatte und mich dann auch von den letzten mir nahestehenden Leuten verabschiedet hatte, ging es für mich und die anderen nämlich nach London, wo wir ein zweitägiges Arrival-Camp hatten. Da wir nur deutsche Schüler dort waren, war unsere erste Hürde mit der Sprache erst einmal nur die Campleiter zu verstehen, aber das war, zumindest für mich, schon schwierig genug, da sie dann doch einen ziemlichen Akzent hatten. Wir wiederholten vieles von den vorherigen Vorbereitungscamps, fanden neue Freunde und hatten viel Spaß. Diese zwei Tage von Donnerstagmorgen in Frankfurt zu Samstagmittag in Dublin gingen dann viel schneller rum als erwartet.

Kurz vor der Landung war die Spannung zum Greifen nah, wir 48 Schüler vom Camp hatten alle sechs letzten Reihen vom Flugzeug belegt und wir wollten nur so aus dem Flugzeug sprinten, um unsere Gastfamilien zu treffen. Nach einem viel zu langen Weg zur Eingangshalle trafen wir unsere Gastfamilien. Frances, Myeshim, Devyn und auch Federica, sie etwas schüchterner, begrüßten mich alle mit einer herzlichen Umarmung. Dann ging es auch schon nach Hause, mit einer einstündigen Fahrt. Wir machten zwischendurch eine Essenspause bei Burger King. Ich bin ehrlich: Es war das erste Mal, dass ich dort gegessen habe und mir wurde in dem Moment klar, dass ich jetzt ein Jahr wirklich anders essen werde. In Deutschland esse ich vielleicht dreimal im Monat Fleisch, hier esse ich jeden Tag Fleisch. Ich habe schnell gemerkt verschiedene Familien, verschiedene Arten zu leben, was aber auf gar keinen Fall etwas Schlechtes ist. Ich war durch die Vorbereitungswochenenden sehr gut darauf vorbereitet.

Am Samstagabend und Sonntag kauften wir noch unsere Schuluniformen und am Montag ging es dann auch schon los mit unserem neuen irischen Alltag. Die Schule hier fängt erst um neun Uhr an und hört um sechzehn Uhr auf, also erstmal eine große Umstellung. Aber man hat sich schnell daran gewöhnt. Länger ausschlafen ist immer gut. Mein erster Schultag war nicht so anders, als in Deutschland, weil ich in das Transition-Year gekommen bin. Wir haben uns gegenseitig kennengelernt und haben ein paar Spiele gespielt. Dieses bestimmte Jahr ist dafür, dass man Berufserfahrungen sammelt und sich selbst besser kennenlernt. Also perfekt für mich, denn so kann ich nur noch mehr Erfahrungen sammeln. Das Transition-Year ist das vierte Jahr in der Secondary School. Du kannst dieses Jahr auch überspringen, so kann es schon sein dass du schon nach 11 Jahren mit der Schule fertig bist. Denn die Primary School geht sechs Jahre lang und die Secondary School auch.

An diesem ersten Tag haben wir unseren Terminkalender vom Transition Year bekommen. Und unser erster Termin war schon an dem zweiten und dritten Schultag: Wir machten einen zweitägigen Ausflug nach Carlingford in ein Abenteuer-Zentrum, wo wir Kajaken und Klettern waren und Teamaufgaben und Lasertag absolviert haben. Für mich und die anderen zwei Austauschschüler in meiner Klasse, Federica ist im fünften Jahr, eine super Gelegenheit die Klasse kennenzulernen und Freunde zu finden. Wir bekamen den Donnerstag frei und am Freitag ist immer Praktikumstag, da ich aber noch keinen Praktikumsplatz hatte, hatte ich zwei freie Tage, die ich nutzte um wieder gesund zu werden.

Es war immer so kalt für mich am Anfang hier in Irland, dass ich schon zweimal krank war. Die nächste Schulwoche war auch noch sehr ruhig, weil wir zum ersten Mal unsere Lehrer hatten und wir noch in das Jahr eingeführt wurden. Die vielen verschiedenen und neuen Fächer machten mich neugierig. Nach und nach lernte ich die Fächer kennen, lernte einige zu schätzen und einige nicht so sehr. Mein Englisch ist auch immer besser geworden und ich war erstaunt wie schnell ich mich in die Sprache eingefunden hatte. Nach jeder Woche die verging lebte ich mich mehr in den Alltag ein. 

An den Wochenenden mache ich eigentlich immer etwas. Ich war schon zwei Mal in Dublin. Es ist wunderschön dort, nicht die typische Großstadt mit vielen Hochhäusern. Es ist alles sehr flach und originell. Die Zugverbindung von Mullingar nach Dublin ist auch okay, aber ich muss erstmal nach Mullingar kommen. Da merke ich, dass ich die Mobilität, die ich von zuhause kenne, wirklich vermisse.

Meine Betreuerin von Interstudies, die Partnerorganisation von AFS hier in Irland, macht jeden Monat ein Treffen mit uns Austauschschülern. Unser erstes Treffen ging in den Glendalough-National-Park. Es ist ein wunderschöner in den Bergen liegender Park. Dort habe ich auch wieder meine Freunde vom Arrival-Camp getroffen und wir hatten einen tollen Tag.

Da der Bericht nicht zu lang werden sollte und ich dann doch zu viel noch zu erzählen hätte, höre ich jetzt hier erstmal auf. Und ihr hört wieder im nächsten Artikel etwas von mir.


Beste Grüße aus Irland
Eure Emily