16.11.2017

Bericht #2 – Adrenalingeladene Aktivitäten…

Mein letzter Bericht ist schon wieder einige Wochen her und die Zeit rennt immer noch. Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wenn ich Freitag nach der Schule an „RaceTrac“ (die Tankstelle bei unserer Schule, die auch als Kiosk missbraucht wird) abhänge. Ich bin dann selbst überrascht, wenn ich realisiere, dass die Woche schon so gut wie vorüber ist.

Ich denke, jetzt ist es mal an der Zeit auch meine Familie, in der ich lebe, Euch näher vorzustellen. Hier ist einmal mein Gastbruder Aaron. Er ist auf jeden Fall ein super lustiger Typ, aber vom Grundsatz her eigentlich das komplette Gegenteil von mir. Seine Zeit verbringt er meist an der Konsole oder redet über die „historischen Fakten“ verschiedener Spielereien. Wir kommen nichtsdestotrotz echt gut miteinander zurecht. Er ist 12 Jahre alt, aber ich bin mir sicher, dass er eigentlich auf 14 oder älter geschätzt wird - das ist er aber definitiv nicht:)

Meine Gasteltern sind beide herzensgute Leute, die immer nur das Beste wollen und wenn sie könnten, der ganzen Welt helfen würden. Beide arbeiten hier ziemlich am Limit. Ich schätze, dass sie eine ca. 70-Stunden-Woche haben und das mit einem ziemlich taffen Rhythmus, da beide Truck fahren. Mein Gastvater verlässt normalerweise gegen 2 Uhr früh das Haus. Das könnte ich nicht machen, ich bräuchte meinen Schlaf.

In den letzten Wochen ist durchaus einiges passiert. Ich fang mal mit den Football Highlights an: Am Wochenende vor dem großen „Homecoming“ Spiel haben wir gegen die rivalisierende Schule in Deltona gespielt. Das Ganze wurde immens zelebriert! Zwischen den beiden Schulen ist vielleicht eine Distanz von höchstens 10 Kilometern, man benötigt also max.15 Minuten mit dem Auto. Wir haben an diesem Tag aber eine gute Stunde dafür gebraucht! Da fragt man sich natürlich wieso das Ganze? Ganz einfach: Wir haben eine komplette Parade einmal quer durch die ganze Stadt veranstaltet. Ich schätzte mal um die 80 Wagen, weiß geschmückt, die Cheerleader in einer Stretch-Limousine und wir mit Polizei-Eskorte voraus. Alle Leute haben am Straßenrand gefilmt. Ich habe mich definitiv ein bisschen wie ein Superstar gefühlt!

Das Spiel haben wir dann auch klar für uns entschieden und ich hab sogar relativ viel Einsatzzeit für meine Verhältnisse gehabt. Die Stimmung war dann auf dem Rückweg und im Locker Room, der Umkleide, dementsprechend ausgelassen!

Die Woche darauf war dann „Homecoming“ Game und Dance. Das Spiel haben wir „Gott sei Dank“ auch gewonnen, sonst wären wir wahrscheinlich zum Gespött der ganzen Schule geworden. Ein paar Impressionen sind in diesem Video zu sehen.

Für den anschließenden Ball habe ich mir dann kurzfristig noch „ein Date besorgt“, was mich dann zusammen 60$ gekostet hat. Das war ein hoher Preis und echt viel zu viel, da hätte man auch fast ins P1 nach München gehen können oder auch in irgendeinen regionalen Club. Aber gut, was man nicht so alles macht, kann ja mal eine Erfahrung wert sein! Ich muss zugeben, es war ein netter Abend mit meinem Freunden, aber es ist dann doch sehr amerikanisch. Ich will damit nicht sagen verklemmt, aber irgendwie ganz anders, wie ich das aus Deutschland kenne. Böse Zungen behaupten, dass das vielleicht auch am fehlenden Alkohol lag ;-), die Altersgrenze liegt in USA bekanntlich streng bei 21. Aber ich will das „Homecoming“ wie ich es erlebt habe bestimmt nicht schlecht reden, so schlimm war es auch wieder nicht, es hat nur nicht ganz meine Erwartungen getroffen, die ich nach all dem Hype, der darum gemacht wurde, hatte. Man kann ja nicht immer alles haben… Es gab auf jeden Fall eine wahnsinnig tolle Kulisse in der Sporthalle, die eine Unterwasserwelt darstellen sollte, Wasser und Pizza nicht zu vergessen.

Die Football-Saison ist dann auch zu Ende gegangen und ich muss sagen, ich habe insgesamt eine großartige Zeit auf dem Platz verbracht. Egal, ob ich teilweise erst um 20 Uhr zuhause war, böse Blutergüsse, blaue Flecken und trotz Helm das ein oder andere Mal leider auch Kopfschmerzen davontrug, habe ich echt viel Spaß gehabt und mich vielleicht ein kleines bisschen in den Sport verliebt. Ich freue mich jetzt schon wieder auf Spring Football im nächsten April.

Jetzt mache ich weiter mit Wrestling (Ringen). Das wird den ein oder andern überraschen, da auch die Basketball-Saison anläuft und ich eigentlich seit Jahren Basketball spiele. Ich hatte für eine Woche mal beides parallel ausprobiert und dann für mich eine Entscheidung getroffen. Da ich sicher bin, dass ich (zurück in der Heimat) nie wieder Wrestling machen werde, denk ich mal, das könnte eine super Erfahrung werden, etwas Neues, vielleicht Einmaliges auszuprobieren, Erfahrung zu sammeln. Und wie sich zeigt, macht es mir auch echt Spaß. Mal gucken wie ich mich in der Saison schlage, ich halte euch auf dem Laufenden.

Außerdem hatten wir ja auch vor ein paar Wochen Halloween und ich bin mit meinem Gastbruder zu "Halloween Horror Nights" zu einem der berühmten Freizeitparks in Orlando, den „Universal Studios“, gefahren. Leider hat es an diesem Tag fast die ganze Zeit geregnet. Das hielt uns allerdings nicht davon ab, uns an jeder der Attraktionen anzustellen und alles auszukosten, was ein echt großer Spaß war. Die Mitarbeiter von Universal haben ganze Arbeit geleistet, allein mit den verschiedenen Horrorfilm-Häusern von „The Shining“ bis zu „American Horror Story“ war alles dabei. Das lange Anstehen und Warten in der Nässe war zwar nervig, aber immerhin hatte es 25 Grad -- typisch Florida Lifestyle. Das Beste war meiner Meinung nach „The Purch“: Da hatten sich einfach ein paar Leute in Attraktionswagen gesetzt mit Masken auf, Motorsägen oder Fake-Gewehren bewaffnet und erschreckten die Besucher, sehr amüsant. Ich glaube wir haben den Park erst gegen halb 3 nachts verlassen und ich bin sofort eingeschlafen als ich im Auto saß, immer noch halb voller Adrenalin :)

Letztes Wochenende war ich dann zusammen mit meiner Familie Campen an einem See. Morgens bin ich zusammen mit meinem Gastvater, ausgerüstet mit Angeln, mit dem Kajak rausgefahren, um die dicken Fische in der Früh zu fangen. Ich bin also ca. zwei Meter vom Ufer entlang gepaddelt, als plötzlich doch tatsächlich ein, ich würde sagen, vier Meter langer Alligator aus dem Gebüsch gekrochen kam und ins Wasser tauchte. Er muss wohl unter mir durchgetaucht sein, ich hatte gar keine Möglichkeit auszuweichen. Also da war ich mal dankbar, dass der Kollege mein Boot verschont hatte… Grüße gehen an dieser Stelle raus an den Alligator!

Das war’s dann auch schon von mir, mal gucken, wie mein erstes Thanksgiving wird. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, da wir zum zweiten Mal eine größere Autofahrt geplant haben. Aber dazu nächstes Mal mehr.

Euer Julian