10.12.2017

Bericht #2 - Kultureindrücke aus der Region Valencia

Hallo Metropolregion Rhein-Neckar, es ist schon einige Zeit seit meinem letzten Bericht vergangen, weil ich leider noch keine Zeit fand einen weiteren zu schreiben. Jetzt aber ist es soweit!

Gewöhnungsbedürftiger Tagesrhythmus

Da ich die Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland noch nicht angesprochen habe, möchte ich damit einsteigen und erläutere zunächst einmal den wohl auffälligsten: die Ess- und Schlafzeiten. In Spanien gibt es fünf Mahlzeiten am Tag, die in der Regel auch ziemlich genau eingehalten werden. Das Abendessen wird jedoch nicht um ca. 19 Uhr, wie in Deutschland gegessen, sondern erst um ca. 22 Uhr, was ein ganzes Stück später ist. Kurz gesagt heißt das: Wenn du vor 22 Uhr müde bist und früher schlafen willst, geht das nicht.

Dafür gibt es die „Siesta“, die man nachmittags hält, um den fehlenden Schlaf nachts aufzuholen. Aber es ist gar nicht so einfach, sich mitten am Tag einfach mal hinzulegen und zu schlafen und seine Arbeit dann einfach abends zu erledigen. Kein Wunder also, dass ich in der ersten Zeit komplett verschlafen war. Die „Siesta“ hat jedoch auch einen Sinn: Und zwar ist es vor allem im Sommer mittags einfach zu heiß, um rauszugehen, weshalb sich die wesentlichen Aktivitäten eines Tages komplett auf den Morgen und den Abend verteilen müssen.

Historisches und Aktuelles

Eines der interessantesten Kultur-Erlebnisse war für mich bisher das Fest „Moros i Cristians“ (dt. Mauren und Christen) gewesen, das über das ganze Jahr verteilt in vielen Städten Spaniens, vor allem aber in der hiesigen Region, der „Comunidad Valenciana“ gefeiert wird. Es ist ein großer Umzug, bei dem an die „Reconquista“ (Rückeroberung) in Spanien im Mittelalter gedacht wird. Meine Stadt Ontinyent hat einen der größten und bekanntesten Umzüge zu diesem Thema, leider findet dieser aber immer Ende August statt, sodass ich ihn wohl leider während meines Aufenthalts nicht sehen werden kann. Jedoch habe ich mir natürlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, den Umzug in Valencia anzusehen, der auf jeden Fall sehr beeindruckend war. Vor allem die traditionelle Musik hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Womöglich das größte Fest in meiner Stadt fand am 8. Dezember statt: das Fest zu Ehren der „Purísima Concepción“ (dt.: unbefleckte bzw. Mariä Empfängnis, in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag). Der Feiertag an sich war nicht wirklich das spannende an diesem Fest, sondern das Wochenende davor. Da habe ich nämlich mein erstes Stier-Rennen miterlebt. Natürlich kann man dieses in meiner kleinen Stadt nicht mit dem berühmt-berüchtigten in Pamplona vergleichen, da hier immer nur ein Stier auf einmal freigelassen wurde. Spaß hat es definitiv aber trotzdem gemacht, denn wenn man das Glück hatte und über 16 war, durfte man mitrennen. Und auch wenn es nicht wirklich lustig klingt und ist, vor einem Stier wegzurennen, war es dennoch ein unvergessliches Erlebnis. Jedoch waren wir so schreckhaft, dass wir schon weggerannt sind, wenn sich nur wenige umgedreht haben um zu gehen. Da hat man auch den Unterschied zwischen den „Anfängern“ und den etwas Erfahrenen gesehen.

Auch wenn sich die Lage inzwischen etwas entspannt hat, möchte ich trotzdem noch von meiner Erfahrung mit der Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens erzählen, welche in den vergangenen Monaten weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Denn obwohl in Valencia alles ziemlich ruhig und gelassen hingenommen wurde, gab es an einem Tag doch mal eine Demonstration, die ich mehr oder weniger mitverfolgen konnte. Wobei ich eher ungewollt in die riesige Menschenmasse geraten bin, weil ich zufällig durch die gleiche Straße lief. Im Vergleich zu dem was man in Katalonien gesehen hat, war das zwar eine eher kleinere Demonstration, dennoch sind nach nur fünf Minuten immer mehr Polizisten angerückt. Seit Dezember haben sich auch die Nachrichten wieder beruhigt, denn davor konnte man keine Minute fernsehen ohne Nachrichten über Katalonien zu sehen. Inzwischen gibt es sogar mehrere Satiresendungen über die Unabhängigkeit.

Soweit meine bisher wichtigsten Eindrücke aus Spanien.

Bis zum nächsten Bericht,

Jana