30.3.2018

Bericht #5 - Nascar, Parkland und Bahamas-Trip...

Servus Metropolregion Rhein-Neckar,

seit meinem letzten Bericht ist schon wieder einige Zeit verstrichen, wenn man auf das Kalenderdatum blickt. Aber ehrlich gesagt, ist mir das gar nicht so bewusst, denn die Zeit hier vergeht wie im Flug, gefühlt so spaceshuttlemäßig. So langsam wird mir jedoch bewusst, dass ich hier gar nicht mehr so viel Zeit übrig habe. Aber die, die ich noch habe, werde ich natürlich in vollen Zügen auskosten.

Was ist bei mir passiert in den letzten Wochen? Es ist es wieder richtig schön warm hier in Florida. Wenn ich morgens aus dem Haus Richtung Bus laufe, so gegen 6 Uhr, habe ich mir - übertrieben ausgedrückt - schon Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht doch lieber ein drittes Shirt eingepackt hätte. Die ersten zwei Sonnenbrände habe ich dementsprechend auch schon hinter mir.

Faszination Autorennsport

Den ersten hab ich mir bei den Daytona 500 geholt. Das ist ein berühmtes NASCAR-Autorennen. Die Abkürzung steht für „National Association for Stock Car Auto Racing“. In Europa wird vor allem die Formel 1 bejubelt und danach vielleicht noch die Motorrad-WM (MotoGP). In den USA aber ist NASCAR sehr populär, die Stadien sind riesig, allein hier in Daytona gibt es 101.000 Sitze. Der wesentliche Unterschied zwischen Formel 1 und NASCAR sind die Strecken: Stadionartig wird nur im Rechteck gefahren und die Autos sind mehr oder weniger straßentaugliche Autos im Gegensatz zu Formel 1. eher noch vergleichbar mit der deutschen DTM-Serie.

Das war auf jeden Fall ein echt aufregender Tag dort. Wir hatten Sitze in Reihe 3, also direkt an der Strecke! Das zauberte mir jede Runde aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht. Und die Fans sind alle total verrückt: Der Mann vor mir hatte ein Sixpack Bier („Miller lite“) auf seinen etwas korpulenten Körper tätowiert. Ich hab leider kein Foto davon, was mich später ein bisschen geärgert hat, aber ich habe es schlichtweg verpennt.

Schulmassaker von Parkland

Dann will ich aber noch zu einem ernsteren Thema kommen: Der Amoklauf in Parkland nur drei Autostunden südlicher von meiner Schule, und die Folgen davon. Die Nachricht ist innerhalb von Minuten bei mir eingeschlagen, da ich Leute dort auf der Nachbarschule kenne. Durch die sozialen Medien waren in wenigen Minuten Videos, Bilder veröffentlicht – nicht mal eine Stunde nach dem Amoklauf bereits sogar eine Instagram Seite. Das war wirklich gruselig!

Die darauffolgenden Tage waren sehr turbulent. Die Schüler in South Florida hatten fast eine Woche schulfrei gehabt aus Angst vor Trittbrettfahrern. Diese Sorge sollte sich auch als nicht total unbegründet herausstellen. In Schulen in ganz Florida, auch in meinem Bezirk, wurden Schüler mit Waffen oder Munition festgenommen. Die lokalen Sender brachten Sondersendungen am laufenden Band. Auch an meiner Schule wurde jemand festgenommen, der Verdacht stellte sich Gott sei Dank aber als unbegründet heraus. Es war jedoch eine extrem angespannte Stimmung.

Wenn ich das richtig in den deutschen Medien verfolgt habe, wurde über die anschließenden Anti-Waffen-Proteste viel berichtet, welche ich auch unterstütze. Und es sieht ja so aus, als könnte man zumindest ein bisschen etwas verändern, Teilerfolge wurden ja schon erzielt. Aber ganz so einheitlich, wie in manchen Medien berichtet, sehen das dann doch nicht alle Amerikaner. Man muss das ganz ehrlich so hart sagen, dass vor allem die weißen Amerikaner mit konservativer Einstellung teilweise kein Verständnis für den ganzen Protest haben. Das Hauptargument, was dabei immer wieder angeführt wird, ist: „Nicht die Waffe schießt, sondern der Mensch“. Ich denke, jeder ist in der Lage, sich dazu eine eigene Meinung zu bilden. Es bleibt ein spannendes und ernstes Thema.

Leisure life auf den Bahamas

Zurück zu den schönen Dingen im Leben: Gerade hatten wir Spring break. Zusammen mit meiner Familie habe ich eine dreitägige Kreuzfahrt in die Bahamas gemacht. Das war sehr schön, man kann es nicht anders beschreiben. Sehr amerikanisch angehaucht, aber trotzdem hat es diesen besonderen Insel-Flair! Es gibt dort eine wahnsinnig schöne Unterwasser-Welt. Ich war Schnorcheln und Parasailing. Dort habe ich Fische gesehen, ganz ehrlich, ich hatte keine Ahnung gehabt, dass es sowas überhaupt gibt. Unglaublich toll!

Beim Parasailing habe ich sogar einen relativ großen Fisch, vielleicht drei Meter lang, unter mir gesehen. Ich könnte schwören, dass es ein Hai war. Das kann ich natürlich nicht beweisen und es könnte auch eine haiartige Wolke gewesen sein, die ihren Schatten auf das türkisblaue Wasser geworfen hat und dann mit einem Windstoß einen Affenspeed bekommen hat und durch das Wasser geschnitten ist. Merkt ihr schon. Sehr unrealistisch, das muss also ein Hai gewesen sein. Es gibt gar keine andere Möglichkeit.

So viel von mir.

Viele Grüße an meine treuen Leser, ich hoffe, ich konnte einen Einblick in meine jüngsten Erlebnisse geben.

Viele Grüße
Julian Bahne