21.6.2018

Bericht #9 – Kurz vor Schluss noch ganz neue Eindrücke

Liebe Metropolregion Rhein-Neckar,

langsam geht mein Auslandsjahr dem Ende zu. Einen Monat bleibt mir noch, bis es heißt Abschied zu nehmen von all den lieben Menschen, die ich in den letzten Monaten kennengelernt habe, und von einem traumhaft schönen Land, in dem ich so viel erlebt habe. Unglaublich wie schnell die Zeit verging!

Nun berichte ich euch, was seit meinem letzten Bericht alles passiert ist. Ende April trafen wir uns zu unserem letzten AFS - Camp in Santiago. Am Vortag der Abreise wurden Streiks des Flugverkehrs vorhergesagt. So schrieb mir meine Freundin aus dem Norden Chiles, dass ihr Komitee für die Austauschschüler von einer Flugreise spontan zu einer 13 stündigen Nachtfahrt mit dem Bus umgebucht hatte und sie bereits schon unterwegs ist. Das konnte für uns aus Punta Arenas also heiter werden, denn die Möglichkeit den Bus zu nehmen war ausgeschlossen! Wir leben verkehrstechnisch so ähnlich, als wären wir auf einer Insel. Doch wir hatten Glück, unser Flugzeug startete mit Verspätung. Wir waren ca. 14 Stunden unterwegs, und kamen noch rechtzeitig zum Abendessen in Santiago an.

Die Tage im Camp waren super toll! Wir hatten die Möglichkeit, uns auszutauschen und nochmal über die vergangenen Monate unseres Auslandsjahres, vor allem aber auch auf die ersten Tage im Land zurückzublicken. Ein Treffen mit so vielen Gleichgesinnten ist was ganz Besonderes und gehört wirklich zu den Highlights dieses Jahres.

Schon auf dem Hinflug, kurz vorm Aussteigen erfuhren wir, dass für die AFS'ler aus Punta Arenas die Reise etwas länger andauern wird. Weitere 10 Tage müssen wir wegen den Streiks in Santiago verbringen und es werden Gastfamilien für uns gesucht. Im ersten Moment waren wir alle etwas überfordert, denn natürlich hatten wir nur für drei Tage gepackt und nicht für 2 Wochen! Zudem war uns allen klar, dass uns nicht mehr viel Zeit in Chile bleibt und uns so nochmal 2 Wochen genommen werden, die wir nicht mit unseren Familien und Freunden verbringen können.

Naja... lang darum zu trauern hätte uns sowieso nichts gebracht, also mussten wir jetzt das Beste daraus machen. Schlussendlich verbrachten wir eine tolle Zeit in Santiago. Ich landete in einer ziemlich reichen Gastfamilie in Santiago. Sie bestand aus der Gastmutter, meinen zwei älteren Brüdern, meiner Gastoma, der Nana - die Haushälterin und dem besten Teil der Familie, der Katze. Es war eine neue und ganz eigene Erfahrung für mich.

Da meine Familie den ganzen Tag arbeitete, hatte ich alle Freiheiten der Welt und konnte meinen Tag von morgens bis abends selbst planen. So traf ich mich jeden Tag mit den anderen Austauschschülern aus Punta Arenas und wir erkundeten die Stadt. Es hat total viel Spaß gemacht, und vor allem die Wärme tat uns so gut! Da die Familie ihr Wochenende im Ferienhaus am Meer verbringen wollte und ich von dort aus keine Möglichkeit hatte zum Flughafen zu kommen, musste ich nochmal für zwei Tage in eine andere Familie wechseln. Sie waren extrem nett und ich fühlte mich sehr wohl. Sie hatten in den letzten Jahren schon viele Gastschüler beherbergt. Meine Gastschwester war vor 2 Jahren in Frankreich mit AFS und ihre ältere Schwester war in den USA und ist nun Vorsitzende vom Komitee Santiago. Das Wochenende verging wie im Flug und montags wurden wir früh morgens von einem Shuttle abgeholt und zum Flughafen gebracht.

Eine echt aufregende Zeit war das in Santiago! Die Möglichkeit noch einmal neue Familien kennenzulernen war für mich verdammt toll, denn so konnte ich einen Einblick in doch sehr unterschiedliche chilenische Familien bekommen.

Ein weiteres Highlight war das Zelten mit AFS in einem Nationalpark in der Nähe von Punta Arenas. Da unser AFS-Komitee hier in Punta Arenas eigentlich nichts mit ihren Gastschülern unternimmt, hatte mein Gastpapa die Idee, eine Übernachtung am See für uns zu organisieren. Eine AFS Freiwillige hat sogar mitgespielt und entschloss sich, mit ihrer Familie dann auch bei uns zu campen. Bis auf die verdammte Kälte, verbrachten wir tolle Tage dort. Wir grillten, machten Spaziergänge und überlegten uns, was wir wohl machen würden, wenn uns ein Puma aus dem Wald in der Nacht besuchen würde. Glücklicherweise besuchte uns nur ein total zutraulicher Fuchs am Zeltplatz. Da es Mitte Herbst war, verwandelten sich alle Bäume in echte Kunstwerke. Die Blätter verfärbten sich in allerlei Farben, noch extremer als ich es von Zuhause kenne.

So weit erstmal zu meinen zwei Ausflügen mit AFS. In den letzten Monaten verging die Zeit wie im Flug, was auch der Grund ist, warum ich mich erst jetzt wieder melde. Da mich so viele schon gefragt haben, wann denn endlich mein Bericht online käme, verspreche ich, dass der Nächste nicht so lange auf sich warten lässt.

Bis dann!

Eure Luise