24.6.2018

Bericht #7 - Allein im hohen Norden Finnlands

Liebe Metropolregion Rhein Neckar,

vor einigen Wochen hatte ich Skiferien in Finnland. Und wie man sich bestimmt schon denken kann, bin ich natürlich Skifahren gegangen. Ich bin mit meinen Gastcousins und deren Eltern zum Skigebiet Iso-Syöte gefahren. Die Umgebung dort ist wirklich unglaublich schön und wir hatten unvorstellbar viel Schnee. Ich habe es sogar geschafft in ein Schneeloch zu fallen, das so tief war, dass ich den Boden nicht einmal mit den Füßen berühren konnte, und ich aus dem Loch herausgehoben werden musste.

Nach zwei Tagen bin ich zur Hütte von meiner Gastfamilie umgezogen, die auch zum Skifahren gekommen waren. Ich hatte wirklich eine Menge Spaß dort und bin jeden Tag zusammen mit meinen Gastgeschwistern Ski gefahren. Am Freitag hatte mein Gastbruder einen Snowboard-Wettbewerb, bei dem er Tricks machen musste. Eigentlich sah es ganz gut aus, aber dann ist er hingefallen und es hat sich schnell herausgestellt, dass er seine Hand gebrochen hatte. Da das nächste Krankenhaus zwei Stunden entfernt und auf halbem Weg wieder nach Hause war, haben meine Gasteltern entschieden noch in derselben Nacht wieder nach Hause zu fahren. Das einzige Problem war, dass wir einen Platz zu wenig im Auto hatten. Mein Bruder wäre eigentlich mit ein paar Freunden zurückgefahren, aber das ging durch den Unfall natürlich nicht mehr.

Nach langem hin und her wurde klar, dass es nur eine Lösung für das Problem gab, und diese war, mich dort zu lassen. Da ich die Nacht verständlicherweise nicht auf der Straße verbringen wollte, musste ich ein bisschen herumtelefonieren und fand schließlich einen Platz zum Schlafen bei einem anderen Austauschschüler, der in der Nähe lebte. Ich war ziemlich nervös ehrlich gesagt. Ich hatte mit ihm nur ein paar Mal gesprochen und kannte ihn kaum und natürlich hatte ich seine Gastfamilie auch noch nie getroffen, aber alle Sorge war unbegründet und ich hatte eine wirklich schöne Zeit dort.

Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Bus von Pudasjärvi nach Oulu. Pudasjärvi ist übrigens flächenmäßig die zweitgrößte Stadt Finnlands – rund 5.800 Quadratkilometer, das ist nur wenig größer als die Metropolregion Rhein-Neckar, aber mehr als zwei Mal so groß wie Luxemburg zum Beispiel. Allerdings hat diese Stadt nur ungefähr 8.700 Einwohner, durchschnittlich gibt es also 1,5 Menschen pro Quadratkilometer (zum Vergleich Rhein-Neckar: 2,4 Mio. und über 400 pro km²). Dort ist also mehr oder weniger nichts los.

In Oulu angekommen, sah das doch nochmal ganz anders aus. Ich bin am Bahnhof angekommen und stellte fest, dass ich noch zwei Stunden auf ein paar Bekannte der Familie warten musste, die mich dort abholen würden, und ich wollte diese Zeit wirklich nicht am Bahnhof verbringen. Es war nämlich sehr kalt und da Samstag war, konnte ich auch nicht in das Gebäude hineingehen, also habe ich mich entschlossen eine Weile durch Oulu zu laufen und habe mich natürlich erst einmal verirrt. Nach einigem Suchen habe ich einen Supermarkt gefunden, der offen hatte und habe dort meine Wartezeit abgesessen, bis ich schließlich wieder zurück zum Bahnhof gegangen bin. Nach drei Stunden Fahrt in einem Auto, das so vollgepackt war, dass ich mich keinen Zentimeter mehr bewegen konnte, war ich dann endlich wieder in Kaustinen angekommen.

Dies war eine wirklich anstrengende aber auch sehr aufregende Reise für mich. Es hat mir gezeigt, dass ich überall auf der Welt zurechtkommen kann. Ich war an diesem Wochenende allein im hohen Norden zurückgelassen worden, hatte mich in einer Stadt verirrt, in der ich noch nie gewesen war, in einem Land dessen Sprache ich noch nicht wirklich beherrscht hatte und doch bin ich zurechtgekommen. Daher ist diese Erfahrung etwas Besonderes für mich. Bei so einem Auslandsjahr macht man natürlich immer wieder ganz besondere Erfahrungen. Und von meinen Erfahrungen werde ich nächstes Mal wieder berichten. Bis dahin wünsche ich allen eine schöne Zeit!

Eure Jule