28.8.2015

Bericht #1

Holá MRN!

Ich bin zwar erst seit ein paar Tagen hier, aber ich habe schon so unglaublich viel erlebt, gesehen und dementsprechend auch viel zu erzählen!

Aber ganz von vorne. Am Morgen des 21. August war es dann endlich soweit. Um 10:30 Uhr bin ich zusammen mit 17 anderen Austauschschülern ins Flugzeug gestiegen. Nach 15 Stunden Flug waren wir endlich auf ecuadorianischem Boden, in der Hauptstadt Ecuadors, in Quito.

Ich muss sagen, in mir herrschte ein wahres Wirrwarr an Gefühlen: zum einen die riesengroße Freude endlich angekommen zu sein, die noch größere Vorfreude auf meine Familie, aber andererseits die Angst vor dem Unbekannten, vor der Sprache, die ich nur kaum beherrsche und diese unglaubliche Kälte. Nachts um 0:18 Uhr auf 2800 Höhenmetern ist es wirklich sehr kalt.

Am Morgen nach meiner Ankunft kam ich bei Tageslicht kaum mehr aus dem Staunen raus: eine unglaublich schöne Andenlandschaft und eine freie Sicht auf den aschespuckenden Cotopaxi.

Mit 14 anderen Austauschschülern aus aller Welt ging es dann am Sonntag mit dem Bus an den Flughafen von Quito, um von dort aus nach Guayaquil zu fliegen. Unser ganzes Gepäck wurde auf die freien Sitze im Bus verteilt oder auf den Gang gestellt. Das Einzige, was das Gepäck davon abhielt auf uns zu rutschen, war die Hand unseres Betreuers.

Bereits zwei Stunden später empfing mich meine Willkommensfamilie herzlich am Flughafen von Guayaquil. Zu meinem Glück war die Freundin meines Gastbruders dabei, die ein bisschen Deutsch spricht, denn gerade die Fahrt vom Flughafen in mein neues Zuhause wäre sonst endlos gewesen.

Die Wohnung meiner Gastfamilie ist wirklich sehr klein, aber unglaublich gemütlich. Ich wohne hier mit meinem Vater Oswaldo, meiner Mama Lorena und meiner Schwester Briana (10) zusammen. Mein Gastbruder Steven (21) wohnt zwar nicht mehr hier, kommt aber fast täglich vorbei.

Guayaquil ist mit rund 3,3 Millionen Einwohnern und einer Jahresdurchschnittstemperatur von 30,9°C die größte und heißeste Stadt in Ecuador. Zusammen mit meiner Gastschwester, meinem Gastbruder, seiner Freundin und deren Sohn bin ich in den Bus gestiegen (was wirklich ein Abenteuer für sich ist) und habe  die unglaublich schöne Stadt ein wenig erkundet. Ich bin bisher erst ein paar Mal mit dem Bus gefahren, aber ich muss sagen, wer hier Autofahren lernt, weiß wie man fährt, hat aber keine Ahnung von der StvO.

Jeder fährt wo er will und Ampeln bekommen nur wenig Aufmerksamkeit. Nachdem wir heil am Fluss angekommen waren, sind wir knapp 500 Stufen auf einen Hügel gestiegen, aber die Anstrengung war es allemal wert, es hat sich wirklich gelohnt. Die Aussicht auf Guayaquil bei Tag und auch bei Nacht ist atemberaubend. In Ecuador ist es Tradition, das Haus jedes Jahr in einer anderen Farbe zu streichen und kein Haus hat die gleiche Farbe. Bei Tag ein Farbenmeer, bei Nacht ein Lichtermeer!

Ecuadorianer feiern gerne, Euadorianer feiern laut.

Ich durfte das am eigenen Leib erfahren, denn drei Tage nach meiner Ankunft in der Familie hatte ich Geburtstag! Noch nie in meinem Leben habe ich so viel getanzt und gelacht. Am Abend vor meinem Geburtstag habe ich von meiner Gastfamilie ein Ständchen (in Spanisch, Englisch und Deutsch!) gesungen bekommen, denn in Deutschland hatte ich ja schon Geburtstag.

Am nächsten Morgen bin ich mit meiner Mutter in die Schule, in der für mich ca. 5 Mal gesungen wurde. Einmal von den 4-7 Jährigen, von den 10-Jährigen und auch von denen in meinem Alter. Gratuliert wird wie bei der Begrüßung mit einem Kuss auf die rechte Wange.

Als ich wieder daheim war, kam ich erneut aus dem Staunen nicht mehr heraus. Meine Familie hatte eine Überraschungsfeier für mich geplant, Freunde eingeladen, zwei Lautsprecher, aus denen unglaublich laute Musik kam, besorgt, und es gab sogar eine Torte! In Ecuador ist es nicht üblich beschenkt zu werden, aber es wird gefeiert als gäbe es kein Morgen.

Eine äußert interessante Tradition ist, dass dem Geburtstagskind der Kopf in die Torte gedrückt wird. Unter dem Vorwand, ich solle für ein Foto so tun als würde ich in den Kuchen beißen, hat mein Gesicht dann die Torte „geküsst“. Der Teil mit dem Gesichtsabdruck wird an die Gäste verteilt und die Hälfte des Kuchens gehörte mir und meiner Familie.

Ich fühle mich hier unglaublich wohl und ich denke, dass die nächsten 10 Monate großartig werden…

P.S. Ich habe bereits meine erste Kakerlake im Bad gefunden :)

Das war’s fürs Erste. Bis zum nächsten Mal, mal schauen was ich dann zu erzählen habe!

 

Liebe Grüße aus Ecuador an die MRN!

Hasta luego!

Nora