5.1.2016

Bericht #5

Este momento, wenn du anfängst thinking in three diferentes idiomas zur gleichen time.

Ungefähr so sieht es momentan in meinem Kopf aus. Immer und immer wieder passiert es mir, dass ich anfange mit meinen Eltern oder meinen Freunden aus Deutschland spanisch oder mit Freunden aus meiner Schule deutsch zu reden und es nicht einmal merke! Dazu kommt dann noch das Englisch, mit dem ich mich zum Teil noch mit den anderen Austauschschülern unterhalte, wenn etwas Wichtiges geklärt werden muss. Allgemein, meine Gedanken und auch meine Träume sind doch schon zum größten Teil auf Spanisch und immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich verzweifelt nach einem deutschen Wort suche, es mir in jeder anderen erlernten Sprache einfällt, jedoch nicht in der eigenen Muttersprache.

Aber zu allererst einmal HOLA MI QUERIDA MRN! FELIZ AñO NUEVO!!

Und schon wieder ist ein Monat nur so an mir vorbei geflogen. Ich bin ehrlich: Am Anfang hat sich die Zeit wirklich seeehr in die Länge gezogen und manchmal hatte ich mir einfach nur gewünscht schon  weiter in der Zeit fortgeschritten zu sein, weil dann alles einfacher ist – man beherrscht die Sprache, hat Freunde gefunden, hat sich zurecht gefunden etc. Doch mittlerweile ist das eingetreten, was jeder ehemalige Austauschschüler prophezeit hat: Die Zeit rast an dir vorbei, vor allem sobald die Mitte deines Jahres erreicht ist. Aber es stimmt! Ich bekomme jetzt schon Panik, wenn ich daran denke, dass am 21. dieses Monats die Mitte meines Jahres ist und ich „nur noch“ fünf verbleibende Monate habe. Verglichen mit den Dingen, die ich noch unternehmen möchte, erscheinen diese fünf Monate wie ein paar Stunden. Vielleicht erscheint es mir aber nur so extrem, weil der letzte Monat so gefüllt mit den unterschiedlichsten Sachen war. Weihnachten, Familienwechsel, Neujahr...

Neues Jahr, neues Glück, neue Familie?

Nach vier Monaten in meiner ersten Familie habe ich direkt nach Weihnachten gewechselt. Nach Weihnachten deshalb, weil ich mich bewusst dazu entschieden habe es mit dieser Familie zu feiern. Ich habe nicht gewechselt, weil es ein Problem zwischen mir und der Familie gab, sondern weil ich mich sehr einsam gefühlt habe. Ich habe zwar Bruder und Schwester, aber der jeweilige Altersunterschied ist einfach zu groß. Weder mit meiner kleinen Schwester, noch mit dem großen Bruder konnte ich etwas unternehmen. Nun lebe ich zusammen mit meiner besten Freundin Darling (18) und ihrer Mutter unter einem Dach. Den Kontakt mit meiner alten Gastfamilie werde ich aber auf jeden Fall weiterhin aufrechterhalten. Meine Gastmutter ist an meiner Schule Lehrerin und meine kleine Schwester ist ebenfalls dort. Sie haben gesagt, ich kann sie immer besuchen, wenn ich möchte. Es war mir sehr wichtig Weihnachten mit dieser Familie zu verbringen, denn ich habe sie in mein Herz geschlossen. Ich gehe aus dieser Familie auf jeden Fall auch mit einem weinenden Auge.

Bei meinem Weihnachten musste ich allerdings sehr viel wegstreichen. Kein Weihnachtsbaum, keine Weihnachtsdekoration, keine Weihnachtslieder, nicht einmal ein kleines Geschenk zum Abschied gab es. Das war wirklich sehr hart, denn gerade in der Zeit braucht man doch ein bisschen weihnachtliche Stimmung, damit man Zuhause nicht ganz so doll vermisst. Vor allem, wenn man sieht, wie schön die anderen Häuser geschmückt sind und wie schön deren Weihnachtsbaum ist. Nicht einmal Ferien gab es. Die Schule ging bis zum 23. wobei hier in Ecuador Weihnachten am 25. gefeiert wird und am 24. der Heilige Abend, zu Spanisch „buena noche“ ist. Selbst an diesen Tagen müssen einige Ecuadorianer arbeiten, auch Sonntag ist hier keinesfalls ein Ruhetag. Meine „buena noche“ verbrachten wir im Haus meiner Tante, wo es dann, wie wahrscheinlich in jedem Haushalt Ecuadors, Truthahn zum Essen gab, zusammen mit Reis und Menestra, einer Art Soße mit Linsen oder Bohnen. Montags drauf begann dann schon wieder die Schule, bis einschließlich dem 30. Dezember. Ferien gibt es erst im Februar, aber dafür 3 ganze Monate! Ich kann meine Freude jetzt schon kaum im Zaum halten, weil ich mit meiner Gastschwester in Ecuador herumreisen werden. Des Weiteren sind AFS- Trips nach GALAPAGOS und Amazonica angesetzt. Meine Ferien werden auf keinen Fall langweilig.

Mein Silvester war wortwörtlich „der Knaller“! Hier gibt es die Tradition, dass schon ab September Puppen aus Pappmaché gebastelt werden, sogenannte „Monigotis“ oder  „año viejos“ heißt übersetzt  „alte Jahre“. Diese Puppen repräsentieren das alte Jahr, genauer gesagt die schlechten Dinge, die in diesem Jahr passiert sind und werden um 0:00 Uhr verbrannt (natürlich hatte ich meinen eigenen Monigoti). Manchmal wird auch auf die Puppen eingeschlagen oder ganz Mutige springen auch über das Feuer. Was auf keinen Fall fehlen darf, sind Böller, die in das Feuer der Monigotis geworfen werde. Ganz ehrlich glaube ich, dass diese in Deutschland illegal wären, so laut wie die explodiert sind. Zur Tradition gehört auch, dass man sich richtig herausputzt. Man will das neue Jahr selbst auch komplett neu starten. Mit neuer Kleidung, für die Frauen ein Kleid und High Heels, und mit ganz viel lauter Musik wird ins neue Jahr getanzt.

Ein anderer Teil der Tradition ist, dass sich am 31. Dezember die Männer in schwarze Kleider und Highheels werfen, sich schminken und Perücken aufsetzen – sich also als Witwen verkleiden, um so durch die Straßen zu marschieren, Autofahrer, Radfahrer oder alles männliche was sich auf den Straßen bewegt, anzuhalten. Diesen wird dann vorgejammert, wie verzweifelt sie doch sind, da sie ihren Mann verloren haben und die 25 Kinder ernähren müssen. Die armen Auto – oder Radfahrer werden erst in Ruhe gelassen, wenn sie eine Summe „gespendet“ haben. Es ist wirklich sehr witzig das ganze anzuschauen. Das Feuerwerk beginnt hier allerdings nicht erst um 0:00 Uhr des neuen Jahres, sondern schon circa eineinhalb Wochen vorher und es wird auch in den Tagen nach Beginn des Jahres noch geschossen.

Für mich war dieses Neujahr ein wirklich ganz Besonderes, welches ich so schnell nicht vergessen werde und ich bezweifele, dass es mein letztes Neujahr in Ecuador war. Denn ich bin mir zu 100% sicher, dass ich auf jeden Fall wieder in dieses Land zurückkommen werde. Nicht nur, weil ich das gerne will, sondern weil ich mich mehr oder weniger dazu verpflichtet habe. Wer einmal einen Monigoti verbrennt, muss das jedes Jahr wiederholen, sonst bleibt alles Schlechte an einem Kleben. Ich habe mich definitiv in Ecuador verliebt, obwohl es so anders ist hier zu leben und ich mich an so viele neue Sachen habe gewöhnen müssen, die mir anfangs unmöglich zu meistern schienen.

CHAO Meine Liebe! Sonnigste und heißeste Grüße in die Heimat!

Eure Norita <3