1.3.2016

Bericht #7

¡Hola gente! - ¿Que tal?

Schon wieder gibt es zu viel zu erzählen und noch mehr Bilder zum Teilen. Wie ich ja schon in den vorigen Berichten angekündigt hatte, habe ich seit einem Monat Schulferien, und das für ganze drei Monate. Man könnte sich jetzt fragen, was man in so viel freier Zeit machen soll, da drei Monate viel zu viel sind. Aber ich kann euch erzählen, dieses Land ist so vielfältig, da reichen drei Monate nicht einmal annähernd aus, um alles zu erforschen, was es hier zu entdecken gibt. Reisen, Reisen und noch viiiiiel mehr Reisen. Das Traurige ist allerdings, dass ich meine Zeit hier schon an meinen anstehenden Reisen abzählen kann... im April geht es nach Galapagos, im Mai nach Cuyabeno in den Regenwald und im Juni geht es schon nach Hause. Aber daran will ich gar nicht erst denken.

Meine erste Reise, die ich in meinen Ferien angetreten bin, ging nach Esmeraldas, wo ich eine Woche lang bei einem anderen Austauschschüler aus Deutschland gewohnt habe. An sich gibt es dort wirklich nicht sehr viel tun zu, außer sich an den Strand zu legen, zu faulenzen oder das bisschen was die Stadt hergibt zu erkunden. Nun bin ich dort auf die Idee gekommen, ein bisschen mein Aussehen zu verändern. Ich dachte mir, ich habe mich hier schon so sehr innerlich verändert, da muss doch auch da Äußere angepasst werden. Gedacht, wahr gemacht. Zusammen mit dem Austauschschüler bei dem ich wohnte und einer anderen Deutschen ging es zum Friseur und dort hieß es „schnipp schnapp, Haare ab“. Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, meine Haare abschneiden zu lassen, auch schon in Deutschland, aber getraut hatte ich mich nicht, denn so kurz waren sie noch nie zuvor. Getan hatte ich es wohl auch nur, weil mein Freund mir versicherte der Friseur beherrsche sein Handwerk und ich könne ihm mein Haar auf jeden Fall anvertrauen.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich wirklich megaglücklich mit dem Schnitt. Das Beste an der ganzen Sache aber waren natürlich die Reaktionen von meiner Gastfamilie. Als ich nach der Woche in Esmeraldas die Tür hereinkam, schauten meine Gastmama und Gastschwester erstmal mit offenen Mündern und geschockten Gesichtern an. Meine Eltern in Deutschland reagierten ähnlich – wie gesagt: äußert amüsant. Ich denke die meisten, die diese Veränderung sehen, werden fürs erste so reagieren, mal schauen wie es euch so damit geht.

Zwei Tage nachdem ich heimkam, ging es für mich schon wieder weiter, und zwar nach Guaranda. Der Grund dafür war ein von AFS organisierter Kurzaustausch, in dem jeder Austauschschüler für eine Woche in eine andere Stadt geschickt wurde. Zusammen mit sechs anderen Guayaquileños sind wir in den Bus gestiegen und vier Stunden später in Guaranda angekommen. Für uns alle war es wirklich kaum möglich zu glauben noch im selben Land zu sein, denn in einer Stadt mit feuchten 35°+ in einen Bus zu steigen und dann bei unglaublich kalten 10° wieder auszusteigen ist wirklich eigenartig. Auch die Landschaft hatte sich komplett verändert – umgeben von Bergen. Lange mussten wir aber in dem Terminal von Guaranda auch nicht warten, bis uns unsere Betreuerin für diese eine Woche zu unseren Gastfamilien brachte. Meine Gastmama war die Schwägerin meiner Betreuerin und ich habe mich auf Anhieb mit ihr super verstanden, genauso wie mit meiner Gastschwester Naomi (16) und meinem Gastbruder Martin (8). Das Lustige an der Sache war: meine Gastmama heißt Nora und ihr Bruder, der mit meiner Betreuerin verheiratet ist heißt Fabian, genauso wie mein Bruder.

Viel Zeit verbrachte ich allerdings nicht in der Familie, da wir tagsüber zu viele Sachen geplant hatten. Wenn keine Aktivität mit AFS anstand, haben wir uns trotzdem getroffen. Ich habe meine Freiheit dort so sehr genossen. Wenn ich rausgehen wollte, sagte ich einfach zu meiner Gastmama, ich ginge raus, und als sie nicht zurückfrage „Wohin? Mit wem? Wie kommst du hin? Wie kommst du zurück? Wann kommst du zurück?“war ich wirklich sehr überrascht. Auch dass ich überall hinlaufen konnte, war für mich wie im Himmel.

Am Dienstag sind wir mit unsere Betreuerin und vier weiteren AFS-Students aus Quito nach Salinas gefahren, um dort die Salzminen und die Schokoladen- und Käsefabrik zu besichtigen. So gute Schokolade habe ich noch selten gegessen, denn ecuadorianischer Kakao wird in die ganze Welt geliefert und ist zum Beispiel in Lindt- und Ritter-Sport-Schokolade enthalten. Der Käse war ebenso gut, vor allem wenn man nur diesen widerlichen weißen Weichkäse gewohnt ist, der hier normalerweise gegessen wird. Von dort aus ging es dann noch auf einen Markt der Indigenen Menschen, die dort in Salinas leben. Dort ist alles „hecho por mano“ also handgemacht und jedes Stück ist anders als das andere. Ich hätte mich in diesem Markt verlieren können, am liebsten hätte ich den ganzen Markt leer gekauft, weil mir alles so gut gefallen hat.

Am nächsten Tag ging es dann auf den 6310 Meter hohen Chimborazo, was mein Körper aber nicht so ganz mitmachen wollte. Mit dem Auto fuhr man zunächst auf 4800 Meter und zu Fuß sollte es dann auf 5100 Meter raufgehen. Nach ungefähr zehn Minuten Aufstieg war mir aber schon klar, dass ich es nicht bis nach oben schaffen würde. Aus meinem Gesicht war jegliche Farbe gewichen, meine Lippen und Fingernägel waren schon lila verfärbt und mein Kopf gefühlt nahe am Explodieren. Wie schon gesagt, in drei Tagen von Meeresspiegel-Niveau auf knapp 5000 Meter hoch ist schwierig zu meistern. Diese „Höhenkrankheit“ machte mir noch einige Tage zu schaffen und schlug mir ganz schön auf den Magen.

In den restlichen Tagen sind wir mit den andern noch auf Expeditionstour gegangen, haben uns auf die faule Haut gelegt und dort unser Leben genossen. Die meiste Zeit waren wir in einem Laden, genannt „Los 7 Santos“, wo wir uns auf den Wänden verewigten. Diese Woche war wirklich unglaublich. Was mir sehr stark auffiel ist, dass die Menschen in der Sierra (Serranos), also im Hochland Ecuadors sehr viel ruhiger sind und eher introvertierter, wohingegen an der Küste bei den Costeños normalerweise 24/7 Party herrscht und diese sehr extrovertiert und fröhlich sind. Wir Costeños werden von den Serranos „Monos“, also Affen, genannt, da wir uns aus ihrer Sicht wie Affen benehmen. Ich persönlich bin mehr als nur zufrieden an der Küste zu wohnen, auch wenn ich immer noch mit der Hitze zu kämpfen habe.

Ach ja das Wichtigste, das ich diese Woche gemacht habe, hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen: Ich weiß nicht, wieviel ihr über Ecuador wisst und was man hier so isst, aber sehr typisch für Ecuador ist ein Gericht, das sich „Cuy“ nennt. Also zu Deutsch: Meerschweinchen. Es ist wirklich komisch, es zu essen, da man wirklich das ganze Meerschweinchen vorgesetzt bekommt – mit Knochen, Innereien und Kopf. Das Einzige was fehlt, ist das Fell. Der Geschmack von Cuy war für mich nicht wirklich bestimmbar. Viele haben mir vorher gesagt, es würde wie Hühnchen schmecken, aber für mich war es eine Mischung aus Fisch, Huhn und Schwein, sehr eigenartig – aber echt lecker. Gegessen haben wir wirklich alles von dem Meerschweinchen. Zusammen mit einer anderen Deutschen hab ich den Kopf auseinander gelegt, wofür wir von unseren Freunden nur mit angeekelten Blicken bedacht wurden, aber wir dachten uns: wenn schon, denn schon!

Ich hoffe, ich konnte euch wieder ein kleines bisschen mehr Einblicke in mein Leben in Ecuador verschaffen. Bis zum nächsten Mal. Eure Norita.

P.S. (an Mama und Papa): Ich wollte eigentlich den Schädel mit nach Deutschland nehmen als Andenken, doch mein Hund hat ihn entdeckt und gegessen. Glück gehabt ;)