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7.4.2016

Bericht #8

¡Bienvenidos al paraíso!

La Semana Santa oder auch La Semana Pascua ist die Osterwoche hier in Ecuador. Sie lässt sich mit dem Deutschen Osterfest gut vergleichen: Am Freitag wird kein Fleisch gegessen und man verbringt die Zeit normalerweise mit der Familie. Doch weil das ganze Osterhasen-Marketing fehlt, werden hier weder Eier angemalt noch versteckt, geschweige denn gesucht. Osterdekoration ist hier fehl am Platz, dafür gibt aber sogenannte Prozessionen, auf denen die Menschen den Leidensweg von Jesus nachgehen.

Aber jetzt zum Wesentlichen. Wie fängt man an etwas zu erzählen, das sich anfühlt als wäre es nur geträumt? Als wäre all das, was man erlebt hat nicht real, sondern nur in irgendeiner Welt, ganz weit entfernt passiert oder von der eigenen Fantasie erfunden. Ich weiß es selbst nicht... Aber ich denke, es wäre schon einmal ein guter Anfang, alles was bisher passiert ist, von vorne zu beginnen.

Am Freitag, den 1. April hieß es für mich Aufstehen um halb 5 am Morgen, um dann um 7 Uhr am Flughafen zu sein. Treffpunkt war 7:10, dass aber niemand um diese Uhrzeit auch wirklich dort war, war zu erwarten. Dass aber selbst der Chef von AFS-Ecuador mehr als eine Stunde zu spät kommen würde, hatte uns aber dann schon überrascht. Um 9:40 waren dann alle im Flieger und wir hoben vom ecuadorianischen Boden ab. Ungefähr zwei Stunden später schauten wir aus dem Fenster des Flugzeugs, und das erste, das wir sahen, war türkisblaues Meer und traumhaft weiße Sandstrände. Es war alles unglaublich beeindruckend zu sehen und keiner von den 30 anderen AFSern konnte so wirklich glauben, dass wir es endlich geschafft hatten. Der Traum, mit dem ich mich so oft vor meinem Heimweh gerettet habe, ist endlich wahr geworden. Wir waren auf Galapagos.

Das aus rund 20 Inseln bestehende Paradies am Äquator 1000 km vor der ecuadorianischen Küste wurde 1535 zufällig von Spaniern entdeckt und steht seit 1969 zu 97% unter extrem strengen Naturschutz. Im Zweiten Weltkrieg waren die Inseln ein militärisch wichtiges Terrain. 1835 forschte Charles Darwin auf den Inseln und sammelte grundlegende Erkenntnisse seiner allseits bekannten Evolutionstheorie. Die Inseln wurden nach den dort lebenden Galapagos-Schildkröten benannt, die ihren Namen wegen ihres Panzers tragen, da „Galapagos“ auf Spanisch mit „Wulstsattel“ übersetzt werden kann. Die Landschaft der Galapagos ist sehr durch die Vulkane geprägt, durch welche sie auch entstanden sind. Heutzutage existieren lediglich auf den Inseln Isabela und Fernandina aktive Vulkane, dessen letzter Ausbruch im Jahr 2015 stattfand.

Gelandet sind wir auf einer kleinen Insel names Baltra und von dort aus ging es mit dem Boot auf die Isla Santa Cruz. Dort gibt es einen der wohl bekanntesten und schönsten Strände der ganzen Welt. Die Tortuga Bay mit einem kilometerlangen, schneeweißen Sandstrand und türkisfarbenes Meer. Im ersten Moment ist man einfach nur überwältigt, kann sein Glück noch gar nicht fassen, doch für diesen Moment ist es Wirklichkeit. Man hat sich in das Paradies schlechthin begeben und das muss man doch genießen oder nicht?

Am nächsten Morgen ging es durch die Kontrolle, bei der es erstmal Koffer ausräumen hieß. Es ist nicht erlaubt, irgendetwas von den Inseln mitzunehmen, nicht einmal das kleinste Steinchen! Das hat vor allem damit zu tun, dass man, wenn man Sachen auf andere Inseln mitnimmt, diese Probleme mit Mikroorganismen auslösen können. Dadurch dass die Inseln so weit auseinander liegen, gibt es auf jeder Insel eine andere Vegetation und andere Tierarten. Sollte man doch dabei erwischt werden, wie man zu Beispiel eine Flasche Sand mit nach Hause nehmen möchte, kann es im schlimmsten Fall passieren, nicht mehr auf Galapagos reisen zu dürfen. Nach der Kontrolle ging es mit dem Boot weiter auf die größte der Inseln, auf die Isla Isabela. Ich muss sagen, diese zweieinhalb Stunden auf diesem Boot waren grauenvoll. Nur wenige haben die Fahrt überstanden, ohne seekrank zu werden und sich zu übergeben...schön war das wirklich nicht. Doch angekommen, wurden wir wieder einmal von dem Anblick überwältigt – helltürkises Wasser, Seelöwen die einfach auf dem Gehweg lagen und Pinguine, die ohne jede Scheu im Wasser schwammen und ihre Schwimmkünste zur Schau stellten.

Am Strand faulenzen? Nein, daran war noch nicht zu denken. Zunächst ging es auf eine Schildkrötenfarm, in welcher die Schildkröten aufgezogen werden bis sie sieben Jahre alt sind und ausgewildert werden. Direkt danach ging es auf einen 10 km Lauf, den ich definitiv in meinem Leben nicht mehr wiederholen möchte. Unser Ziel hieß „el muro de lagrimas“ (= „die Mauer der Tränen“), eine Mauer, die zwischen 1946 und 1951 von ecuadorianischen Häftlingen gebaut wurde, damit die Inseln nicht in nordamerikanische Hände fallen. Die Häftlinge zwang man, Steine 5 km weit zu tragen und diese aufzuschichten. Immer zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht und gnadenlos auf den Boden brennt. Muro de lagrimas wird sie daher wegen der Tränen der Häftlinge und denen ihrer Angehörigen genannt. Wir durften zumindest einen Tag nachfühlen, wie es ist, diese Strecken unter der prallen Äquator-Sonne zu laufen. Im Schatten ist es wirklich noch sehr angenehm auf den Inseln mit ungefähr 35° C, doch in der Sonne kann man schon mit 50°C rechnen – Sonnenbrandwahrscheinlichkeit 1000%.

Das genialste an diesem Weg war, das die Riesenschildkröten einfach frei herum liefen und auch mal den Weg kreuzten, vor der Sonne konnten uns diese allerdings nicht retten. Dementsprechend war für uns nach dieser Aktion der Tag gelaufen und wir alle wollten nur noch schlafen. Doch das Programm ging genauso hart weiter wie es angefangen hatte. Am nächsten Tag hieß es 16 km auf den Vulkan Chico hinauf und wieder runter. Doch wir sollten für den Aufwand belohnt werden und zwar mit einer grandiosen Aussicht auf die umliegenden Inseln. Es unglaublich beeindruckend. Doch wer sich am vorherigen Tag noch nicht verbrannt hatte, hatte sich trotz millionenfachem Eincremens mit 100er Sonnencreme gut verbrannt.

Aber nicht nur die Aussicht war als Belohnung für diesen Tag angelegt, es sollte noch besser kommen: das erste Schnorcheln in glasklarem Wasser. Die Erwartungen waren keinesfalls zu hoch angesetzt. In einer kleinen Bucht sind wir zusammen mit Seelöwen, Leguanen und sogar einem Rochen geschnorchelt. Das zweite Schnorcheln am nächsten Tag hätte nicht besser sein können. In dem Moment als ich ins Wasser gesprungen bin, ausgerüstet mit Tauchbrille, Schnorchel und Flossen, und unter mich geschaut habe, blieb mir erstmal die Spucke weg. Unter mir schwammen doch tatsächlich zwei Haie – ganz friedlich –, und haben sich nicht einmal ein bisschen an meiner Anwesenheit gestört.

Zusammen mit unserem Guide schwammen wir in eine kleine Bucht, in der wir auf vier Meeresschildkröten gleichzeitig trafen. 100 Meter weiter vergnügte sich ein Seelöwe mit uns im Wasser und auch ein paar Pinguine scheuten sich nicht, den Gringos „Hallo“ zu sagen. Auch die Fischvielfalt lässt sich nicht in Worten beschreiben. Ich denke, viele von euch kennen die Kindersendung „Der Regenbogenfisch“? Genau so einen haben wir gesehen, schillernd in allen erdenklichen Neonfarben und auch „Dori“ aus dem Film „Findet Nemo“ ließ nicht lange auf sich warten...

Alles in allem war diese Reise unglaublich schön und atemberaubend. Denn an diesem Punkt hieß es schon wieder Heimfliegen. Die Bootsfahrt von Isla Isabela bis zur Isla Santa Cruz verbrachten wir alle schlafend (zum Glück). Vor dem Abflug besuchten wir noch ein paar Schildkröten und einen Lavatunnel, der vom Herzen der Insel bis hinunter zum Meer geht. Diese Reise ging wirklich viel zu schnell vorbei und ich wünschte, ich könnte sie noch einmal wiederholen – am liebsten ohne zu wissen, was auf mich zukommt.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Paradies Galapagos geben und euch ein klitzekleines bisschen neidisch machen, so wie ich es euch schließlich auch schon versprochen hatte :-* Aber jetzt heißt es erstmal

Chao chao mis queridos

Eure Norita :)