1.7.2016

Bericht #9

Hola!

432.000, 431.999, 431.998, 431.997,....

Ja, es lohnt sich schon fast die Sekunden herunterzuzählen. In weniger als 5 Tagen steige ich nämlich mit fertig gepackten Koffern und Abschiedstränen in den Augen ins Flugzeug und sage meiner zweiten Heimat Chile für eine längere Zeit erstmal "Leb Wohl".

Schon sehr traurig, wenn ich so darüber nachdenke... Eine gute Freundin hatte mir dazu letztens eine sehr passende Frage gestellt: "Du hast ein Leben für 16 Jahre und verlässt es für 1 Jahr. Dann baust du dir in einem Jahr ein zweites Leben auf und verlässt es dann für immer. Was ist schwieriger?"

Doch auf der anderen Seite, wortwörtlich auf der anderen Seite, nämlich auf der anderen Seite der Welt, warten jedoch so viele mir wichtige und viel bedeutende Menschen auf mich, dass ich es eigentlich gar nicht mehr erwarten kann.

Diesen Eintrag hier möchte ich so kurz wie nur möglich halten, denn die mir verbleibende Zeit möchte ich ungern vor dem PC verbringen. Also, was habe ich in den letzten drei Wochen erlebt? Abgesehen von Schule, Sport, Freunden und vor allem Familie, war ich noch 2 Wochen in der Atacama-Wüste. Die Reise wurde, wie die Patagonien-Tour im Oktober 2015, organisiert und begleitet von meiner Austauschorganisation AFS, die auch mit dieser Reise wie ich finde, mal wieder vollkommen ins Schwarze getroffen hat!

Wie Du, lieber Leser, sicherlich schon aus meinen anderen Blogeinträgen erfahren hast, hat Chile ja alleine nur mit seiner Landschaft unglaublich viel aufzuweisen. Den Süden mit Antarktis, Feuerland, Patagonien und vor allem dem schönsten Nationalpark der Welt Torres del Paine, aber auch den Norden mit wunderschönen Stränden und der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Nicht zu vergessen die beeindruckende Osterinsel, von der wahrscheinlich jeder schon mal etwas gehört hat. Ja, lieber Leser, die gehört auch noch zu Chile! :)

Ich bin dann also, wie damals nach Patagonien, mit 34 weiteren Austauschschülern mit unterschiedlichsten Nationalitäten und drei AFS-Begleitern in einem großen Reisebus von einem wunderschönen Ort zum nächsten gefahren und wir kamen alle aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Am ersten Tag waren wir alle zusammen im 9 ˚C kalten Pazifik an einem der schönsten Strände Chiles. Bei Außentemperatur von maximal 15 Grad war das echt ziemlich kalt, daher führten wir uns auf wie kleine Kinder und rannten kreischend ins Wasser hinein oder spritzten uns mit dem eisigen Wasser ins Gesicht. Danach haben wir uns aber richtig lebendig und vor allem gut durchblutet gefühlt, abgesehen davon konnte man sich ja danach im Bus gegenseitig wärmen :).

In den nächsten Tagen haben wir dann verschiedene schöne Städte oder Dörfer besucht, darunter auch die verlassenen Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke (hier im Internet nachzulesen Link). Das war meiner Meinung nach ein großes Highlight, denn es ist eine verlassene Stadt mitten in der Wüste. Es gibt einen Marktplatz, eine Kirche, ein Schwimmbad, ein Krankenhaus, ein Theater, süße kleine Spielplätze und viele kleine malerische Häuser, die von den Arbeitern und ihren Familien belebt wurden -- aber keine einzige Menschenseele. Einfach beeindruckend!

Danach haben wir noch das einzigartige "Tal des Todes" (original: "Valle de la Muerte") und das wunderschöne "Tal des Mondes" (original: "Valle de la Luna") bestaunen dürfen. Im Tal des Todes hatten wir die Möglichkeit Sandboarding zu machen. Es ist wie Snowboardfahren, nur mit Sand statt Schnee und eine große steile Sanddüne als Piste. Es war einfach nur der Hammer! :)

Am Tag darauf waren wir dann mitten in der kargen Stein- und Sandwüste in einem kleinen See schwimmen, besser gesagt, wir ließen uns irgendwie treiben und hochheben, denn der See hat einen höheren Salzgehalt als das Tote Meer in Israel. Ein unbeschreibliches Gefühl!

Das waren nur ein paar von den vielen tollen Dingen, die ich hoch im Norden Chiles erlebt habe, denn wenn ich jetzt weiterschreibe, sitze ich morgen noch hier, weil es sooo viel zu erzählen gibt. Als ich dann von diesem tollen Trip wieder heimkehrte wurde mir schlagartig bewusst, dass mir nur noch etwas mehr als eine Woche verbleibt, daher nutze ich seither jede freie Minute und genieße die mir verbleibende Zeit! Du weißt ja lieber Leser, die Zeit tickt... 430.567, 430.566, 430.565, 430.564,...

Jetzt muss ich mich dann mal auf den Weg zu meinem letzten Fußballtraining machen, schnief :( -- und danach geht´s dann zur Abschiedsfeier, die meine Freunde für mich organisiert haben :).

Das nächste Mal melde ich mich dann wieder aus meiner Heimat der Metropolregion Rhein-Neckar! Bis dahin, ich freue mich sehr, Hasta luego! Leo