22.9.2018

Bericht #1 - Willkommen in Foshan, China!

大家好。(=Hallo alle zusammen)

Ich bin David und werde die nächsten 10 Monate in China verbringen, und euch mit auf eine Reise ins Reich der Mitte und (meiner Meinung nach) der Gegensätze nehmen.

Seit ungefähr 4 Wochen bin ich jetzt schon hier in Foshan, eine Stadt in Südchina mit ca. 7,2 Millionen Einwohnern, rund 130 Kilometer nordwestlich von Hong Kong entfernt, die außerdem als Geburtsstadt des modernen Kung Fu gilt und … ich weiß wirklich nicht, wie und wo ich anfangen soll!

Deshalb zuerst einmal zum Anfang. Ich muss gestehen, dass ich nicht sehr aufgeregt war bevor es los ging (oder zumindest nicht so sehr, wie es vielleicht angebracht gewesen wäre). So machte ich mir auch nicht zu viele Gedanken darüber, dass ich kein Chinesisch kann und das kommende Jahr eine chinesische Schule besuchen muss. Als ich dann aber aus dem Flughafen kam und ich gegen eine 40° warme Wand gelaufen bin, ist mir zumindest klar geworden, dass ich jetzt nicht mehr im sowohl klimatisch, als auch kulturell milden Deutschland bin.

Nach den ersten zwei Tagen im “Arrival Camp” mit vielen anderen Schülern aus der ganzen Welt, trafen wir dann unsere Gastfamilien. Doch zuerst wurden uns noch einmal die Regeln erläutert, die für uns während unseres Jahrs in China gelten. So ist nicht nur der Missbrauch von Alkohol sowie der Konsum von Drogen und das Rauchen untersagt, sondern auch jegliche Beziehungen sind untersagt, da Teenager in China diese wohl nicht haben sollen – da sie sich auf die Schule konzentrieren müssen und deshalb keine Zeit für so etwas haben.

Bevor aber die Schule losging, war noch eine Woche der Sommerferien übrig, die mein Gastbruder und ich ausgiebig nutzen konnten. So besichtigten wir den 祖庙 (“Zu Miao“ Ahnentempel), der sich über eine Fläche von 25.000m² mitten in der Millionenmetropole erstreckt und schauten uns den traditionellen “Löwen-Tanz” und Kung Fu an. Außerdem besichtigten wir die Schule und verbrachten unsere restliche Zeit meist in Shopping-Malls (da dort alles klimatisiert ist und es erstaunlich viele gute Restaurants gibt).

Am Tag vor dem ersten Schultag wurde meine Familie sowie die Familie der Italienerin, mit der ich die Schule besuche, zu einem Abendessen mit dem Schuldirektor eingeladen. Das war eine riesige Ehre, denn der Schulleiter hat hier in China eine noch viel höhere Stellung als in Deutschland. Am ersten Schultag dann, durften wir vor der versammelten Schule (rd. 3200 Schüler) eine Rede halten und danach ging es ganz unspektakulär mit Unterricht weiter.

Zwar habe ich jetzt von der Schule organisierten privaten Chinesischunterricht, in der ersten Woche war das aber nur Unterricht „auf Chinesisch“ und damit alles andere als leicht wach zu bleiben. Die Unterrichtszeit der Schule geht hier von 7 bis 22 Uhr, was also 15h am Tag sind! Samstags werden von 7 bis 11.00 Klausuren geschrieben und sonntags von 19 bis 22 Uhr Hausaufgaben gemacht. Die meisten Schüler wohnen von Freitag bis Samstag außerdem auch in der Schule und kommen dann Sonntag abends wieder. Deshalb ist es nicht sehr verwunderlich, dass ich mich schon fast nach der Schule in Deutschland sehne. 

Die Schule nimmt also nicht nur die meiste Zeit des Lebens in Anspruch, sondern greift auch stark in das Privatleben ein. Abgesehen davon, dass man sich einen Schlafraum mit neun anderen Schülern teilen muss und man das Schulgelände nicht verlassen darf (stattdessen gibt einen kleinen Laden für Getränke und Snacks sowie eine große, zweistöckige Mensa), verbietet die Schule den Schülern Beziehungen zu haben.

Nun möchte ich noch kurz etwas zu China an sich erzählen, bzw. wie es auf mich bis jetzt gewirkt hat: Die Stadt besteht fast nur aus Hochhäusern, die sowohl modern aus Glas, als auch rustikal aus verwittertem Beton erbaut sind. Außerdem sieht man hier häufig teure Sportwagen, aber auch zusammengeschusterte Fahrzeuge, die so voll mit Müll sind, dass man die Reifen fast nicht mehr sieht.

Eine andere Sache, die mich zutiefst beeindruckt hat, ist der Stand der Digitalisierung der hier herrscht. So sieht man sehr selten irgendjemanden bar bezahlen, sondern per Wechat (eine App ähnlich wie Whatsapp), was innerhalb von Sekunden geht. Tatsächlich haben sogar Straßenmusikanten oft einen QR Code vor sich liegen, den man scannen kann um so Geld zu spenden.

Das wars jetzt erstmal von mir und wenn nichts dazwischen kommt bis nächsten Monat.

Grüße, David