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12.10.2018

Bericht #12 – Gracias, Panama! (Abschlussbericht)

Liebe Metropolregion Rhein-Neckar,

es ist wirklich unglaublich, ganze zwei Monate bin ich jetzt schon wieder in Deutschland. Die Tatsache, dass erst jetzt der letzte Bog folgt, obwohl ich eigentlich direkt nach meinem Aufenthalt in Colon einen schreiben wollte, tut mir total leid. In der letzten Zeit in Panama kam ich einfach nicht mehr dazu und jetzt in Deutschland schiebt man es die ganze Zeit nur vor sich her. Trotzdem wollte ich meine Berichtesammlung vollständig hinterlassen, sonst hätte ich mich, glaube ich, immer geärgert, wenn ich meine Berichte durstöbere und sehen würde, dass der letzte immer noch fehlt. Deshalb will ich euch hiermit, wenn auch verspätet, noch ein letztes Mal auf die Reise mit nach Panama nehmen und euch von meiner letzten Zeit erzählen.

Wie schon in meinem letzten Bericht angekündigt, durfte ich nochmal fast zwei Wochen zu meinem Onkel und seiner Familie auf die Finca. Maren, meine deutsche Freundin, war auch dabei. Wie schon beim ersten Mal reisten wir erst mit dem Bus nach Miguel de la Borda und von dort aus mit den kleinen Booten weiter zur Finca. Wir wurden herzlich empfangen und vor allem freute ich mich riesig noch einmal die Chance bekommen zu haben, meine Familie zu besuchen.

Die Tage vergingen wie im Flug. Wir schauten nach den Kühen, fütterten die Schweine, badeten im Fluss, kletterten auf Palmen, tranken dann die frisch geernteten Kokosnüsse leer und verbrachten einfach Zeit zusammen. Alles was wir zusammen machten war schön und hat großen Spaß gemacht. Sogar das Wäsche waschen im Fluss, das sonst echt anstrengend und lästig ist.

Das witzigste Erlebnis war die Schlammschlacht mit meinem Cousin. Wir waren zu dritt unterwegs die Kühe zählen und es begann zu regnen. Wir machten uns nichts daraus und gingen weiter und irgendwann wurde mir von einer Kuh auf den Rücken gemacht. Einen ganz kurzen Moment lang war das echt eklig, aber dann nur noch witzig. Mein Cousin und Maren lachten sich natürlich schlapp, das ließ ich natürlich nicht auf mir sitzen und klatschte beiden eine Handvoll Kuhmist ins Gesicht und somit war der Krieg eröffnet. Abends kamen wir, von oben bis unten voll mit Kuhmist und Schlamm, nach Hause, was ja aber nicht schlimm war, da wir eh noch zum Fluss mussten uns baden. Ich glaube, es sind genau solche Momente, die mein Auslandsjahr so besonders und schön gemacht haben und an die ich mich immer wieder erinnern werde!

Ich nutze auch nochmal die Möglichkeit meine MRN Botschafter-Präsentation zu halten, bzw von meiner Heimat Metropolregion Rhein-Neckar zu berichten. Ein paar Nachbarn von den umliegenden Finken kamen zu Besuch zu einer Tasse Kaffee. Ganz spontan ergab sich dadurch die Möglichkeit, ein bisschen von der MRN zu erzählen. Es war zwar nichts allzu großes, aber dennoch sehr schön. Ich hatte ein paar Prospekte und Bilder dabei, die ich zeigen konnte. Es war wirklich interessant zu sehen wie sich die Leute dafür interessieren und wissen wollen wie es auf der anderen Seite der Welt aussieht. Logischerweise habe ich hier ein bisschen mehr von der landwirtschaftlichen (als der industriellen) Seite erzählt.

Leider gingen die beiden Wochen viel zu schnell um und der Tag des Abschieds kam immer näher. Man merkte wie auf einmal die Stimmung immer trauriger und bedrückter wurde und dann war er plötzlich da, der Tag an dem ich mich von meiner liebgewonnenen Familie verabschieden musste. Mir viel es alles andere als leicht, Tschüss sagen zu müssen. Auf die vielgestellte Frage, wann ich denn wieder kommen würde, konnte ich keine konkrete Antwort geben, ich konnte nicht einmal sagen ob wir uns überhaupt je wieder sehen würden. Es war tatsächlich einer der traurigsten Tage in meinem Jahr. Vor allem meine Cousins und Cousinen fehlen mir sehr. Die dreistündige Bootsfahrt nach Miguel und in Richtung nach Hause war ich sehr ruhig und genoss die Umgebung und Natur um mich herum nochmal besonders.

Ich finde es wirklich beeindruckend, wie wildfremde Menschen innerhalb eines Jahres quasi zur Familie werden können. Ich fühlte und fühle mich auch noch wie ein Teil dieser Familie. Mit meinem Cousin schreibe ich fast täglich, je nachdem wie der Mobilnetzempfang auf der Finca ist. Wir besprechen jetzt schon was wir machen werden, wenn wir uns wiedersehen und solche Sachen. Und ich kann auch immer noch sagen, ich habe eine zweite Familie gefunden, bei der ich weiß, sie sind immer für mich da und würden alles tun, dass es mir gut geht.

Als wir von Colon wieder nach Hause nach Arraijan kamen, wurden wir dort wieder freudig erwartet. Man merkte, dass der Abflug nicht mehr lang entfernt war, alle waren irgendwie traurig, aber fröhlich zugleich, es herrschte eine seltsame Stimmung. Vor allem dann, als ich anfing meinen Koffer zu packen oder an meinem letzten Schultag oder ähnlichem. Nichtsdestotrotz ließen wir uns unsere übrige Zeit dadurch nicht kaputt machen, im Gegenteil: Wir genossen sie noch viel mehr.

Samstags vor meinem Abflug war meine Abschiedsparty. Meine Gastmutter plante diese schon seit Mai, kaufte schon die ersten Sachen Anfang Juli ein und ließ sogar vor dem Haus noch eine Überdachung anbringen. Alles nur, dass ich einen würdevollen Abschied habe. Da es mehr oder weniger eine Überraschungsparty war, wusste ich von all dem nichts und war mehr als sprachlos, als ich erfuhr, wie viel Aufwand, Zeit und Geld meine Familie in diese Party steckte.

Am Tag selbst ging es morgens früh los. Ich durfte natürlich nicht zu Hause bleiben und ging mit meiner Mutter in die Stadt. Wie in Panama üblich, sind wir erst zum Friseur und ließen uns die Haare machen, dann kamen die Fingernägel an die Reihe und zum Schluss das Make-up. Außerdem bekam ich ein Kleid, das extra für mich genäht wurde, das holten wir natürlich auch ab. Zu guter Letzt ging es dann zur Arbeit meiner Mutter, dort holten wir eine riesen Torte ab, die ich vom Chef geschenkt bekam. Als wir zu Hause ankamen, war meine Schwester und ein paar Freundinnen schon dabei, das Haus zu schmücken. Ich war total baff als ich aus dem Auto stieg. Alles war rot und mit weißen Punkten übersäht, es war nicht wirklich schwer, zu erkennen was das Thema des Festes war: Minnie Mouse.

Die Gäste waren für sechs Uhr eingeladen, da Panama ja auch ein lateinamerikanisches Land ist und es dort üblich ist zu spät zu kommen, kamen die Gäste erst gegen acht. Es war ein wunderschöner Abend, es waren noch einmal fast alle liebgewonnenen Menschen da, die ich in Panama kennen lernen durfte. Wir haben gegessen, getanzt, erzählt und hatte einfach nur einen super tollen Abend. Der Höhepunkt war das Zerschlagen der Piñata, da wir in Deutschland das nicht so kennen oder machen, dauerte das bei mir ein wenig länger, was die Panameños nicht so gewohnt waren und mich deshalb gegen Ende fast ein bisschen ausgelacht haben:) Ich hatte tatsächlich die schönste Abschiedsfeier, die ich mir hätte wünschen können und dafür bin ich meiner Familie unendlich dankbar!

Die letzten Tage vergingen wie im Flug und der Abschied kam immer näher. Ich wollte eigentlich jede Sekunde noch einmal mit meiner Familie verbringen. Wir waren noch einmal zusammen in der Stadt, am Wasserfall und einfach zu Hause, und haben wie üblich zusammen gekocht und geputzt und einfach gemeinsam Zeit verbracht. Irgendwann war dann aber Freitag und das hieß, der Tag der Abreise war gekommen. Ich verabschiedete mich von meinem Hund, den Katzen, ja sogar dem ganzen Haus und von den Nachbarn. Danach ging es fort, für wie lange weiß ich nicht.

Der Weg zum Flughafen verging viel zu schnell und plötzlich stand ich im Gate. Der Abschied war sehr schwer und traurig, immer hin wohnte ich ein ganzes Jahr mit diesen beiden Menschen zusammen. Am Anfang waren sie Fremde und jetzt sind sie so etwas wie eine Mutter und eine Schwester. Sie nahmen mich bei sich auf, brachten mir so viel bei und waren immer für mich da. Mich zu verabschieden viel mir deshalb so schwer, weil ich nicht wusste, wann oder ob ich sie wieder sehen würde.

In Deutschland kam ich sehr gut an und die Eingewöhnungszeit geht auch auf ihr Ende zu. Da ich nach einer Woche schon wieder Schule hatte, blieb mir fast nichts anderes übrig als mich schnell einzugewöhnen. Allerdings hatte ich damit nicht so große Schwierigkeiten wie zunächst erwartet. Nacht gut zwei Monaten, fühlt es sich fast so an, als wäre ich nie weg gewesen. Alles ist schon wieder so zu einer Routine geworden, dass man fast meinen könnte, es wäre nie anders gewesen. Trotzdem manchmal gibt es auch Situationen, in denen ich mich nach Panama sehne bzw. meine Gastfamilie vermisse.

Ich war ein ganzes Jahr lang in Panama, ich habe dort eine Familie kennengelernt und viele neue Freundschaften geschlossen, ich probierte ganz viel neues Essen, lernte eine neue Sprache, fing an die Sachen zu schätzen, die ich in Deutschland habe und ich glaube, in gewisser Weise lernte ich mich selbst ein bisschen neu kennen. All die Geschichten und Erinnerungen werden immer ein Teil von mir bleiben, ich werde immer wieder, sehr gerne und mit leuchtenden Augen von Panama erzählen, denn eins ist sicher: Diese Bilder in meinem Kopf nimmt mir niemand mehr.

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen bedanken, die mein Auslandsjahr so schön und unvergesslich gemacht haben. Ein besonderer Dank gilt der SAP und der MRN GmbH für die Unterstützung.

Gracias Panama! Nos vemos!

Miriam Weis