22.11.2018

Bericht #3 – Familienwechsel…

Hallo !!

Ich gebe euch diesmal ein kleines Update, was alles so passiert ist in letzter Zeit.

Bevor ich in die USA flog, hatte ich große Angst, dass ich vielleicht meine Gastfamilie wechseln muss und wie das alles dann funktionieren würde. Ich stellte mir Fragen wie z.B., ob ich dann auf eine andere Schule muss und nochmal von neu anfangen muss. Wie ihr vielleicht schon vermutet habt, ist genau das eingetroffen. Ich werde euch erzählen, warum ich die Gastfamilie gewechselt habe, wie das ganze abgelaufen ist und wo ich jetzt lebe.

Also, wie ihr ja wisst, lebt meine ursprüngliche Gastfamilie mitten in der Wüste und hat um die 30 Pferde, was ja eigentlich ideal für mich war. Allerdings war mein Gastvater nie wirklich zu Hause, innerhalb eines Monats hab ich ihn zweimal für ein paar Stunden gesehen. Meine Gastmutter war zu Hause mit ihrem eigenen Pferdetransport-Business mehr als beschäftigt und hatte nie wirklich Zeit. Da sie keine Zeit hatte, konnte ich mich weder mit Freunden treffen oder mit ihr etwas machen, ich war komplett von allem abgeschottet. Hinzu kommt noch, dass ich für sie die Pferde füttern und tränken musste (obwohl ich gegen das Heu allergisch war), ihr Essen manchmal zubereiten und ihr Geschirr spülen musste. Außerdem hat sie die ganze Zeit im Haus nur rumgeschrien und sich über alles Mögliche aufgeregt. Hinzu kam, dass es im Haus sehr dreckig war und einige kleine tote Tierchen rumlagen.

Manche von euch denke, dass das der Grund war, warum ich die Gastfamilie gewechselt habe, aber überraschenderweise war es das nicht. Meine Gastmutter sollte Teil der Organisation werden und wurde deshalb über alles informiert, was vorfällt mit anderen Austauschschülern in unserer Umgebung. Und zwar hat eine Gastfamilie ein Kind nicht richtig ernährt und die Austauschschülerin wandte sich damit an die Organisation und konnte ihre Gastfamilie wechseln. Meine Gastmutter kam daraufhin zu mir und gab mir ein Buch mit dem Namen „Being Vegetarian for Dummies“ und meinte, ich sollte mir das Buch ansehen, damit ich weiß, wie man richtig vegetarisch lebt. Sie gab mir zu verstehen, dass sie Angst hätte, dass ich sie bloßstellen würde mit meiner „Essens-Gewohnheit“. Ich wusste nicht was ich antworten sollte und sagte einfach nur „Thank you“. Da ich seit 9 Jahren vegetarisch lebe, weiß ich wie man richtig vegetarisch lebt.

Zwei Tage danach in der Schule rief mich der „Headquater Coordinator“ an und sagte mir, dass meine Gastmutter sich an sie gewendet hätte, weil ich ihrer Ansicht nach eine Essstörung hätte. Sie meinte ich solle zur Schulkrankenschwester gehen und mich wiegen lassen… Nach diesem Telefonat rief ich sofort meine Eltern in Deutschland an und informierte sie über alles was geschehen war. Meine Familie wandte sich an die Organisation in Deutschland, da mir nicht zugehört wurde. Mein „Local Coordinator“ meinte zu mir, dass ich wenig machen kann, da die Organisation der Geschichte meiner Gastmutter glaubt, da sie die Erwachsene ist und ich ja das Kind. Dank meiner Freundin konnte ich am nächsten Tag nach der Schule mit nach Hause zu ihr und ihre Gastmutter versuchte alles damit ich nicht mehr zurück zu meiner alten Gastfamilie musste. Dank meiner Familie und der Gastmutter meiner Freundin musste ich nicht mehr zurück in die Familie und wurde temporär bei einer Gastfamilie mit zwei Kindern untergebracht.

Nach 2 Wochen bekam ich eine neue Gastfamilie und lebe nun in El Mirage. Das ist in der Nähe von Surprise und somit kann ich weiterhin auf die High School in Surprise gehen. Ich habe es mit meiner ersten Gastfamilie 2 1/2 Monate versucht aber nachdem sie mir mehr oder weniger in den Rücken gefallen ist, konnte ich nicht mehr zurück gehen, da das Vertrauen zwischen uns komplett zerstört war, und Vertrauen ist für mich eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben. Während der 2 Wochen in meiner temporären Gastfamilie hatte ich oft mit dem Gedanken gespielt, ob ich nicht lieber wieder nach Hause fliegen, das Jahr abbrechen sollte. In der Zeit hab ich erst richtig realisiert, dass ich mich auf meine amerikanischen Freunde verlassen kann, sie standen mir die ganze Zeit beiseite und haben mich unterstützt.

Das wars auch schon wieder, ich werde euch demnächst von meiner neuen Gastfamilie (Foto) berichten und was ich mit ihr bereits erlebt habe. Ich bin in meiner neuen Gastfamilie schon seit über einem Monat und sehr glücklich.

Louisa