27.2.2019

Bericht #4 - ein Weihnachtsfest und ein eher unspektakuläres Silvester

Hallo liebe Metropolregion!

Seit dem letzten Bericht ist schon wieder viel passiert. Ich hatte meine erste unabhängige Reise sowie ein Weihnachtsfest und ein eher unspektakuläres Silvester. Mein Weihnachtsfest hatte zwar wenig mit dem zu tun was ich aus Deutschland gewohnt bin, doch gerade deswegen war es eben besonders. Hier in China wird Weihnachten nicht gefeiert und somit gibt es deswegen auch keine Feiertage. Glücklicherweise mussten wir trotzdem nicht zur Schule und konnten so den 24. und 25. Dezember verbringen wie wir wollten. Die Temperaturen in Foshan sind selten Winterlich, an Weihnachten war es dennoch kalt genug um die Weihnachtliche Stimmung zu spüren. Wir Austauschschüler haben außerdem auch Geschenke ausgetauscht. Deshalb haben wir in unserem Klassenzimmer jetzt Musik und jeden Tag frischen Kaffee. An Heiligabend waren wir erst Schlittschuhlaufen (auch um den Winter ein wenig mehr zu fühlen), dann im Kino und schlussendlich Cocktails trinken. Ein großes Abendessen hat leider gefehlt, wurde aber durch ein Weihnachtsessen das von unserer Schule am 23. bezahlt wurde ersetzt. Statt gemeinsam mit der versammelten Familie zu essen, aßen wir jedoch mit all unseren Lehrern.

In Foshan sind wir aber verschiedener Nationalitäten. So sind wir zwei Deutsche, ein Däne und drei Italiener. Für mich war es ganz selbstverständlich dass nur an Heiligabend Weihnachten gefeiert wird und dem 25. wenig Beachtung geschenkt wird. Da das in Italien aber eher anders herum der Fall ist fand das Schenken am ersten Weihnachtsfeiertag statt.

Tatsächlich haben wir uns auch dafür entschieden zur wahrscheinlich einzigen Kirche in Guangzhou (meine Nachbarstadt mit ~16 millionen Einwohnern) zu gehen. Für den Gottesdienst waren wir zwar zu spät, es war aber dennoch interessant eine Kathedrale mitten in der Metropole zu sehen. Einen Tag später durften wir weiterhin den Tag außerhalb der Schule verbringen, da wir eine Kunstausstellung in Guangzhou besuchten. Hier wurden größtenteils Comics aus China und dem Rest der Welt die etwas mit China zu tun haben exponiert. Da es  aber China ist, durften einige Zeichnungen von Karl Marx nicht fehlen.

Einige Tage später hatten wir dank Silvester drei Tage keine Schule. Neujahr ist hier zwar nicht so wichtig wie das chinesische Neujahr, da hier aber größtenteils auch der Gregorianische Kalender Verwendung findet wird es trotzdem gefeiert. Neben diesem Kalender wird zudem auch der chinesische Mondkalender verwendet. Auf Grund dessen werden hier meist auch zwei Geburtstage- der “normale” und der nach dem Mondkalender berechnete- gefeiert. Ich habe Silvester mit meinem Bruder und seinen Freunden verbracht, indem wir einen Film schauten und anschließend Mahjong spielten.  Mahjong ist ein Spiel welches überall in China große Beliebtheit findet, bei dem auch oft um Geld gespielt wird.

Ich konnte das Jahr sogar mit einem deutschen Weißbier ausklingen lassen, Feuerwerke gab es jedoch leider nicht. Dafür wird es davon während des Frühlingsfests (春节 = chūn jié), also an chinesisch Neujahr mehr als genug geben.

Nach einigen Examen begannen Ende Januar meine ersten Ferien seit dem 1.Oktober (chinesischer Nationalfeiertag) und ich durfte meine Stadt das erste mal eigenständig für eine längere Zeit verlassen. Die ersten drei Tage habe ich dennoch in der Nähe verbracht, da einige Freunde aus dem Norden Chinas nach Guangzhou kamen und ich sie dort besucht habe. Da ich in der Zeit als eine Art amateur Guide fungiert habe, habe ich die Stadt noch einmal neu kennen gelernt. Zuvor habe ich nur wenige der Touristen Attraktionen in Guangzhou besichtigt, jetzt kann ich aber verstärkt empfehlen, dass es sich lohnt die Millionen Metropole zu besichtigen. Denn neben der Hochhäuser die zwar beeindruckend in die Höhe ragen, den Tempeln und Pagoden die die chinesische Kultur schön zur Schau stellen, ist Guangzhou auch einfach eine ganz schöne Stadt die viel zu bieten hat.

Der Canton Tower der bei Nacht in Regenbogenfarben erstrahlt und mit 600 m das fünfthöchste Gebäude der Welt ist und auch das Wahrzeichen der Stadt ist, bietet eine unglaublich schöne Aussicht und stellt die technologische Fortgeschrittenheit Chinas zur Schau.

Anschließend an Guangzhou ging es für mich nach Sanya und damit auf die in der südchinesischen See liegenden Insel Hainan. Hainan ist die größte Insel der Volksrepublik (laut China die zweitgrößte, da sie Taiwan gerne für sich beanspruchen). Die Reise nach Sanya beging um vier Uhr morgens und endete erst um 22Uhr weil ich einen vollkommen überfüllten Personenzug ohne Sitzplatz anstelle des Schnellzugs nehmen musste. Da während dieser Reise auch einiges schief lief, bin ich anstelle eines Buses auf einem Motorrad mit meinem Koffer auf dem Schoß über Feldwege vom Bahnhof zur Fähre gefahren. Sicherlich nicht der sicherste Weg aber dafür günstig und schnell und vor allem im Süden Chinas eine gute Alternative zum Taxi oder Didi (das chinesische Equivalent zu Uber). Sanya ist für chinesische Verhältnisse zwar eine wirklich kleine Stadt aber dennoch ist sie im ganzen Land bekannt. Denn hier kommen die Chinesen her um sich am Strand zu sonnen, schwimmen zu gehen oder auch Party zu machen. Vor allem die reichen Chinesen kommen in der Saison im Sommer nach Sanya, da viele dort Ferienhäuser oder Ferienwohnungen besitzen. Außerdem gibt es in der Stadt viele Ausländer, sowie die eben genannten reichen und schönen Chinesen/Chinesinnen die dort ihren Urlaub verbringen.

Nach Sanya ging dann weiter nach Haikou, in die Hauptstadt Hainans. Diese Stadt ist zwar mit ihren zwei millionen Einwohnern immer noch klein aber man merkt den Unterschied zu Sanya eindeutig. Außerdem ist Sanya, da die Stadt ein Touristen “Hotspot” ist, polierter und wirkt schöner bzw. hochwertiger.

Das Essen auf Hainan unterscheidet sich stark von dem des Festlands. Natürlich spielen Meeresfrüchte und Fisch eine extrem wichtige Rolle, aber auch Insekten werden hier mit größerer Bereitschaft gegessen. Deshalb habe ich hier auch Maden, Libellen, weitere unidentifizierbare Insekten, sowie Frösche probieren können und ich bin sehr positiv überrascht. Abgesehen davon gibt es auf der Insel auch noch die Betelnuss, die in Südostasien sehr große Beliebtheit erfährt. Auf dem Festland habe ich sie noch nie gesehen, aber auf Hainan kann man die Nuss an jeder Straßenecke in frischer- und in jedem Kiosk in getrockneter und verpackter Form kaufen.

Ein weiterer Unterschied von der Insel zum Festland ist die Mentalität. So ist vielen egal was in China passiert, da sie sich nicht nur als Chinesen sehen, sondern viel mehr als Hainan-Chinesen. Die Menschen dort sind meist nicht so stark leistungsorientiert sondern fokussieren sich mehr darauf ein schönes und möglicherweise entspannteres Leben zu haben.

Hiermit beende ich diesen Bericht auch schon wieder und verabschiede mich bis zum nächsten Mal.

Bis dahin,

David