16.3.2019

Bericht #5 - Frohes Neues zum Jahr des Schweins!

Hallo liebe Metropolregion und 猪年快乐, also frohes Neues Jahr zum Jahr des Schweins.

Im letzten Bericht habe ich unter anderem von meinem Weihnachten, sowie meinem Silvester erzählt. Und während mein Neujahr alles andere als erinnerungswürdig war, war das chinesische Neujahr umso besonderer.

Chinesisch Neujahr oder auch das Frühlingsfest (春节) genannt, ist nicht nur das berühmteste chinesische Fest auf der Welt, sondern auch das wichtigste in China. Dazu muss man außerdem noch wissen, dass zu gleicher Zeit auch in Korea, Thailand und Vietnam das neue Jahr gefeiert wird. Hierbei wird, nicht wie bei uns nur ein Tag, bzw. eine Nacht zelebriert, sondern gleich eine Woche. So fingen die Festlichkeiten schon am 3. Februar mit einem Abendessen mit versammelter Familie. Am nächsten Tag bin ich dann mit meinem Vater zum traditionellen Blumenmarkt gefahren. Bevor das neue Jahr nämlich beginnt, werden in jedem Haushalt Blumen und ein Fortunella Baum vor die Wohnung oder das Haus gestellt. Die Bräuche hören hiermit aber natürlich noch nicht auf. So wird die Wohnung geputzt, sodass das Glück den richtigen Platz findet und es werden Zeichen und Bilder an der Wohnungstür angebracht. Das Zeichen 福 was Glück bedeutet wird außerdem auf dem Kopf aufgehängt, da so das Glück „herausrieseln“ soll. Außerdem sollte man sich währen des chinesischen Neujahrs keine neuen Schuhe kaufen, da das Wort für Schuhe (鞋=xié) dem Wort für das Böse (邪=xié) ähnelt. Auch Haare schneiden sollte unterlassen werden, da so das Glück, bzw. den Wohlstand aus den Haaren schneidet denn auch hier ist das Wort für Haare (发=fà) sehr ähnlich wie das Wort für Wohlstand (发=fā).

Ich werde immer wieder gefragt, was ich denn während des Festes gemacht habe. Und zu aller erst fällt mir dabei immer essen ein. Denn neben der vielen Traditionen ist vor allem eines wichtig: viel und gut essen und das mit der ganzen Familie. Nun bin ich große Familienfeiern von Zuhause nicht wirklich gewohnt, weshalb es umso erstaunlicher war, bei jedem Essen 40-50 Familienmitglieder zu treffen. Das dann außerdem auch auf der Seite meiner Mutter und meines Vaters. Grade diese riesige Gruppe an Verwandten bringt aber für die jüngeren Familienmitglieder einige Vorteile.

Zum neuen Jahr ist es in China üblich, rote Briefumschläge mit Geld an die unverheirateten Verwandten zu verteilen. Und da das Frühlingsfest ungefähr eine Woche lang gefeiert wird, und es täglich mindestens eine Mahlzeit mit versammelter Familie gibt, kommt meist einiges an Geld zusammen. Diese Umschläge heißen übrigens 红包(hong bao) also „rote/s Päckchen“ und sind nicht nur während des neuen Jahrs im Umlauf, sondern werden auch sonst gerne bei Familienbesuchen verteilt.

Ein weiterer Aspekt der Festlichkeiten ist vermutlich der berühmteste und besteht darin, Feuerwerke losgehen zu lassen. Die Feuerwerke (ch. 烟花=yan hua bedeutet „Rauch Blume“)  wurden nämlich in China erfunden und werden auch in riesigen Mengen von hieraus exportiert (denn China ist weltweit größter Exporteur von Feuerwerkskörpern). Aber Feuerwerke sind hier auch einfach wichtig um gebührend das neue Jahr einzuläuten. Trotz alledem haben schon mehr als 400 Stadtverwaltungen im ganzen Land den Gebrauch der Feuerwerkskörper verboten. In meiner Stadt war dies zwar erlaubt, kaufen konnte man die Knallkörper trotzdem nirgends. Wegen dieser Regelungen zieht es die Chinesen vermehrt aufs Land in die Heimatdörfer, entweder um dort wie mein Vater Feuerwerke einkaufen zu gehen, oder gleich um sie dort auch abbrennen zu lassen.

Man könnte zwar meinen, dass diese Regelungen den Gebrauch ein wenig eindämmen, im Park vor meiner Haustür wurden jedoch trotzdem knapp 3 Wochen durch geballert. 

Eine weitere Tradition, die das Neujahrsfest mit sich bringt, ist der Tempelbesuch. Dieser ist rein obligatorisch denn die meisten (~70%) Chinesen und Chinesinnen sind irreligiös. Als wir im Tempel waren, wurden trotzdem Raucherstäbchen gekauft  und gebetet. Außerdem gibt es in den Tempeln eine Menge an Objekten, bei denen es Glück bringen soll wenn man Geld auf sie wirft.

Die Geldstücke haben zwar normalerweise nur einen geringen Betrag, bei tausenden Gästen kommt jedoch trotzdem beachtliches zusammen. Neben Geld werden außerdem noch Wünsche geworfen. Genauer gesagt rote (denn rot ist die Farbe des Glücks) längliche Zettel auf die man seine Wünsche schreibt. Am anderen Ende der Zettel hängt eine mit Wasser gefüllte Plastik-Mandarine und dann werden Zettel und Mandarine zusammen auf einen großen Baum geworfen, an dem diese Zettel in großer Menge hängen. Ich durfte auch einen dieser Zettel schreiben und werfen und es ist erstaunlich schwierig diesen auf einer guten Höhe auf dem Baum zu platzieren.

Während des Neujahrsfests schauen natürlich auch viele Millionen Chinesen Fernsehen, wobei in China, ähnlich unserem „Dinner for one“ wohl jedes Jahr das gleiche kommt.

Nun komme ich auch schon zum letzten Teil des Frühlingsfests, das jedoch einige Zeit nach dem tatsächlichen Neujahr stattfand. In meiner Stadt, Foshan gibt es eine alte Brücke die nach dem neuen Jahr überquert wird. Auch hier sind die Besucher zu Tausend, sodass man schon tagsüber kaum laufen kann. Während der Überquerung hat man außerdem eine Windmühle, sowie ein Gemüse. Das Gemüse ist eigentlich nur Salat und somit nichts besonderes. Jedoch stimmt wie so oft der Name (生菜=sheng cài) aber mit einem anderen Wort stark überein (生财=sheng cái) was so viel bedeutet wie Geld verdienen. Dieser Salat wird am anderen Ende der Brücke dann außerdem auf eine Skulptur des Gemüses geworfen, wobei er oben drauf liegen bleiben soll.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Frühlingsfest geben, über das man trotz dessen Popularität eher wenig weiß.

Grüße,

David Grimm