25.4.2019

Bericht #5 – Alles 2 Mal feiern

Liebe MRN,

Ich will euch heute einen kleinen Throwback in meine Weihnachtszeit/Jahreswechsel geben und dadurch euch ein bisschen das orthodoxe Christentum näherbringen.

Wir feiern alles:
Der Jahreswechsel war natürlich von der Weihnachtszeit geprägt. Nur das hier die Weihnachtszeit nicht nach dem 26. Dezember aufgehört hat. Wie ich schon in anderen Berichten erzählt habe ist meine Stadt sehr multikulturell. Und multikulturell heißt nicht nur unterschiedliche Sprachen, sondern auch unterschiedliche Traditionen und Konfessionen. Zwar sind fast alle hier Christen aber dummerweise (oder eher glücklicherweise) sind die Serben orthodoxe Christen, die Ungarn und Kroaten aber vorwiegend Katholiken. Von den Feiertagen her ist das schon ein ziemlich großer Unterschied. Dazu kommt aber noch das die orthodoxe Kirche in Serbien den julianischen Kalender benutzt um Feiertage zu berechnen und nicht den gregorianischen Kalender, der den man kennt. Derzeit herrscht eine Differenz von 13 Tagen zwischen den beiden Kalendern. Das heißt der 25. Dezember, also Weihnachten, fällt noch bis 2099 auf den 7. Januar nach dem gregorianischen Kalender. (ab 2099 vergrößert sich der Unterschied um einen weiteren Tag)

 

Der ganze Absatz hatte nur den einen Sinn um euch zu erklären das hier zweimal Weihnachten gefeiert wird. Und überhaupt alle Feiertage zweimal stattfinden. (Ostern, Neujahr) Noch dazu gibt es hier viele gemischte Familien, dass heißt zum Beispiel das ein Ungar eine Serbin geheiratet hat und deswegen Familien zweimal Weihnachten feiern. So auch bei mir in der Familie.

Herausforderung Einsamkeit:
Für mich war Weihnachten einer der schweren Zeiten hier. Nicht nur wegen Heimweh, was mich zum Glück ziemlich verschont hat, sondern auch wegen der Geschenke-Suche. Spaß beiseite. Ich hatte knapp dreieinhalb Wochen Winterferien. Die Herausforderung bestand darin diese Zeit gut zu nutzen ohne zu einsam zu sein, auch weil mein Gastbruder nicht zuhause war. Ich bin gewöhnt in einer Großfamilie zu leben, da ist immer was zuhause los. Hier war nur meine Mutter nach der Arbeit zuhause. Mein Ziel war jeden Tag etwas mit Freunden zu machen und ich habe es geschafft auch wenn es manchmal herausfordernd war, den Tage können alleine sehr lang werden. Alleinsein kann eine Zeit sein die man richtig genießen kann. Aber wenn man zu viel davon hat kann es echt unangenehm werden. ;) Eine der vielen Erfahrungen die ich von hier mitnehmen kann. 

 

Die orthodoxe Kirche für mich:
Für mich hat die orthodoxe Kirche und ihre mir so fremde Traditionen was total Faszinierendes, weswegen ich hier fast jeden Sonntag in die Kirche gehe. Im Gottesdienst, der so ungefähr eine bis eineinhalb Stunden dauert, steht man fast die ganze Zeit. Nur die älteren Erwachsenen haben das Recht sich während der Predigt auf einen der Holzstühle zu setzen die an den Wänden montiert sind. Diese Plätze reichen aber bei weitem nicht für alle aus, denn die Kirche ist jeden Sonntag gut gefüllt. In der Mitte der Kirche steht eine Ikone vor der man sich beim rein und rausgehen dreimal bekreuzigt und die man danach küsst.

Ein anderer Grund wieso ich jeden Sonntag in der Kirche bin ist der Chor der die Liturgie vierstimmig, von einer Empore im hinteren Teil der Kirche, singt. (Dieser Chor ist eine Ausnahme in einer orthodoxen Kirche: normalerweise beschränkt sich der Gesang auf weniger Stimmen)

Ich sing auch ziemlich gerne und nach hin und herüberlegen bin ich zur der Direktorin meiner Schule gegangen die diesen Chor dirigiert und ich singe jetzt mit die Liturgie an den letzten paar Sonntagen bis zur meiner Abreise.

Ja, die Abreise rückt immer näher was ziemlich beängstigend ist. Ich will euch in den Berichten nicht über jede einzelne Aktivität mit einem Text bombardieren, deswegen habe ich hier ein paar Bilder von dem was hier sonst noch so passiert und passiert ist.

Ihr hört bald wieder von mir! Bis dahin wünsch ich euch alles Gute.

Timon