21.4.2019

Bericht #6 – Hongkong

Hallo liebe Metropolregion,

 

Die berühmteste Stadt Chinas ist wahrscheinlich Hongkong (香港 was auf mandarin jedoch nicht “Hongkong”, sondern “Xiānggǎng” ausgesprochen wird) . Und das obwohl Hongkong bis 1997 noch zu Großbritannien gehörte. Denn Hongkong war, wie auch Makau und viele andere Städte ein Zugeständnis Chinas an andere Länder. im Unterschied zu anderen Städten, die spätestens bis 1949 wieder an China übergingen, gehörte Hongkong noch bis 1997 zu Großbritannien und Macau sogar noch bis 1999 zu Portugal. Die Folgen dieser Fremdverwaltung sieht man aber auch heute noch stark. Hongkong gehört zwar heutzutage zu China, ist jedoch immer noch eine Sonderverwaltungszone und genießt somit besondere Behandlung. Hier ist das Internet unzensiert und Whatsapp, Facebook und andere westliche Soziale Medien sind genauso populär wie in Deutschland oder der USA. Außerdem wird in Hong Kong nicht der chinesische Renminbi Yua, sondern die eigene Währung HK Dollar verwendet. Auch die Bewohner Hongkongs sind sich dessen bewusst und haben eine ganz eigene Mentalität die sehr Unterschiedlich zu der, der Festlandchinesen ist. Während in China die Amtssprache Mandarin Chinesisch ist und jeder zumindest theoretisch Mandarin beherrscht, ist die meistgesprochene Sprache der Sonderverwaltungszone Kantonesisch. Zwar sind Englisch und Mandarin auch Amtssprachen, jedoch wird Mandarin fast gar nicht verwendet und existiert fast ausschließlich auf Papier als offizielle Sprache. Kantonesisch ist keine komplett eigene Sprache, sondern eine von hunderten chinesischen Dialekten. Viele dieser Dialekte sind jedoch nicht wie die deutschen Dialekte fast gleich, sondern wirken wie eigene Sprachen. Ein Chinese der nur Mandarin und den Dialekt seiner Region spricht, kann deshalb einen Hong Kong-Chinesen nicht verstehen, da Kantonesisch und Mandarin komplett verschieden klingt. Kantonesisch wird nicht nur in Hong Kong gesprochen, sondern in der ganzen Region Guandong, in der die Stadt liegt und ich auch wohne. Was jedoch besonders ist für Hong Kong, ist, dass dort wie auch in Macau und Taiwan traditionell-chinesische Schriftzeichen benutzt werden. Diese haben eine reduzierte Anzahl an Strichen und sind deshalb um ein Vielfaches einfacher zu lernen (Beispiel “lernen”: vereinfacht 学 trad. 學).

Da ich nur eine Stunde mit dem Zug von Hongkong entfernt wohne und da ich schon seit längerem diese Stadt besichtigen wollte, habe ich kürzlich ein langes Wochenende dort verbracht. Bei der Einreise benötige ich als deutscher Staatsbürger kein Visum, solange ich weniger als 90 Tage dort bleibe. Hong Kong hat mit 7,5 millionen Einwohnern zwar nur eine halb so große Bevölkerung wie Guangzhou, ist jedoch auf dem vierten Platz der am dicht besiedelsten Städte der Welt und ist deshalb für die Häuserschluchten, unbezahlbare winzige Wohnungen und Wohn Käfige bekannt. Der Grund für Hongkongs Knappheit an Wohnungen liegt vor allem daran, dass ein Großteil des Landes nicht bebaubar ist. Somit sind gerade einmal 25% bebaut. Ein großer Anteil der bebauten Fläche ist außerdem seit 1887 durch Landgewinnung entstanden. Die Restlichen 75% der 1104 km² sind ein hügeliges, grünes Wanderparadies für die Unmengen der chinesischen Touristen und eine ganz andere Welt als Hong Kong-Stadt.

Ich war dort auch schon 2 Mal wandern und habe an einem Strand gezeltet.

Was für mich jedoch viel Eindrucksvoller war, als die viele Natur, war die Stadt selbst.

Auch innerhalb der Stadt gibt es zwei verschieden Welten die ich so auch erleben durfte. Einerseits gibt es den eher traditionellen Teil wie zum Beispiel Mong Kok, in dem noch die alten und typisch aussehenden Gebäude stehen. Andererseits gibt es aber auch die riesigen gläsernen Wolkenkratzer im Central, die dort mit Luxus Appartements und Designer-Marken Geschäften die Landschaft bestimmen. Die Stadt ist im Vergleich zu den chinesischen Städten die ich kenne und in der ich auch selbst seit 8 Monaten lebe um einiges hektischer, die Straßen sind enger mit viel mehr Menschen und die meisten Dinge sind auch teurer als Zuhause. In der Metropole leben viele Ausländer, von denen ich in meiner Stadt nur sehr selten etwas zu sehen bekomme. Für mich war das sehr gewöhnungsbedürftig, da ich in China bei jedem Treffen mit anderen Ausländern mit diesen Rede oder zumindest begrüße. Denn man freut sich immer ein Wenig und tauscht sich zumindest darüber aus, weshalb man in China ist, wo man wohnt und wie lange man schon hier wohnt. In Hong Kong wurde meine Aufregung darüber Ausländer zu sehen aber nur mit Desinteresse beantwortet, bis mir auffiel, dass es hier tausende von Ausländern gibt. Ein besonderes Phänomen das ich bestaunen durfte, war die Unmengen an Indonesierinnen und Filipinas (2,1% und 2,5% der Bevölkerung), die in Hongkong als Haushaltshelferinnen arbeiten und bei ihren Arbeitgebern mit im Haus wohnen. Da Sie an Feiertagen und Sonntagen nicht arbeiten müssen, treffen sie sich in den vielen Parks in Hongkong um dort gemeinsam mit ihren Freundinnen den Tag zu verbringen.

Auch die Familie die mich über das Wochenende aufgenommen hat, beschäftigt eine dieser Haushaltshelferinnen, die auch bei ihnen Zuhause wohnt. Neben der Philippina hat diese Familie auch eine Deutsche AFS Schülerin bei sich aufgenommen, die mir die Stadt gezeigt hat als ich dort war. AFS bietet nämlich auch ein Austauschprogramm nach Hong Kong an, wobei man laut AFS nicht größer als 1,8m groß sein darf, da in dort die Betten, sowie alles andere angepasst ist auf kleine Körpergrößen (vor allem um Platz zu sparen, wo sowieso kein Platz ist). Im Fazit würde ich jedem der die Chance hat, raten Hong Kong zu besichtigen. Dies am besten aber auch mit einem Ausflug nach China, in eine der zahlreichen chinesischen Großstädte verbinden, um den Unterschied zu erkennen und wirklich zu erleben. Ich wurde gefragt ob mir Hong Kong besser gefällt als meine Stadt Foshan, bzw. eine der Großstädte in denen ich schon war. Die internationale Metropole ist unbestreitbar um einiges praktischer, da jede Person dort englisch kann und auf Grund der kleinen Fläche alles sehr nah beieinander ist. Dennoch zieht es mich eher in eine Stadt wie Guangzhou, die zwar auf dem Papier doppelt so viele Menschen hat, bei der jedoch alles auf eine große Fläche ausgestreckt ist. Denn hier kann man sich nicht nur sogar als Mittelständler ein Leben leisten, die Stadt ist außerdem auch um einiges weniger Hektisch und ruhiger.

拜拜 (bye bye) und bis zum nächsten Mal,

David.