22.5.2019

Bericht #7 - „Weisheit der Jugend zur Zukunft des Perlflussdeltas“

Hallo liebe Metropolregion,

Heute schreibe ich ein wenig über Shenzhen, auch bekannt als das „Silicon Valley Chinas“.

Foshan, die Stadt die ich die letzten 9Monate mein Zuhause nennen durfte, liegt wie auch Shenzhen im Perlfluss-delta. Diese Metropolregion liegt im Süden der Provinz Guangdong und umschließt zudem auch Macau und Hongkong. Diese Metropolregion ist nicht nur 7 mal größer als unsere Metropolregion, sondern besitzt auch 120 Millionen Einwohner und ist somit die am höchsten  bevölkerte Region der Erde. Nun ist Shenzhen zwar nur eine der elf größten Städte des Deltas, dennoch ist sie weltweit eine der bekanntesten. Die Stadt liegt nördlich von Hongkong und besitzt sogar eine U-Bahn Linie dorthin. Was Shenzhen aber von den anderen Städten in der Metropolregion und Chinas unterscheidet ist, dass sie keine lange Tradition und Geschichte besitzt.

Wo vorher nur einige Fischerdörfer waren, wurde erst 1979 die Stadt Shenzhen gegründet. Der massive Wachstum und die Gründung selbst kam durch die post Mao Reformen zu Stande, die die Stadt als die erste Sonderwirtschaftszone Chinas deklarierte. Denn ab 1979 öffnete sich China der Welt, was Shenzhen viele Investitionen aus dem Ausland brachte. Dadurch erfuhr die Stadt rapiden Wachstum und wirtschaftlichen Aufschwung. Heute haben viele chinesische, multinationale Firmen, wie Huawei, Tencent oder DJI dort ihren Hauptsitz.

1980 lebten 30Tausend Menschen in der neu gegründeten Stadt, während es heute knapp 14 Millionen sind.

(fun fact:2016 wurden in Shenzhen mehr Wolkenkratzer fertiggestellt, als in den USA und Australien zusammen)

Da ich schon vor meiner Ankunft viel von der Mega-Metropole gehört habe, war ich sehr erfreut in Foshan, also im Perlfluss-delta zu leben. Um nach Shenzhen zu gehen benötige ich zwar nur eine halbe Stunde mit dem Schnellzug, dennoch war ich mangels Freizeit erst zwei mal dort.

Mitte November wurden alle AFS Schüler in meiner Provinz nach Shenzhen eingeladen, um dort an einem Forum teilzunehmen das  „Weisheit der Jugend zur Zukunft des Perlflussdeltas“ getauft wurde. Das Forum wurde von einer neuen und guten Schule veranstaltet und spendierte uns ein Wochenende in der Metropole. Die Veranstaltung verlangte von uns einen Vorschlag zur Errichtung von Mangroven-Feuchtgebieten im Perlfluss-delta zu schreiben.

Da ich jedoch weder viel über die Notwendigkeit von Mangroven-Feuchtgebieten im Perlfluss-delta, noch über Mangroven selbst wusste, recherchierte ich die nächsten Tage stundenlang und machte mehrseitig Notizen.

In vielen Ländern gibt es oft das Klischee von den überdurchschnittlich intelligenten und ehrgeizigen chinesischen Schülern. Nach Ankunft in Shenzhen, einer Lichtschau an der Skyline die mich tatsächlich Sprachlos machte und Übernachtung im Hotel, fuhren wir am nächsten Tag zusammen zur Schule bei der das Forum stattfinden sollte. Als wir dort ankamen trafen wir zuerst auf viele HochleistungsschülerInnen aus den umliegenden top-Schulen, die genau wie wir auch dorthin eingeladen waren. Zwar hatte ich den eindeutigen Vorteil eines flüssigeren Englisch, war ich in Schuluniform ein wenig eingeschüchtert von den SchülerInnen in Anzug. Als ich dann auch noch erfuhr dass wir eine Rede halten sollten, war ich nicht nur ein wenig verunsichert. Nach einigen Stunden Vorträgen über die Bildungssituation und Mangroven sollten wir uns schließlich in Konferenzräumen einfinden und unsere Vorschläge vortragen. Was mich hierbei fasziniert hat, war die Souveränität und Professionalität der ChinesInnen, mit der sie ihre Reden gehalten haben. Die Konkrete Aufgabe war die Erstellung eines ausgearbeiteten Plans zur Konstruktion von Mangroven-Feuchtgebieten in den uns zugeteilten Städten. Im Anschluss zu den Reden, sollten wir mit den anderen Städten diskutieren um so einen Plan für das gesamte Perlfluss-delta zu kreieren. Rückblickend muss ich gestehen, dass ich selten etwas getan habe was mich mehr gefordert hat als die Vorbereitungen auf das Wochenende und das Forum selbst. Das Wochenende war zudem aber auch augenöffnend, da ich dort erstmals gesehen habe wie viel Potenzial die chinesischen SchülerInnen haben und was dafür getan wird dieses Potenzial zu nutzen und zu fördern. Denn die Schüler und Schülerinnen die ich an dieser Schule getroffen habe sind und werden konstant vorbereitet auf das Berufsleben, etwas was ich in Deutschland noch nicht gesehen habe.

Am folgenden Tag sind alle TeilnehmerInnen der Veranstaltung gemeinsam zum Huawei Campus gefahren. Da ich stark an Technik interessiert bin, war dies der Programmpunkt auf den ich mich vorab am meisten gefreut habe. Dort angekommen wurde wir durch die Huawei-eigene Universität, die Mitarbeiter Wohnkomplexe sowie den Firmensitz geführt. Was für viele unter Umständen langweilig oder zumindest nicht aufregend klingt, war für mich ein definitives Highlight.

Kürzlich wurde ich mit einigen anderen AFS Schülern wieder nach Shenzhen eingeladen, diesmal von einer privaten Englischschule um dort bei einem Treffen teilzunehmen.

Shenzhen ist nicht nur durch Sitz von vielen Technologie Firmen als neues Silicon Valley bekannt, sondern auch wegen den vielen Start-Ups und großen Technik Märkten die in Hua Qiang Bei (华强北) zu finden sind. Dort kann man alles kaufen was im entferntesten Technik beinhaltet. Kein Wunder also, dass diese Märkte innerhalb der Technik Gemeinde Weltweit bekannt sind und die Besichtigung für mich auch ein absolutes Highlight darstellt.

Shenzhen hat viel zu bieten, und das nicht nur für die technologisch Begeisterten. Insbesondere stellt die Stadt für viele ChinesInnen und Ausländer eine Möglichkeit auf gut bezahlte Arbeit und einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Metropole ist aber auch ein berühmtes Reiseziel für viele Touristen und sehr empfehlenswert zu besichtigen.

Ich hoffe ich konnte meine Faszination gegenüber Shenzhen ein wenig weitervermitteln.

Bis zum nächsten Mal,

David Grimm