2.6.2019

Bericht #6 – Chaos in Subotica

Zdravo MRN,

ich melde mich aus dem mittlerweile sonnig warmen Serbien. Die Tage fliegen und Subotica hat zurzeit keine ruhige Minute.  Was das heißt? Lest weiter!

Als erstes will ich euch aber von meiner Präsentation in der Schule erzählen. Jetzt im letzten Halbjahr der Schule wurde alles ein bisschen stressiger und am Ende habe ich um die 12 Stunden jeden Tag in der Schule verbracht. Das heißt nicht, dass ich die ganzen 12 Stunden nur durchgebüffelt habe, sondern dass ich den Vormittag über normal mit meiner Klasse von ca. 8 bis 14:00 in die Unterrichtsstunden gegangen bin  und nach ein bis zwei Stunden Pause, die ich auch in der Schule verbracht habe,  individual Stunden wie Klavierunterricht, Cellounterricht und Singunterricht hatte. Deswegen blieb in der Zwischenzeit nicht viel Zeit meine Präsentation vorzubereiten. Langer Rede kurzer Sinn, am Ende hatte ich es endlich geschafft mich vorzubereiten.

Mein Ziel war es meinen Schulkameraden ein bisschen zu zeigen wo ich eigentlich zuhause bin und wie es da aussieht. Zwar kennen viele Serben Deutschland besser als wir Deutschen Serbien kennen, aber wo ich eigentlich genau wohne war immer ein großes Rätsel. Kein Wunder, wenn Stuttgart die nächstgelegene, normalerweise bei Serben bekannte, Stadt ist. Dabei ist es wirklich bemerkenswert wie nah sich eigentlich Serbien und die MRN sind. Das ist mir aufgefallen als ich das erste Mal darauf aufmerksam gemacht wurde das von Subotica nach Karlsruhe eine direkte Busverbindung besteht. (ca. 16 Stunden) Sowie in viele andere Städte in Deutschland. Mit Begeisterung wurde das Schorle Glas angenommen was ich zur Präsentation mitgebracht hatte, auch mit Interesse wurde meinen Erklärungen über das deutsche Schulsystem, musikalischen Ausbildungsmöglichkeiten in der Region und den vielen anderen Fakten über die MRN gelauscht, die ich meinen Mitschülern in einer knappen halben Stunde vorgetragen habe. Ein kleines Highlight war auch die Folie mit dem Essen aus unserer Region und ein gemeinsames Dampfnudelessen wird auch schon geplant. Jetzt wo wir endlich Zeit dafür haben.

Womit wir zu dem Highlight meiner letzten Wochen hier komme. Einen Tag auf den ich mich gleichermaßen gefreut, wie gefürchtet hatte; meinen Schulabschluss. Einerseits gefreut, weil natürlich ist es super wenn man zweimal in seinem Leben Abitur feiern kann, ganz besonders, wenn nicht der Grund dafür ist das man das Abi nicht bestanden hat. Andererseits traurig, weil damit sich erstens der Abschied von meiner Schule angekündigt und zweitens, weil damit auch der Abschied aus Serbien immer präsenter wird. Aber das ist ja eh der Fluch eines Austausches, dann, wenn man sich sein neues Leben soweit aufgebaut hat, beginnt man sich wieder auf das Ende zuzubewegen.

Aber jetzt zu meinem Abitur (Serbisch: Matura) In Serbien wie in Deutschland ein wichtiges Ereignis. Nach einer Shoppingtour, einem Friseurtermin und Stunden über meiner Rede sitzend mit Hilfe der ganzen Familie, war ich auch endlich bereit für mein erstes Abitur. Am Freitag wurde dann die Schule, so wie es Tradition ist, von der 11. Klasse mit Blumen und allerlei Dekoration geschmückt. Wir Abiturienten hatten unsere symbolisch letzte Unterrichtsstunde mit unserem Klassenlehrer, in der wir über unseren zukünftigen Weg geredet haben und noch ein letztes Mal so zusammen im Klassenraum saßen. Um zwölf folgte dann ein Programm in dem Hof meiner Schule, bei dem die elften Klassen und wir, die Abschlussklassen, ein kleines Konzert vorbereitet hatten. Dabei wurden noch von jeder Klasse kleine witzige Reden gehalten und wir tanzten  zusammen Walzer, den wir bei Tanzstunden anstelle von Sportunterricht ab Januar gelernt hatten. Dann war auch der Moment gekommen meine Rede zuhalten. Ich hatte mich im Voraus ziemlich spontan dazu entschieden eine Rede zu halten, um mich zu bedanken für all die schönen Momente die ich in der Schule und in Serbien hatte. Jedenfalls war am Ende die Rede ein großer Erfolg, das Publikum hat viel gelacht und manche sogar von ihnen sogar geweint.

Am Ende des Programmes sangen wir dann „Gaudeamus igitur“. Der lateinische Text des Liedes handelt von dem Motto sein Leben zu genießen solange man noch jung ist und wird traditionell in Subotica beim Abschluss der Schule gesungen.  Danach ließen wir noch Luftballons symbolisch für unsere Wünsche steigen und damit war der offizielle Teil des Tages vorbei.

In Subotica und in ganz Serbien insgesamt herrscht zurzeit Abiturs Stress. Bei anderen Schulen gibt es noch die Tradition mit Pfeifen ausgestattet, lärmend auf dem Marktplatz zu Musik von einem Blasorchester zu tanzen und  weil es wegen dem anderen Schulsystem ohne Ende verschiedene Schulen gibt, ist jeden Tag Chaos in der Stadt. Und Nachts ist es auch nicht viel ruhiger was an der Tradition liegt nach dem Abiturs Tag ein gemeinsames Abendessen zu haben, bei dem es auch nicht an lauter Musik und guter Laune fehlt.

Zurzeit schreiben meine Klassenkameraden ihre Abschlussprüfungen verteilt auf drei Wochen und danach werden wir unser Abitur Abendessen haben. Aber dazu im nächsten Bericht.

Was sonst noch passiert ist, könnt  ihr in den Bildern anschauen die ich euch noch zum Abschluss zusammengestellt habe.

Viele Grüße aus Serbien und bis zum nächsten Mal,

Timon