12.6.2019

Bericht #7 – Essen in Serbien-Fleisch, Milch und Brot?

Zdravo MRN,

heute nehme ich euch ein bisschen an meinen Esstisch in Serbien mit, für alle die die sich vielleicht Sorgen machen das ich nicht genügend zu Essen bekomme.

Gleich mal zu Anfang. Macht euch keine Sorgen!! In der ersten Zeit als ich noch aus Höflichkeit viel gegessen habe und dazu nicht richtig: „Nein ich kann nicht mehr“ oder „Ich bin satt“, sagen konnte hatte ich nie Hunger. Viele Serben haben als ihre Mission gesehen den viel zu dünnen Timon mal ein bisschen zu mästen. Ganz besonders mit meiner Oma hier war es anfangs schwer bzw. sehr lustig, weil es unmöglich soviel zu essen wie ich jeden Tag etwas bekommen habe.

Meine Oma:
Meine Oma hier ist 85 kommt aber trotzdem jeden Tag unter der Woche um zu putzen und für uns zu Mittag zu kochen und sie ist ein Original aus einer anderen Zeit. Sie ist auf einem Bauernhof in der Nähe von Subotica aufgewachsen, auf dem sie jeden Tag früh aufstehen und sich um den Hof kümmern musste. Bis zur nächsten Siedlung gab es 6 Kilometer zu Fuß zurückzulegen und das oft mit 20 Litern Milch die sie zum Markt getragen hat. Soweit ich weiß war sie in der Schule konnte aber nie das Abitur machen weil ihre Familie sie auf dem Hof brauchte. Als sie dann von ihrem Hof in die Stadt zog, hatte sie ein paar Jahre um auszugehen und ein Leben zu leben wie wir Teenager es kennen, bevor sie dann ihren Mann heiratete und sie Kinder bekam. Ich liebe es genauso mit ihr zu plaudern wie ich es liebe ihr Essen zu essen. Das Plaudern war anfangs auch so ne Sache, weil sie erstens kein Englisch und noch zusätzlich einen Dialekt aus der Region spricht und nicht das Serbisch wie ich es höre und spreche. Unsere Kommunikation war deswegen anfangs ziemlich einseitig, was heißt das meine Standardantwort auf sie im ersten Monat „Ne razumem“ war was übersetzt heißt „ich verstehe nicht“.

Alles Neue und Moderne benutzt bzw.  kocht sie grundsätzlich nicht. (außer einer phänomenalen Pizza) Zu diesen Dingen gehört zum Beispiel die Mikrowelle oder anderes technisches Gerät. Dank ihr esse ich sehr regelmäßig traditionelles Essen aus Serbien. (der Vojvodina)

So wie das Essen in ganz Serbien lässt sich mein Essen schnell auf drei Begriffe runterbrechen. Fleisch, Backwaren und Milchprodukte. Aber das in unendlich vielen Kombinationen, dass mir noch nicht langweilig geworden ist. Als Vegetarier aber, hätte man es in einer Gastfamilie wie bei mir schwer. Eine italienische Gastschülerin, die in einem Dorf vielleicht 100 Kilometer von mir lebt, die Vegetarierin war, ist es nach einem Monat nicht mehr gewesen;).

Das Fastfood:
Das Fastfood ist in Serbien göttlich. Erstens ist es für deutsche Standards billig aber gleichzeitig sehr lecker.  Ćevapi, mit Salat, Zwiebeln, Kajmak (Rahm von Milch) und Brot, ist sicherlich das bekannteste Essen vom Balkan und esse ich wirklich gerne aber eher selten. Die ersten paar Monate war Burek mein Favorit. Für ca. einen Euro ist man nach diesem, manchmal salzigen manchmal süßen Blätterteigkuchen, garantiert am platzen. Von Füllungen wie Pizza, Fleisch, Käse, Pilzen, ... ist alles zu haben und das macht süchtig. Meine neuste Entdeckung ist in diesen Tagen Pljeskavica. Das ist gegrilltes Fleisch was man in ein Brot legt und man dann mit Gemüse und Soßen kombinieren kann. Es ist nicht so fettig wie Burek weswegen ich mittlerweile zwei bis drei Mal die Woche mir Pljeskavica reinziehe. Andere Favoriten sind noch Langosch ein ungarisches Gericht und natürlich Pizza.

Das Essen:
Beim Essen was ich zu Hause esse, will ich euch noch drei andere Lieblingsgerichte vorstellen. Einmal natürlich Sarma ein mit Hackfleisch gefüllte Kohl über den ich schon in einem Bericht geschrieben habe. Ein anderes Riblja Čorba eine sehr leckere Fischsuppe (Funfact:  eine Band hier heißt auch so) und natürlich Gulasch. Der Vater einer befreundeten Familie liebt es Gulasch zuzubereiten. Dabei kocht er das Fleisch mehrere Stunden in einem Kessel über offenem Feuer. Ich versuche jede Gelegenheit zu nutzen bei ihnen zum Gulasch zu essen.

Klar das ist lange nicht alles was die serbische/ungarische Küche zu bieten hat aber ihr seid bestimmt jetzt schon hungrig genug vom Lesen über Essen.

Ich gehe jetzt einen Burek essen und melde mich bald wieder.

Grüße aus Serbien

Timon