10.10.2019

Bericht #2 – Nette Busfahrer und Smørrebrød

Der zweite Monat ist vergangen und irgendwie ist viel und auch nicht so viel passiert. Die Tage hier vergehen so schnell ohne dass etwas Großes passiert. Der Alltag hat sich eingestellt und ich lebe ein ganz normales Leben wie die jeder Däne. Anfangs war ich etwas angeschlagen mit Erkältung, aber das hat sich inzwischen zum Glück gelegt.

Weil mein Dänisch schon so gut ist, dass ich so gut wie alle Konversationen verstehe und Texte lesen kann, arbeite ich in den meisten Fächern schon ganz normal mit, was auch Hausaufgaben beinhaltet. Nur in den Fächern Dänisch und „Sprachverstehen“, lässt mich der Lehrer andere Sachen machen, was aber eher am Lehrer liegt, als dass ich den Unterricht nicht verstehe. Es ist wie in Deutschland, mit manchen Lehrern kommt man halt besser klar als mit anderen. Da man hier aber alle Lehrer mit dem Vornamen anspricht, ist es insgesamt ein anderes Verhalten zwischen Lehrern und Schülern, weil der Lehrer einfach nicht diese strenge Autorität hat. Was nicht bedeutet, dass hier jeder Schüler machen kann was er will, der Lehrer hat trotzdem das Sagen, aber es funktioniert irgendwie auf eine freundlichere Basis. Manchmal fehlt mir diese Autorität trotzdem, weil man so eher dazu verleitet wird, sich mit anderen Sachen zu beschäftigen.

Der Computer spielt dabei eine große Rolle. Dadurch dass wir ihn in so gut wie jeder Stunde vor uns stehen habe, gibt es immer eine große Versuchung ihn für andere Sachen zu nutzen als für die er vorgesehen. Es ist nicht selten dass Schüler irgendwelche Computerspiele spielen während der Lehrer irgendwas von Grammatik erklärt. Und gerade wenn man nicht alles versteht, lässt man sich gerne mal ablenken. Jedoch hat es auch einige Vorteile, wie weniger Papierverbrauch, eine bessere Strukturierung der Schule und viele Möglichkeiten von Programm im Unterricht.

Für mich selbst wäre die Mitte der Extremen das Beste und nicht ganz wie in Dänemark oder gar nicht wie in Deutschland.

Die meiste Zeit meiner Woche bin ich in der Schule, da der Schultag meistens von 8:10 bis 15:20 geht. Ich verlasse das Haus um 7 Uhr und bin um 16 Uhr zu Hause, was fast 3 ½ Stunden mehr sind als ich es von Deutschland gewohnt bin. Wir haben zwar eine Schulstunde weniger (5 statt 6), aber dafür geht diese „Stunde“ 75 anstatt 45 Minuten. Und wenn man mal Glück hat und Stunden ausfallen, ist es nicht gerade so dass man mal einfach nach Hause fahren kann, weil man abhängig von den Busfahrzeiten ist und diese sind nicht so oft.

Das heißt zum Beispiel, dass wenn ich für nur 2 Fächer in die Schule muss, dass ich trotzdem ca. 4 oder 5 Stunden weg bin, weil hat keine anderen Busse zurückfahren. Busse sind insgesamt ein ziemlich großer neuer Teil in meinem Leben. Leider.

Denn genauso wie in Deutschland ist die Sache mit der Pünktlichkeit…….ein wenig undefiniert.

Während den Schulzeiten kommen Busse sowieso nicht pünktlich, aber meistens sind es nur zwischen 4-8 Minuten Verspätung. Trotzdem bin ich immer genervt davon.

Züge sind im Allgemeinen recht pünktlich, aber auch dort kann es zu Verspätungen kommen, die meisten Dänen nehmen das recht entspannt. Vielleicht liegt das aber auch an der Freundlichkeit der Busfahrer. Jedes Mal wird man freundlich lächelnd begrüßt.

In der zweiten Woche hier sind eine Freundin und ich in die Stadt gefahren und haben vergessen „Stop“ zu drücken und der Bus ist an unserem Stopp vorbeigefahren, weil er jedoch wusste dass wir eigentlich dort aussteigen wollten, hat er uns erklärt dass wir einfach sitzen bleiben können, weil wir auf seiner Route in 10 Minuten wieder daran vorbeikommen würden.

Die meisten Busfahrer hier sind wirklich total nett und helfen dir immer weiter wenn du nicht sicher bist wo du aussteigen musst.

Insgesamt sind die Dänen ein sehr freundliches Volk, bisher habe ich noch keine Situation erlebt in der Dänen unfreundlich zu mir waren. Natürlich sind Jugendliche hier genauso wie in Deutschland zu Freunden und zu gleichaltrigen etwas „unfreundlicher“, aber eigentlich nur wenn sie sich gut kennen.

Warum ich das so empfinde, ist weil das Wort „Danke“ im Dänischen die ganze Zeit genutzt wird. „Danke für’s Essen“, „Danke für heute“, „Danke für die Unterrichtsstunde“, Dänen sagen gerne Danke. Wenn man hier draußen ist und fremden Leuten begegnet, lächelt man meistens und sagt Hallo. Klar, machen wir das auch in Deutschland, aber hier sehe ich es einfach öfter und in Deutschland war ich eher dazu geneigt, auf den Boden zu schauen und schweigend aneinander vorbei zu gehen. Vielleicht kommt mir der Eindruck aber auch nur, weil ich hier auf dem Land wohne und in Deutschland in der Stadt.

Ein anderer Grund ist, dass Dänemark sehr offen ist. Deutschland ist das auch, aber es gibt immer noch genug Menschen die meinen, man dürfte sich nicht „anders“ sein, als die Norm. Zudem gibt es viele soziale Konstrukte die wir uns selbst erschaffen, in die wir selbst passen müssen. Ich bin sicher, diese gibt es auch in Dänemark, nur habe ich diese Menschen und Normen nicht getroffen. Du kannst sein wer du willst und es mag vielleicht nicht jeder, aber es wird akzeptiert.

Ein Beispiel dafür habe ich schon das letzte Mal gegeben, die Mode.

In Deutschland gilt es als „cool“, wenn man möglichst teure Markenklamotten trägt und das auch zeigt.

Hier in Dänemark habe ich das Gefühl es gibt viel mehr verschiedene Arten von „cool“, dass es zum Beispiel total angesagt ist Second Hand Sachen und Sachen im Retrostil zu tragen, aber ebenfalls sehe ich viele Menschen die aussehen als wären sie gerade aus einem hochglanz Modemagazin heraufgefallen. Und wenn du eine rote Hose mit rotem Pulli tragen willst, kein Problem, auf irgendeine Weise ist es cool. Das Schrägste was ich bisher gesehen habe, war jemand der einen Rock anhatte und darunter eine Jogginghose, das hat mich im ersten Moment schon etwas verwirrt.

Eine Gemeinsamkeit hat die Mode dann aber doch. Die Bauchtausche. Sie ist in beiden Ländern zurzeit total angesagt und obwohl ich sie in Deutschland etwas lächerlich fand, bin ich jetzt am überlegen ob es nicht sinnvoll wäre. Dazu muss ich aber auch sagen dass ich vergessen habe eine Art Handtasche mitzunehmen.

In den letzten vier Wochen habe ich dann zum Glück auch das erste Mal das Meer gesehen. An einem Samstag waren meine Gastfamilie und ich auf einem Geburtstag nördlich von uns eingeladen und danach schlug ich spontan vor ans Meer zu fahren. Da es jedoch an der Ostküste liegt und in einer Bucht kann man nicht wirklich von Meer reden, aber da es das gleiche Wasser ist, nenne ich es Meer.
Also fuhren wir nach Rønde, was eine kleine Stadt nord-östlich von Aarhus ist und eine kleine Burgruine auf einem Felsen hat, die wir besichtigten. Auch wenn durch den Wind ein wenig kalt war hat mir dieser kleine Ausflug richtig gut gefallen! 😊

An dem selben Wochenende hat mir meine Gastfamilie dann auch das echte, richtige Smørrebrød vorgestellt. Ein richtiges Festessen, auch wenn es sehr merkwürdig für mich ist, Brot mit Messer und Gabel zu essen, aber mit den ganzen Toppings wäre es anders auch gar nicht möglich.

Dänische Jugendliche habe nicht viel Freizeit, die lange Schule ist das Eine, das Andere ist dass die meisten dänischen Jugendlichen einen Job haben um sich selbst Geld zu erarbeiten. Dazu kommen viele Hobbies wie Sportclubs oder kreative Sachen und natürlich Hausaufgaben und Lernen. So bleibt ihnen meist wenig Zeit für Freunde und dann sind wir Austauschschüler da, haben keine diese Verpflichtungen, da die Schule nicht für uns zählt und wir nicht arbeiten dürfen. Also haben wir viel mehr Zeit als die normalen dänischen Schüler, wenn wir nicht gerade unseren dänisch Kurs besuchen. 😊

Um ein wenig den Austauschschülern für 3 Monate Dänemark zu zeigen, haben wir, ein paar Austauschschüler aus Silkeborg, in Silkeborg getroffen und ein wenig Tour Guide gespielt.

Das Wetter hatte einigermaßen mitgespielt und wir sind ein wenig in der Stadt und am Fluss entlang gelaufen. Der Fluss ist so sauber dass man auf den Grund schauen kann!

Danach haben wir uns im „Sunset Boulevard“ einquatiert, was ungefähr die dänische Version von McDonalds ist und was bezahlbar ist. Ein total hyggeligter Tag und es war total schön mehr über die anderen Kulturen zu erfahren!:)

Meinen zweiten Bericht möchte ich mit meinem letzten Wochenende beenden, wo wir unser zweites AFS Camp hatten. Für die Camps im Jahr sind wir in Regionen eingeteilt und ich bin im „Midjylland und Nordjylland“, das hieß unser Camp fand im Norden von Dänemark statt, weil AFS dort eine Schule gefunden hatte, in der wir übernachten konnten. Am Tag vorher packte ich meine Sachen mit Isomatte und Schlafsack! Weil es so weit im Norden lag, verließ ich die Schule etwas früher um nach Hause zu fahren und die letzten Handgriffe zu machen, bevor ich mich mit dem Bus auf die Reise machte nach Aarhus. Von dort aus fuhr der Zug nach Aalborg, aber ich hatte zum Glück Begleitung durch andere Austauschschüler und es war sehr entspannt Zug zu fahren. In Aalborg mussten wir in eine Regionalbahn umsteigen um nach Brønderslev zu fahren, wo ein Freiwilliger von AFS wartete und wir mit dem Bus schließlich zur Schule fuhren. Insgesamt waren wir 20 Austauschschüler aus 13 Länder und es war total schöne sie wiederzusehen. Wir hatten total viel Spaß auch wenn wir Samstag viel Zeit damit verbrachten in 2 Gruppen über unsere Erfahrungen zu reden und neues daraus zu lernen. Es war gut von den anderen zu hören und selbst erklären zu können was man so denkt.

Samstagabends gab es dann einen kleinen Hygge-Aften, wo wir Limbo und Tischkicker gespielt haben und zum Schluss einen Film geschaut haben. Außerdem gab es jeden Tag Kuchen und anderes gutes Essen.

Zwar mussten wir „früh“ aufstehen, aber das war komplett ok, da wir so mehr die Zeit gemeinsam genießen konnten. Sonntags mussten wir aufräumen, hatten noch eine Gruppensession und schließlich war schon wieder die Heimreise angesagt. Zusammen mit den meisten ging es also nach Aarhus und von dort also alleine zurück nach Hause. Auch wenn ich immer noch ein bisschen müde von den ganzen Informationen bin, war es ein wirklich super tolles Wochenende! 😊

Med venlig hilsen,

Lina aus Dänemark