17.11.2019

Bericht #3 – Ich lerne das Leben in „Hygge“ zu genießen

Schon wieder ein Monat vergangen! Ein Viertel Jahr lebe ich inzwischen in Dänemark und lerne das Leben in „Hygge“ zu genießen. Inzwischen sind wir fast im Winter angekommen und die Tage werden kürzer, die Sonne lässt sich nur selten blicken und die Weihnachtsdekoration ist auch schon überall.

In meinem letztem Monat habe ich so viel erlebt und neue Leute kennen gelernt, dass ich mich gar nicht mehr an alles erinnere.

Um von all dem zu erzählen möchte ich mit meiner Woche Herbstferien beginnen, die ersten freien Tage hier in Dänemark nach den Sommerferien. Die ersten 3 Tage verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in der Region Sønderjylland in Sønderborg. Dort besuchten wir an einem Tag die Stadt und konnten über das Meer sogar die deutsche Küste sehen.

Sonntags haben wir einen Naturwissenschaftspark, welcher „Universe“ heißt und der dänischen Firma Danfoss gewidmet ist, besucht. Und auch wenn man bei Naturwissenschaftspark vielleicht nicht gleich an Spaß denkt, war es ein total spannender Tag! Im Park gab es verschiedene Plätze mit Hallen oder Hütten, wo immer verschiedene Teile der Wissenschaft auf spielerische Weise erkundet werden konnte. Zum Beispiel gab es eine Halle voll mit Virtual-Reality Spielen, wo man Fallschirm springt oder ein Autorennen fährt. Außerdem gab es ein 360 Grad Kino indem man einen Film gesehen hat, der die Wunder der Natur gezeigt hat, wie zum Beispiel eine Blume wächst oder ein Wassertropfen auf Wasser springt. Ein andere Teil war ein kleiner Kletterparkur und eine Segwaytour, wo ich zum ersten Mal Segway gefahren bin und überrascht war, dass es gar nicht so schwer ist.:)

Den letzten Teil meiner Herbstferien habe ich mit meiner Gastschwester bei meiner Gastoma in Kopenhagen verbracht. Wir sind also Dienstags mit dem Bus hingefahren, was ungefähr 4 bis 5 Stunden dauert und am Samstag wieder zurück.

Am nächsten Tag haben wir dann das ganze Touristen-Programm durchgezogen und sind durch alle bekannten Plätze Kopenhagens durch, wie die kleine Meerjungfrau, Nyhavn, Amalienborg (wo ich doch tatsächlich den Hund der Königin getroffen habe!! Also ein Mitglied der royalen Familie!), Marmorkirchen und Christiania. Kopenhagen in der Stadt hat ca. 600.000 Einwohner, was bedeutet dass man es doch ganz gut zu Fuß bewältigen kann um die Plätze zu besuchen.

Den zweiten Tag besuchten wir den ältesten Freizeitpark in Skandinavien, Tivoli in Halloween Thema. Tivoli ist nicht besonders groß, was auch daran liegt, dass es mitten in der Stadt liegt, aber definitiv sehr spaßig und schön anzusehen! Da es kurz vor Halloween stand, gab es eine Konkurrence um den größten Kürbis in Dänemark und es gab riesen Kürbis zu sehen! Der größte Kürbis hat bis zu 450 kg gewogen!

Freitags habe ich mich ein paar anderen Austauschschülern die auch zu der Zeit in Kopenhagen waren getroffen und nochmals die meisten Sehenswürdigkeiten besucht. Zudem waren ich mit zwei anderen im „Bastard“-Cafe, was ein Brettspiel-Cafe ist und ziemlich gemütlich für Regentage, von denen wir hier reichlich haben! Man setzt sich dort einfach normal an einen Platz, bestellt etwas und spielt dabei eins der vielen Spiele. Ein hyggeliger Ort für ein wenig Zeit zum genießen bevor man wieder raus ins Kalte geht.

An unserem letztem Tag waren wir bloß das Meer besuchen dort wo meine Gastoma wohnt und man konnte bis nach Schweden rüber blicken! Und so waren meine einwöchigen Herbstferien auch schon rum.

Obwohl die erste Schulwoche nicht wirklich viel war, da die Schüler erst Naturwissenschaftsexam hatten und am Freitag Latein/Dänisch-Exam. Da wir Austauschschüler normal nicht an den Exam teilnehmen hat die Schule uns einen Museumsbesuch für Dienstags organisiert wo wir mehr über die dänische Geschichte der Wikinger lernen konnten. Außerdem besuchten wir einen Park mit Rehen, die unendliche Brücke (eine kreisrunde Brücke über den Strand und das Meer) und die Aarhus Street Food Hall (wo die Schule uns doch tatsächlich Essen bezahlte!!). An diesem Tag kam sogar die Sonne raus und als wir am Strand waren, hatte man eine wunderschönen Ausblick raus aufs Meer und das Wasser war so klar und sauber! Ich glaube dieser Tag war einer Lieblingstage hier in Dänemark, weil es einfach so schön war, neues über dänische Kultur und neue Plätze zu entdecken! Es war auch das erste richtige Mal wo ich in Aarhus war und ich muss sagen, ich liebe diese Stadt! Hier gibt es einfach viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen und da es eine Studentenstadt ist, merkt man das hier eine relativ junge Atmosphäre herrscht.

Aarhus ist die zweit größte Stadt Dänemark, hat jedoch nur ungefähr 277.000 Einwohner (hat somit die perfekte Größe meiner Meinung nach) und liegt ungefähr eine Busstunde von mir entfernt. Die Hafenstadt bietet viele Möglichkeiten um seine Zeit verbringen und besonders gut gefällt mir die riesen Bibliothek am Hafen und in der man problemlos den ganzen Tag verbringen könnte. Neben einer großen Anzahl an Büchern, gibt es „Workspaces“ zum Handwerken, Musik hören, verschiedenen anderen Arbeiten mit Computern, Räumen für Kinder zum Spielen oder Playstation-Stationen und das alles ist kostenlos offen für jedermann! Gerade weil es hier meistens am Regnen ist, passt so ein Ort super zum aufwärmen und entspannen.

Die Salling (eine Art Kaufhaus) Rooftop Bar gibt einem die Möglichkeit Aarhus von oben aus überblicken zu könne oder in der Street Food Hall kann man alle möglichen Gerichte aus der ganzen Welt probieren. Heute thailändisch, morgen jamaikanisch. Diesen Ort liebe ich leider viel zu viel, da man dort auch gut schnell viel Geld für Essen ausgeben kann!

Im Gegensatz dazu habe ich jedoch viel Glück unter 18 zu sein, weil dadurch viele Museen frei sind und in Aarhus das berühmteste Kunstmuseum Dänemark liegt.

Das Aros, das den meisten Dänen als der Regenbogen bekannt ist, weil auf dem Dach des Museums ein Rundgang in den Farben des Regenbogens aufgebaut ist. Es heißt Aros weil das der alte Name von Aarhus ist.

In meinem vierten Monat haben wir auch eine neue Familientradition für den Samstagabend gewonnen, und zwar die dänische Version des „großen Backens“ im Fernseher. Es ist total spannend die verschiedenen traditionellen dänischen Kuchen kennenzulernen, da ich ebenfalls eine beigeisterte Bäckerin bin und selbst gerne die deutsche Version schaue. Die ganze Show ist gleich aufgebaut, weshalb es natürlich auch recht einfach ist zu verstehen. Es gab sogar eine deutsche Folge in der die deutsche Moderatorin Enie van de Majklokjes der Show vorbeischaute und einen Kuchen auf Deutsch anleite. Es war total lustig wie verzweifelt die Teilnehmer versuchten ihren Worten zu folgen und gleichzeitig zu backen.

Insgesamt bin ich hier leider noch nicht sehr viel zum Backen gekommen, aber der 10. November bat sich dann sehr gut an, um etwas zu Backen und von meiner Tradition zu erzählen, dem Fest Sankt Martin. Also habe ich am Sonntag den 10. meine ersten eigenen Martinsbrezeln gebacken. Die Sache ist hier wird kein Sankt Martin gefeiert, es gibt den „Mortensaften“ am Abend des 10. November, aber erstens feiern es nicht viele und zweitens wissen die meisten Dänen auch nicht wieso überhaupt. Da Martin aber in Dänemark Morten heißt, glaube ich, dass es da sicherlich eine Verbindung gibt. Hier wird der Mortensaften einfach gefeiert indem man Freunde oder Familie einlädt und dann quasi das Essen von Weihnachten macht, aber es wird kleiner gehalten und nicht so groß wie für mich in Deutschland, da meine Familie auch jedes Jahr am (oder ca.) Martinstag Familientag macht und die ganze Familie sich zum Essen trifft. Also halt auch die etwas mehr weit entfernt Verwandte. Zudem gibt es ja immer die Umzüge mit den Laternen, also erzählte ich meiner Gastfamilie davon und wir haben zusammen die Martinsbrezeln gegessen.

Inzwischen bin ich auch schon seit ein paar Wochen in meiner neuen Klasse und folge meinen „LK’s“, Englisch und Sozialkunde. Jedoch hatten wir die ersten zwei Wochen relativ viel Naturwissenschaft, weshalb ich bisher nur eine einzige Stunde Sozialkunde hatte. Und auch Französisch hatte ich bisher gar nicht, aber nächstes Mal kann ich euch sicherlich mehr darüber berichten. In der 2.Woche waren wir auf „Hyttetur“, was bedeutet, dass wir eine Nacht irgendwo in einer Hütte übernachtet haben. Normalerweise ist es Tradition, dass man dorthin mit dem Fahrrad fährt, aber unsere Hütte lag zum Glück zu weit weg und die Schule hat einen Bus gemietet. Denn es hat den ganzen Tag in Schütten geregnet (wie immer) und eine andere Klasse musste 11 Kilometer im Regen laufen! Unsere Klasse wurde in 3 Gruppen eingeteilt und jede Gruppe war für eine andere Mahlzeit zuständig und musste einen Unterhaltungspunkt für den Abend vorbereiten. Was natürlich im Voraus geschah und ich war in der Abendessensgruppe. Wir machten Wraps, weil dass unserer Meinung am einfachsten vorzubereiten war. Was ich sehr erstaunlich fand, war, dass die Schule uns Geld gab einzukaufen und die Lehrer uns frei eine Liste erstellen ließen. Das heißt es wäre unsere eigene Entscheidung ob wir jetzt einfach 8.000 Liter Cola und 300 Tüten Chips kaufen oder normales Essen. Ansich hat alles gut geklappt, außer dass wir am Ende einen riesen Haufen Mais übrig hatten. Abends haben wir viele Brettspiele gespielt oder einfach geredet und am Dienstag nach dem Putzen ging es auch schon wieder zurück nach Hause….mit dem Bus 😉

Am Wochenende meines 3 monatigen Aufenthalts in Dänemark haben sich ein paar andere Austauschschüler und ich zum Schlittschuh laufen verabredet in der Eishalle unserer Stadt.

Da meine Stadt mit ca. 47.000 schon als große Großstadt gilt, gibt es hier so gut wie alle Angebote, die man in Deutschland eher nicht bei der Größe findet. Zumindest macht die Eishalle so gut wie jeden Samstag für die Öffentlichkeit auf und man kann dort auch Schlittschuhe leihen. Ungefähr 2 Stunden verbrachten wir auf dem Eis und hatten einen schönen Tag zusammen.

Kaum zu glauben, dass es schon so lang ist, seit ich hier bin, aber es die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe! Ich bin total dankbar für diese Erfahrungen, die ich hier erleben kann und die Menschen, die ich treffe. Es ist wie ein wahrgewordener Traum. (Auch wenn dafür noch der Schnee fehlt, der hier sehr selten ist. :)) )

Liebe Grüße nach Deutschland,

Lina