11.2.2020

Bericht #5 – Neues Jahr, neues ich

Godt nytår Metropolregion Rhein-Neckar!

Ich hoffe ihr alle seid gut ins neue Jahr gerutscht, denn ich bin rein gesprungen. Genau richtig, gehoppt. Dazu aber erst gleich.

Wir haben jetzt inzwischen schon Februar 2020 und ich kann es gar nicht glauben, dass ich schon fast ein halbes Jahr hier oben lebe. Ein halbes Jahr, das viel schneller rum ging, als ich gehofft hatte. Das beste halbe Jahr meines Lebens, so weit ich mich erinnern kann, aber natürlich auch nicht immer einfach.

Meinen fünften Bericht möchte ich gerne mit Neujahr beginnen, da ich dort realisiert habe, wie real es ist, dass ich bald schon wieder in Deutschland sein werde. In 2019 konnte man einfach sagen, dass sei ja nächstes Jahr, aber jetzt ist es ja schon in diesem Jahr. Trotzdem will ich nicht, dass mich das negativ runterzieht und ich will das beste aus der Zeit machen. Ich persönlich bin nicht der größte Fan von Neujahr und deswegen war es auch hier nicht mein Lieblingstag, aber dennoch habe ich neue Traditionen mitgemacht und versucht mich daran zu erfreuen. Meine Familie hatte Freunde zu Besuch, die auch bei uns übernachtet haben und zusammen hatten wir ein super leckeres Abendessen. Während des Essens haben wir lustige Brillen aufgezogen oder kleine Hüte. Anders als in Deutschland standen wir nicht Punkt Mitternacht draußen zum Anstoßen, sondern waren im Wohnzimmer haben uns kurz vor Mitternacht die Neujahrs-Rede von der dänischen Königin angeschaut und sind dann zum Glockenschlag im Fernseher ins neue Jahr gehüpft. Damit meine ich, dass manche auf dem Sofa standen und runtergesprungen sind oder man einfach einen Hüpfer gemacht hat. Danach konnte man rausgehen und sein Feuerwerk abfeuern. Wir selbst hatten nicht viel, da wir aber auf einem Hügel wohnen, konnten wir auf den Rest des ganzen Dorfes blicken und die Feuerwerke anschauen. Da ich so müde war, habe ich den wichtigsten Menschen ein gutes neues Jahr gewünscht oder geschrieben und bin relativ schnell ins Bett gegangen.

Der Januar war nicht unbedingt mein Lieblingsmonat bis jetzt, da anfange, die Sonne ein wenig zu vermissen. Ebenfalls hatten wir bis jetzt noch keinen Schnee, was auch schon merkwürdig für die Dänen ist, da man im Grunde meist wenigstens ein paar Tage mit ein wenig Schnee hat, aber dieses Jahr war da gar nichts. Dadurch dass es nie richtig Winter-kalt wurde und die ganze Zeit das gleiche Wetter mit Wolken, Wind und Regen ist, fange ich an mich auf den Frühling und seine Farben zu freuen. Mein Januar fing damit an, dass ich noch eine Woche Weihnachtsferien hatte, in denen nicht so viel passiert ist, bis auf, dass ich mich von einer guten Freundin verabschieden musste, da sie nach Hause nach Neuseeland geflogen ist. Das war definitiv einer der traurigsten und schwersten Tage für mich, da wir in dieser kurzen Zeit schon so gute Freunde geworden sind. Sie hat mir viel geholfen mich einzuleben und wir haben viele schöne Momente miteinander erlebt. Zudem habe ich meinen ersten eigenen galette des rois gebacken, den es normalerweise für mich jedes Jahr am Anfang vom Januar gibt, da wir ja relativ nah Frankreich wohnen. Irgendwie wollte ich diese Tradition gerne meiner Gastfamilie zeigen und natürlich auch unbedingt Kuchen essen.

Neues Jahr, neues ich! Dabei habe auch ich mitgemacht und neuerdings laufe ich mit fast schwarzen Haaren rum! Eigentlich war es geplant, dass sie dunkel braun werden, aber das kann man nur in bestimmtem Licht sehen. Es ist zwar keine permanente Farbe, war jedoch schon eine große Veränderung für mich und ich bin froh es gemacht zu haben. Was wäre ein Austauschjahr ohne eine Haar-Veränderung? Das werde ich nie erfahren.

Schließlich hat die Schule auch wieder angefangen, aber für mich zum Glück nur für eine Woche! Denn mit AFS Dänemark macht jeder Austauschschüler eine kleine Austausch-Woche im Austauschjahr. Das heißt, ich habe eine Gastfamilie in Kopenhagen für eine Woche lang bekommen und dort eine Schule besucht. Das war en ganz schöner Unterschied für mich, denn normal lebe ich ja in einem Dorf mit 1.400 Einwohnern und in Kopenhagen habe ich direkt im Stadtzentrum einer Großstadt gelebt. Zudem hatte ich drei Gastgeschwister und Katzen im Gegensatz zu einer Schwester und Meerschweinchen. Für Kopenhagen hat meine Familie in einer großen Wohnung gelebt mit einer Terrasse und Ausblick über die Stadt. Eine Sache, die mir ziemlich gut gefallen hat, war, dass die Familie so gut wie immer vegetarisches Essen gemacht hat, was ich manchmal vermisse, da ich vorher in Deutschland Vegetarier war.

Ich bin dann also mit meiner Gastschwester in Kopenhagen in ihre Klasse im Gymnasium gegangen und hatte ziemlich Glück, dass es eine relativ einfache Woche war. Zudem musste ich nicht den ganzen Tag mit ihr dort sein, da AFS noch ein paar Aktivitäten geplant hatte. Am ersten Tag besuchte ich mit den Austauschschülern in Kopenhagen von AFS und meiner Gruppe aus Silkeborg, dass „Folketing“, also das dänische Parlament. Wir bekamen eine Führung von einem sehr netten Mann, der uns danach noch auf den Turm hochgehen lassen hat, obwohl der normalerweise montags geschlossen ist! Am Dienstag haben wir eine Stadtrundführung bekommen, da ich aber schon im Herbst einmal die Stadt besucht hatte, waren die meisten Sachen nicht so neu für mich. Donnerstagsabends hatten wir einen Hygge-Abend im AFS-Haus mit Pizza und Brettspielen und unseren Gastgeschwistern. Es war so schön, auch noch abends ohne Probleme mit öffentlichem Transport herum kommen zu können, das kenne ich nicht wirklich von meinem normalen zu Hause!

Freitags bin ich mit den anderen Austauschschülern ein Kunstmuseum außerhalb Kopenhagens besuchen gegangen mit einer Picasso Ausstellung und danach haben wir noch ein wenig Kopenhagen allein erkundet.

Die letzte AFS Aktion hatten wir samstags mit einem „International Buffet“, das bedeutet, dass jeder Austauschschüler etwas Typisches zu Essen aus seinem Land mitgebracht hat und später noch einen kleinen Unterhaltungspunkt vorbereiten sollte. Ich hatte mich für Apfelpfannkuchen entschieden, da die Dänen das nicht kannten und es leicht für viele Person zu machen war. Am Ende hatten wir leider viel mehr Nachtische als Hauptspeisen, aber irgendwie hat es gepasst und ich konnte viele verschiedene Sachen von der ganzen Welt probieren! Meine Favoriten davon waren aber definitiv die polnischen Dumplings!

An meinem leider auch schon letzten Tag besuchte ich „Rosenborg“ mit meiner Gastmutter und meinem Gastbruder, das Sommerschloss von Christian dem 4., wo man die Krone der Königin und des Königs und königlichen Schmuck anschauen kann. Es war schönes Wetter, dass wir noch ein wenig im königlichen Schlossgarten rumgelaufen sind. So musste ich auch schon wieder nach Hause reisen und mich von meiner Familie in Kopenhagen verabschieden. Meine Familie dort war unterschiedlich zu meiner anderen, aber irgendwie haben wir auch super zusammengepasst und ich hatte eine wunderschöne Woche.

Nach dieser Woche war es schwerer wieder in meiner normalen Schule anzufangen, weil ich natürlich ein paar Sachen verpasst hatte und ich so viel in der vorherigen Woche erlebt hatte, aber auch das ging. Ebenfalls das nächste Wochenende war schon voll geplant, denn wir haben unseren Großeltern geholfen aus ihrem Haus in ein anderes Haus umzuziehen. Das hieß den ganzen Samstag und Sonntag, Kisten schleppen und Sachen in den Transporter laden. Es war zwar schön die ganze Familie zu sehen und Zeit miteinander zu verbringen, aber danach hatte ich auch ziemlich Muskelschmerzen in den Armen!

Außerdem im Januar habe ich ein neues Hobby angefangen, da ich dachte es wäre mal Zeit etwas Neues auszuprobieren und da eine dänische Freundin gefragt habe ob ich Lust habe, dachte ich, warum nicht. Also tanze ich seit 3 Wochen ungefähr Line Dance! Ja tatsächlich Line Dance, genau den Cowboy-Tanz aus den amerikanischen Filmen! Selbst ich hätte nicht geglaubt, dass ich das hier in Dänemark anfange, aber es ist spaßig und ich und meine Freundin sind auch mit Abstand die jüngsten Teilnehmer des Kurses. Da ich aber schon immer getanzt habe, finde ich mich relativ gut zurecht, da wir Quereinsteiger sind. Mal sehen ob ich mich jetzt zu einem Cowgirl verwandle!

Ende Januar wurde es dann schon richtig ernst, denn unser zweites Camp, das Halbjahrescamp, stand vom 31. Januar bis zum 2.Februar an. Diesmal wurde ich und Freundinnen von Eltern dorthin gefahren und es war um einiges entspannter als das Erste, denn man kannte sich ja schon. Es waren 2 lustige Tage mit anderen Austauschschülern aus Nord- und Mitteldänemark! Wir hatten verschiedene Workshops über die Sprache, Familien, Freunde und unserem Leben hier. Obwohl es schön war die anderen wiederzutreffen, war ich am Sonntagabend dann schon ziemlich müde und gar nicht motiviert wieder in die Schule zu gehen. Die einzige Motivation war, dass ich nur noch eine Woche bis zu den Winterferien hatte und dieser Gedanke hat mich durch die Woche gebracht.

Donnerstags in der Woche hatte meine Klasse eine Exkursion zum Moesgaard Vikinger Museum, dass ich ebenfalls schon einmal mit der Schule besucht hatte und ARoS, das Kunstmuseum in Aarhus, das ich sehr gerne mag. Im ersten Museum gab es zudem eine Ausstellung über den Vulkanausbruch in Pompei. Da es viel Sonnenschein gab, haben Freundinnen und ich beschlossen unser Essen draußen auf dem begehbaren Dach des Museums zu essen.

Im Kunstmuseum hatten wir die Aufgabe unser Lieblingsstück zu finden und ein Bild davon an unseren Lehrer zu schicken. Natürlich haben wir auch ganz viele Bilder wieder oben im „Regenbogen“ gemacht. Insgesamt war es ein toller Tag, den ich sehr genossen habe, denn man musste ja nicht in der Schule sitzen.

Schließlich haben jetzt meine einwöchigen Winterferien begonnen und so gut wie alle die ich hier kenne sind in Norwegen, Schweden, Deutschland, Österreich oder der Schweiz für Skiferien. Ich selbst habe nicht so viel geplant, da ich gerne was mit Freunden machen will. Am ersten Samstag habe ich das Stadtmuseum besucht, wo es eine Ausstellung gab mit Kostümen, die die dänische Königin persönlich gemacht hat für Theaterstücke oder Fernseherserien. Nun bin ich zu Besuch bei meinen Gastgroßeltern mit meiner Gastschwester für ein paar Tage und genieße die freien Tage von der Schule.

Ich kann es noch gar nicht so wirklich glauben oder realisieren, dass ich seit einem halben Jahr in Dänemark lebe. Ich habe in dieser Zeit so viel über mich selbst und auch andere Menschen gelernt, so viele Erinnerungen geschaffen, die ich nie vergessen will und das beste aus der Zeit gemacht. Mein Austauschjahr ist etwas Wunderschönes, nicht immer glänzend schön und lustig, aber es bringt mir so viel in meiner persönlichen Entwicklung, dass ich niemals im Zweifel bin ob es die richtige Entscheidung war oder nicht. Das war es definitiv und ich bin klar für die nächsten paar Monate, denn rum ist es noch lange nicht, erst jetzt fängt es richtig an.

Liebe Grüße,

eure dänische Lina.