7.4.2017

Bericht #6 - AFS-Treffen, nächtliche Spaziergänge etc.

AFS-Treffen, nächtliche Spaziergänge und Abschied nehmen

Eine Woche nach Karneval hatten die meisten Schulen in Brasilien, zumindest in Bahia, am Mittwoch schulfrei, da es einen Protest gegen das Brasilianische Schulsystem gab. Also beschlossen die Austauschschüler von Salvador mal wieder zusammen was zu machen. Wir haben uns alle bei einer Freundin getroffen und sind dann für ein paar Stunden an den Strand.

Später haben wir dann entspannt, etwas gegessen und sind dann langsam alle nach Hause gefahren. Eine Freundin musste jedoch nach Hause laufen, und da es schon dunkel wurde, habe ich sie dann nach Hause begleitet. Wie sich das eben so gehört :) Als ich sie sie nun dorthin gebracht hatte, war mein Handy-Akku leer, also konnte ich mir kein Uber mehr rufen... Also hab ich dann beschlossen nach Hause zu laufen. Inzwischen war es stockdunkel und nur vereinzelt mal eine Straßenlaterne. Dann fing es auch noch an in Strömen zu regnen, was die Situation auch nicht besser gemacht hat :D Nach knappen 50 Minuten war ich dann Zuhause angekommen.

Meine Mutter meinte später, ich hätte entweder extrem Glück, dass mir nichts passiert ist, oder ich schaffe es inzwischen wie ein Brasilianer auszusehen. Wohl von beidem etwas. Mein kleiner nächtlicher Spaziergang hatte mir etwas die Hemmungen genommen, nachts draußen herumzulaufen, und da ich donnerstags etwas schlecht gelaunt war, hatte ich die brillante Idee, für 2 h einfach mal irgendwo joggen zu gehen um etwas Dampf abzulassen. Sagen wir, es war die Erfahrung wert mal nachts durch eine brasilianische Großstadt zu joggen, aber nochmal machen werde ich es nicht :D Am Wochenende hatte mich meine Vernunft auch schon wieder eingeholt und ich war wieder nur in unserem Viertel joggen.

Die Woche darauf schrieb uns dann eine AFS-Betreuerin, dass sich alle Austauschschüler Salvadors treffen, um über den Fortschritt den wir gemacht haben und Probleme die entstanden sind, zu reden. Obwohl es uns so kurzfristig mitgeteilt worden war, waren 5 von 7 anwesend. Wir trafen uns Samstag-Nachmittag in einer Schule, die uns einen Klassenraum benutzen ließ. Anfangs sollten wir Problempunkte unter einen der drei Bereiche schreiben, die an der Tafel standen. Probleme mit der Familie, im Alltag und in der Schule. Es war sehr interessant zu sehen, was bei den anderen so lief und mit welchen Probleme sie sich so konfrontiert sahen.

Einer der größten Problempunkte zum Thema Familie war die Privatsphäre. Hier in Brasilien muss den ganzen Tag gezeigt werden wie lieb man sich hat. Auch wenn ein Austauschschüler einfach mal das Verlangen hat, in sein Zimmer zu gehen und alleine zu sein, interpretieren das die meisten Familien als eine Abschottung. Bei den Themen Schule und Alltag ging es sehr viel um das nicht vorhandene Verständnis des Wortes „Nein“ bei vielen Mädchen und Jungs. Oft wird man gefragt ob man eine „fica“ haben will, was so etwas ist wie eine „Freundschaft+“. Also eine Beziehung mit allem was dazu gehört, nur ohne zusammen zu sein. Aber viele verstehen ein Nein einfach nicht und fragen immer wieder.

Später sollten wir dann von 1-10 bewerten, wie wir denken, dass wir uns in der Familie, im sozialen Umfeld und in der Schule integriert und eingefunden haben. 10 für sehr gut, 1 für gar nicht. Alle von uns waren in jedem Punkt über 5 Punkte oder höher, was aber auch zu erwarten war. Nach einer kleinen Besprechung ging es dann weiter zum letzten Punkt. Jeder hat eine andere Farbe bekommen und sollte an der Tafel seine Stimmungskurve zeichnen, von August letzten Jahres bis zum jetzigen Zeitpunkt -- und dies dann erläutern. Jeder hatte ungefähr eine Wellenform. Durch Weihnachten, Familienwechsel und andere Dinge ging die Kurve runter und dann über die Zeit wieder hoch.

Seitdem ist hier für brasilianische Verhältnisse sehr schlechtes Wetter. Vormittags gibt es öfters Regen oder auch Gewitter, hin und wieder kam dann nachmittags noch ein bisschen die Sonne raus. Für mich jedoch ist es einfach das beste Wetter, weil man jetzt auch mal mittags Sport machen kann, ohne in der Sonne zu schmelzen. Für die meisten Brasilianer eben das schlechteste Wetter.

Dienstags in der Schule ist es dann passiert: Wir saßen alle im Unterricht, und auf einmal wurden die Füße nass! Durch den starken Regen ist wohl Wasser durch das Dach gelangt und dadurch in unseren Klassenraum. Von dem Loch in der Decke, durch welches das Wasser geflossen ist, konnte ich leider kein ordentliches Foto aufnehmen, aber ein Freund ist in der Pause zur nächsten großen Straße gelaufen um sich sein Mittagessen zu kaufen und hatte mir später ein Bild geschickt wie es dort aussah.

Abschied von Leonardo

Letztes Wochenende ging es dann sonntags auf die Abschiedsparty von Leonardo, einem Austauschschüler aus Deutschland. Dort gab es dann leckeren Kuchen, Getränke und ein paar andere Austauschschüler und Personen von AFS Salvador waren da. Das hat nochmal vor Augen geführt, wie schnell alles doch vorbei geht... Da kann ich nur noch sagen: „Farewell my friend!“

Zurzeit bin ich fleißig dabei eine Präsentation über Deutschland und vor allem die Metropolregion Rhein-Neckar vorzubereiten, welche ich in der Schule halten werde. Die jungen Botschafter hatten zwar schon Vorlagen bekommen, dies übersetze ich jedoch zurzeit noch (mit ein wenig Hilfe) sinngemäß ins Portugiesische. Sonst steht nicht mehr viel auf dem Plan.

Kommendes Wochenende fahren wir mit der ganzen Familie in ein Hotel um den Geburtstag meines (Gast-)Opas zu feiern, das Wochenende darauf werde ich mit meinen (Gast-)Eltern nach Rio de Janeiro fliegen worauf ich mich extrem freue!

Mit meinem „Funktionalen Training“ habe ich Ende März aufgehört, da ich mich am Knie verletzt habe und dadurch nach längerem joggen extreme Schmerzen bekomme. Zudem wurde der Preis erhöht und es ist mir nun zu teuer geworden. Trotzdem gehe ich noch alleine ein wenig laufen, einfach um fit zu bleiben, und habe jetzt angefangen wieder mehr zu schwimmen, auch wenn das in einem kleinem Pool leider nicht den größten Spaßfaktor bietet.

In 3 Monaten geht es schon wieder zurück nach Deutschland. Teilweise freue ich mich wieder zurück zu kommen, vor allem das Essen fängt man an zu vermissen. Trotz allem Schönen was einen vielleicht in Deutschland erwartet, will man nicht sein „neues“ Leben einfach wieder verlassen :)

Aber genug davon und jetzt erst mal die Zeit die noch bleibt genießen!