8.1.2017

Bericht #4 - Ferien, Weihnachtszeit und ganz viel Reisen

Nun, nach weiteren Wochen Schule und einem kleinen Trip mit der Gastfamilie von Cedric in deren Strandhaus ging es langsam aber sicher auf die letzte Schulwoche zu. Es gab ein riesiges Fest mit Tänzen der Klassen, Schauspiel und sehr sehr lauter Musik. Morgens in der Schule angekommen war schon laute Musik und alle waren in guter Stimmung. In den jeweiligen Klassenräumen haben wir uns dann vorbeireitet auf die Eröffnung. Dann ging es richtig los, alle haben für die Aufführungen der anderen gejubelt und alle hatten extrem Spaß. Die Hälfte der nächsten Woche ging es dann mit den Prüfungen los, aber da ich an diesen nicht teilnehmen muss, begannen für mich schon die Ferien. J

Die ersten zwei Ferien-Wochen zogen sich trotz intensivem Sport ziemlich hin, jedoch mit großer Vorfreude auf den Urlaub – den ersten großen Trip mit meinen Eltern und meinem Gastbruder! Meinen kleinen Gastbruder konnten wir leider nicht mitnehmen, da das Programm eher anspruchsvoll war … Dazu aber später noch etwas. Nach 6 Stunden Fahrt kamen wir im Nationalpark Chapada Diamantina an. Auf einmal ist man von Bergen umgeben und es sieht einfach wundervoll aus. Auf dem Weg zur Unterkunft passierten wir einen Berg namens Morro do pai inacio. Nach ca. 20 Minuten laufen beziehungsweise klettern gab es schon einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Reise noch so bieten würde.

Nach etlichen und teils sehr amüsanten Bildern und Videoaufnahmen ging es dann mit dem Auto 1 Stunde auf den holprigen Wegen zum Vale do capao, wo sich unsere Unterkunft befand. Zwei süße kleine Zimmer mit Doppelbetten und je einem Badezimmer pro Zimmer. Der restliche Tag bestand dann aus Duschen, vor Erschöpfung kurz ins Bett fallen und Essen gehen.

Morgens gab es Buffet und dann ging es mit frischer Energie ans Erkunden des kleinen Dörfchens. Falls ich in einem Dorf meiner Wahl leben müsste, es wäre dieses :D Insgesamt herrscht überwiegend eine Hippie-Kultur, alle Menschen sind extrem nett, es gibt gutes Essen und sogar einen kleinen Supermarkt mit ein paar Lebensmitteln zum Überleben. Ich bin immer noch begeistert davon.

Vormittags haben wir uns dann mit unserem Guide getroffen und die längste Tour begann. Ordentlich mit Sonnencreme und Anti-Insekten-Spray eingerieben, ging es die erste Stunde steil bergauf und weiter 2 h auf einem Plateau. Meine Eltern hatten zwar vor allem beim Aufstieg ihre Schwierigkeiten, aber schlugen sich echt gut. Auf dem ganzen Weg gab es gefühlt hunderte verschiedene Blumen und Tiere zu beobachten und das Landschaftsbild war einfach nur fantastisch.

Jetzt verrate ich auch endlich wo es hingeht: Wir waren auf dem Weg zu dem höchsten Wasserfall der Region, dem Cachoeira de fumaça. Endlich angekommen war die Ansicht atemberaubend. Es ging sehr sehr tief nach unten und man konnte sehr weit in das Tal gucken. Eigentlich ist meine Höhenangst nicht gerade ausgeprägt, aber das war dann schon etwas anderes. Nach einem Picknick und natürlich sehr vielen Fotos am Rande des ca. 340m hohen Wasserfalls ging es dann wieder zurück.

Spontan machten wir dann noch vor Sonnenuntergang einen Trip zu einem Fluss, der aus sehr vielen kleinen Wasserfällen und Becken besteht. In den Becken konnte man schwimmen und wir hatten alle extreme Lust auf eine Erfrischung. Nach einem sehr entspannenden Bad gab es weiter unten am Fluss flache Stellen, wo wir uns dann zusammen hinsetzten und den Sonnenuntergang beobachteten :)

Am Tag Nummer drei zog es uns zu einem anderen Wasserfall. Mein Vater hatte sich einen größeren Rucksack ausgeliehen, war jedoch der Meinung nur seine Wasserflasche reinstecken zu müssen. Mich persönlich hat es ein bisschen enttäuscht, da man von einem Mann doch etwas anderes erwartet... also nahm kurzerhand ich den Rucksack und alle packten ihr Zeug (Wasserflaschen, Wechselklamotten etc.) rein. Meine vom Vortag sehr erschöpften Eltern hat das riesig gefreut und ich habe es als Herausforderung für mich selbst gesehen. Nun ja, dann ging es mit 6-7 Liter Wasser, Wechselklamotten und Essen auf dem Rücken auf zum Wasserfall. Der Weg dorthin war sehr zugewachsen und da er nicht so hoch lag, gab es auch mehr Bäume und Pflanzen. Nach ca. 2 Stunden Hinweg ging es wieder ab ins Wasser.

Auf dem Rückweg kamen wir noch an kleinen anderen Wasserfällen vorbei, wobei auch ein paar sehr witzige Bilder entstanden sind. An einer Stelle ist das Wasser durch eine Mini-Schlucht geflossen in die fast kein Sonnenlicht kommt, man also im Wasser nichts gesehen hat. Meine Mutter wollte unbedingt mit mir an das Ende der Mini-Schlucht, weil sie sich alleine nicht getraut hat. Aber ich muss zugeben, es war echt ein bisschen unheimlich bis wir wieder stehen konnten.

Zurück im Dorf sind wir dann noch einkaufen gegangen und packten langsam wieder unsere Sachen, weil es am nächstem Tag schon wieder nach Hause ging. Doch vor dem Rückweg lag noch eine Station vor uns: ein riesiges Höhlensystem, durch welches wir schnorcheln durften. Das Wasser war tropisch blau, und es gab Hunderte von Fischen, die um einen herumschwammen, und die Sonne hat alles gegeben. Nach der Höhlentour schwammen wir noch in einem See, der mit der Höhle verbunden war, und genossen die die restliche Zeit.

Wieder in Salvador hatte ich genau einen Tag um mich auszuruhen und dann ging es mit meinen zwei Brüdern und unserer Nena zu meiner Tante, meinem Onkel, meiner Oma und meinem Opa, für 2 Wochen nach Aracaju weil meine zwei Brüder ihre Weihnachtszeit dort immer verbringen... Ich wäre zwar lieber in Salvador geblieben und hätte mich mit Freunden getroffen, aber das ging nun mal nicht.

In Aracaju angekommen wurde mir dann 100-mal gesagt, was wir alles Tolles machen werden und wohin wir überall gehen, aber wenn ich hier eine Sache gelernt habe: Verlass dich nicht auf alle Ansagen. Die Zeit dort war sodann nicht sonderlich toll, weil es zu gefährlich war vor die Tür, bzw. Joggen zu gehen. Auch sind wir ansonsten nur einmal in die Shopping-Mall gegangen. Trotzdem muss ich sagen, dass dort alle extrem lieb sind! :D

An Weihnachten wurde morgens und mittags gar nichts gemacht, sodass ich dann noch mit meiner Familie in Deutschland geskyped habe, was auch mal wieder schön war :)

Im Laufe des Tages sind dann noch meine Eltern aus Salvador angereist. Abends ging es dann los... Erst gab es bei der Familie von meiner Mutter Essen und Bescherung, danach ging es rasch weiter zu der Familie von meinem Vater wo es wieder Essen und Bescherung gab. Mein Bauch war auf jeden Fall voll.

Am 26.12 sind wir dann mit der Familie meiner Mutter wieder in den Urlaub gefahren. Es ging zu einem Mietshaus irgendwo im nirgendwo, mit Pool, Sauna, und allem was man halt so braucht. Die Zeit dort war einfach nur super! Meine Tage bestanden aus Workouts, Pool, Saunagängen und in der Hängematte liegen und Musik hören. Auch wenn sie zwar kein Deutsch verstehen nochmal ein dickes Dankeschön an meine Eltern für die zwei Reisen!

Noch ein paar Worte zur Weihnachtszeit... Ich habe schon Mitte November mit meinen Eltern geredet, was Heimweh zur Weihnachtszeit betrifft und dass sie mir nicht böse sein sollen, wenn ich mal Heimweh habe. Manche Austauschschüler trifft es gar nicht, manche schon; mich hat es auf jeden Fall getroffen. Trotz dem vielen Reisen gab es bisher immer wieder Momente, wo ich mich alleine und in echt schlechter Stimmung fühlte, weil riesiges Heimweh mich überkam. Dann gibt es wieder Momente, wo ich mir nur denke, wie schnell die Monate vorbeigegangen sind, und ich noch länger hierbleiben könnte. Nur die Weihnachtszeit hat mich persönlich extrem hart getroffen, weil es für mich der einzige Tag im Jahr war, wo man die Familie zusammen hat, Plätzchen von Oma isst (Omas machen halt einfach die besten Plätzchen) und einfach die Zeit genießt. Mir hat das sehr gefehlt und ich habe es auch gemerkt. Naja aber die Weihnachtszeit ist vorbei und weiter geht’s !

Frohes neues Jahr aus Brasilien!  Steffen