31.8.2017

Bericht #1 – Das Abenteuer beginnt

Abschied von der Heimat

Die letzten 4 Wochen vor der Abreise oder wie ich sie nenne: „Die Planke zwischen Freude und Trauer“. Denn der Abschied ist im ersten Moment gar nicht so schwer, weil man das „große Ziel“ vor Augen hat und man weiß, dass man in diesem Jahr vieles erleben wird, was man hier in Deutschland nicht erleben kann. Ich war mir sogar mehr als nur sicher, dass ich einer der Letzten sein werde, die Heimweh bekämen. Doch eh ich mich versah, vermisste ich meine Freunde, Familie, Schule und all die Dinge, die mir hier in Deutschland so viel Spaß gemacht haben, noch BEVOR ich in den USA war!

Ich hatte Angst, dass sich alles verändern wird, wenn ich zurückkomme und dass nichts so sein würde, wie es war. Aber alles verändert sich mit der Zeit und so auch man selbst. „Und dieses Auslandsjahr wird mir Erfahrungen geben, die ich nirgendwo sonst machen kann“, dachte ich. Und mit dieser Einstellung habe ich Deutschland hinter mir gelassen und mein Abenteuer begonnen.

Der erste Eindruck

Die „Amis“ sind verrückt! Na ja, das hatte ich mir zuerst gedacht, als ich mich am Flughafen umgesehen hatte. Ich meine, nicht mal wegen der ganzen Sicherheitsvorkehrungen, sondern schon die ganzen Leute die einen offen und freundlich empfangen. Die meisten wirken so energiegeladen und voller Freude, dass man denkt, dass das wahrscheinlich von den ganzen zuckersüßen Getränken kommt, die es hier gibt (es gibt wirklich WIRKLICH viele). Aber eigentlich ist das gar nicht mal so schlecht. Natürlich, es ist anders als die meisten von uns es kennen, aber ist das „verrückt“?

Aber im Großen und Ganzen war ich ziemlich überrascht, dass sich USA von Deutschland optisch fast gar nicht unterscheidet. Ich meine, klar, gibt es viele kleine Unterschiede (die Straßenschilder sehen anders aus, die Ampeln, Häuser etc.), aber es sah für mich zunächst nicht aus wie „ein anderes Land“. (Oder ich hab mir „ein anderes Land“ einfach anders vorgestellt?) Es fühlte sich eher so an, als wäre ich im anderen Eck von Deutschland.

Aber was mir vor allem klar wurde: Ich werde für die nächsten 11 Monate alles auf Englisch machen. Und das war der größte Schock für mich. Ein paar von euch werden sich jetzt denken: „Hä? Der Junge hat sich für ein Jahr in den USA entschieden und ist überrascht, dass alles auf Englisch ist?!“ JA, das habe ich und ich war wirklich geschockt. Denn es war für mich und ist viele von Euch einfach normal sich auf Deutsch zu unterhalten. Aber das hat jetzt ein Ende. Punkt.

Ab jetzt spricht man 24/7 in einer Fremdsprache, und wenn man ein Wort nicht weiß und nicht in der Lage ist dieses Wort zu umschreiben, dann endet die Konversation in einer peinlichen Stille und man kann nichts dagegen machen, weil Nachschlagen ganz einfach zu lange dauert. So war vor allem die ersten Tage hier unglaublich anstrengend alles im Kopf zu übersetzen. Das Gehirn fängt an halbe Sätze zu bilden, man sagt aus Reflex etwas auf Deutsch oder man weiß nicht, was die Person mit der man spricht gerade von sich gegeben hat, obwohl man ihr die ganze Zeit Aufmerksamkeit geschenkt hat. Kurz: Das Hirn ist nicht in der Lage so viel Information zu verarbeiten. Meins jedenfalls nicht – das ist, glaube ich, auch der Grund gewesen, warum ich in den ersten Tagen so müde war.

Aber ich bin hier schon seit knapp 3 Wochen und es hat sich mittlerweile alles eingependelt, auch wenn ich die eine oder andere „peinliche Stille“ (noch) nicht vermeiden kann.