17.11.2016

Bericht #3 - Schnipp schnapp, Haare ab!

Kurz nachdem mein letzter Blog veröffentlicht wurde, ging es in das erste AFS-Camp, also das Post Arrival Camp. Es war echt gut für die Seele mal wieder  ein paar Austauschschüler zu treffen, die sich genauso fühlen wie man sich selbst. Das Camp war in Lauro de Freitas in einem Hotel am Meer. Das Wochenende bestand eigentlich aus essen, reden und 3 Stunden wie das bei einem AFS Camp halt so läuft :D Top war, dass wir das Meer vor unserer Nase hatten und es daher auch benutzen konnten. Außerdem hatte das Hotel noch einen Pool mit Meerblick was auch Extrapunkte gab.

Am Freitag darauf bekam ich dann starke Bauchschmerzen. Da meine Medizin bzw. mein Tee nichts brachte, sind wir dann am Samstag ins Krankenhaus gefahren. Meine Eltern sagten, es sei das beste Krankenhaus in Salvador, was ich nur bestätigen kann. Ich kam fast schneller dran als in einem deutschen Krankenhaus und wurde super versorgt. Nach ein paar Untersuchungen und ordentlich Schmerzmitteln durfte ich schon nachts glücklicherweise wieder nach Hause. Aber halt, irgendwas fehlte noch...die Rechnung!

Insgesamt bezahlte ich für 5 Stunden Aufenthalt im Krankenhaus ca. 3800 Reals. Das sind um die 1000 Euro! Zum Glück bin ich durch AFS als Austauschschüler bestens versichert und bekomme diese Kosten erstattet – ein Privileg, das die meisten Brasilianer leider nicht genießen können. Als ich mit meiner Gastmutter auf unser „Uber“ Taxi wartete, erzählte sie mir, dass meine Oma vor ein paar Jahren eine OP für ungefähr 300.000 Reals (also gut 80.000 Euro) benötigte und sie dafür eine Wohnung verkaufen mussten. Das haute mich von den Socken…

Unter der Woche ging es dann noch Inline-Skaten mit der ganzen Familie, was echt Spaß gemacht und Erinnerungen an die Kindheit gebracht hat :D Dafür wurden ganze Straßen abgesperrt und es waren sehr viele Menschen unterwegs. Manche mit Longboards und Skateboards, andere mit Inline Skatern oder Hoverboards und manche sind einfach nur gelaufen. Leider konnten wir aber nicht so lange bleiben, da mein Gastbruder lieber Playstation spielen wollte und deshalb rumquengelte. Zahlreiche Versuche ihn zu animieren Inline-Skaten zu lernen, sind fehlgeschlagen...dafür hatte mein kleinerer Bruder umso mehr Spaß :)

Nach dem Wochenende ging es fast wieder mit dem normalen Alltag weiter bis auf eine Sache: Mehrere Freunde aus der höheren Klassenstufe hatten ihre Tests für die Universität bestanden und mich gefragt, ob ich auch mitmachen will. Es gibt nämlich die Tradition, dass wenn man die Tests bestanden hat, sich die Männer den Kopf rasieren und die Frauen die Augenbrauen. Ein paar von euch werden sich denken, dass ich bei so einem Vorschlag nicht nein sagen könnte. Und habe ich auch nicht.

Ich wollte mir die Haare schon immer mal rasieren, aber daheim in Deutschland gab es gewisse Umstände, die das bisher verhinderten, hehe. Also Rasierer her und los ging‘s :D Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich! Luftig und frei! Die Mädchen haben zwar erst gesagt, sie vermissen meine Haare, weil es immer so schön war diese „durchzuwuscheln“, aber sie haben nicht damit aufgehört, sondern „wuscheln“ jetzt noch mehr :D Und dieses Gefühl sich durch die Haare (bzw Haarstoppeln) zu fahren ist einfach unbeschreiblich . Viele fragen sich jetzt vielleicht, wie es ist ohne Haare rumzulaufen da es ja schon etwas extrem ist. Am Anfang bin ich eher schwer damit klargekommen, weil ich meine Haare geliebt habe. Aber sehr negative Kommentare aus Deutschland haben mich zu der Haltung gebracht zu sagen: Jo, Leute, ich fühl mich super! Das sind meine Haare und außerdem haben Haare die Fähigkeit zu wachsen. Natürlich darf man nicht vergessen dass es extrem viele Freunde einfach gefeiert haben x) Mal sehen was ich noch so mit meinen Haaren anstelle.

Mein erstes Fußballspiel: Nunja, meine Gasteltern hatten mit Cedrics Gasteltern ausgemacht, dass ich das Wochenende bei Cedric verbringe, was mich sehr erfreut hat. Am Samstagmittag ging es dann zu dritt mit dem Bruder von Cedric auf ein Fußballspiel, abends auf eine Halloween-Party von unserem Komitee.

Da die zwei, also Cedric und sein Bruder, Fans von Bahia waren, war ich das natürlich auch. Da es ein Heimspiel war, war das ganze Stadion voll mit Fans von Bahia und man spürte sofort die Atmosphäre, die bei Fußballspielen herrscht. In der Halbzeit lag Bahia 0:1 hinten, aber am Ende gewannen sie doch mit 3:1. Fazit: Trotz den unheimlichen Kopfschmerzen, dem Bier, das mir beim Torjubel in den Rücken geschüttet wurde und dem unsportlichem Verhalten gegenüber den Gegnern und Schiedsrichtern (Buh-Rufe, geworfene Becher etc) und dem Fakt, dass ich Fußball nicht wirklich mag, würde ich noch einmal gehen. Denn irgendwie hat es dann doch Spaß gemacht!

Wieder Zuhause haben wir dann noch was gegessen und geduscht und dann ging es weiter auf die Halloween Party, die von unserem AFS Komitee organisiert wurde. Diese endete aber eher in Gesprächsgruppen, die sich über ihre Erfahrungen Austauschen und alles was Austauschschülern so auf dem Herzen liegt und nur andere Austauschschüler verstehen. Ein bisschen getanzt und gefeiert wurde auch noch :) Ein anderer Austauschschüler aus Thailand übernachtete auch noch bei Cedric und da er früher einschlief (auf meiner Matratze) hatte ich eine Nacht die aus Schlafplätzen wie dem Sofa, dem Bett von Cedrics Gastbruder als dieser noch Feiern war und dem Boden bestand. Auch mal eine interessante Erfahrung :D

Grüße aus Brasilien!

Steffen