17.9.2017

Bericht #1 - Beginn meines neuen Lebens

Ich bin jetzt schon seit knapp vier Wochen hier und es ist seit dem wirklich unglaublich viel passiert. Alles begann damit Deutschland zu verlassen. Und das war wirklich viel schwerer als ich gedacht hätte. Das Abschiednehmen hat bereits mehrere Tage vor meinem Abflug begonnen und wollte einfach kein Ende nehmen. Drei Tage bevor meine eigene Reise begann, musste ich mich von meiner Familie verabschieden. Am letzten Tag in meiner Heimat hat meine beste Freundin eine kleine Überraschungs-Abschieds-Party für mich organisiert.

Um vier Uhr morgens am nächsten Tag ging es endlich los. Nach all den Wochen der Vorbereitung und Vorfreude konnte ich das kaum fassen. Insgesamt war ich knapp 15 Stunden unterwegs und das obwohl Finnland gar nicht so weit weg ist. Ich bin mit dem Zug gereist und mit dem Flugzeug und dann wieder mit dem Zug. Eine sehr abenteuerliche und anstrengende Reise, das kann ich euch sagen. Aber auch eine Reise, auf der ich viele neue Freunde gefunden habe. Und dann nach einer gefühlten Ewigkeit, bin ich endlich angekommen.

Die ersten Tage hier waren noch ein wenig seltsam. Obwohl meine Gastfamilie wirklich unglaublich nett ist und ich mich gleich wohl bei ihr gefühlt habe. Ich glaube nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon wirklich begriffen hatte, dass mein großes Abenteuer wirklich begonnen hatte. Drei Tage nach meiner Ankunft in Finnland hatte ich meinen ersten Schultag. Ein sehr anstrengender, aber auch ein sehr schöner Tag. An der Schule hier gibt es nur knapp zweihundert Schüler, und wirklich jeder von ihnen wusste wer ich war und hat sich mir vorgestellt. Das mit den schüchternen Finnen mag stimmen, aber ganz bestimmt nicht an dieser Schule.

Ich bin hier in Kaustinen auf der Musiikkilukio – also auf einer „music-high-school“ deswegen sind die Schüler hier auch von überall aus Finnland und die meisten wohnen im Internat. In der ganzen Schule ist das Musik-Motto zu hundert Prozent vertreten. Zu meinem Stundenplan gehört neben normalen Fächern wie Mathe und Englisch auch Klavierunterricht, Gitarrenunterricht und der Chor. Jeden Morgen vor der Schule treffen sich alle Schüler in der Aula und einer von ihnen spielt ein Stück aus dem Musikunterricht vor, das er gerade neu gelernt hat. Wenn man hier ein Instrument sieht, sei es ein Klavier, eine Gitarre, eine Harfe oder ein Harmonium, kann man es sich einfach schnappen und darauf spielen. Und auch nach dem Unterricht kann man bis zehn Uhr abends einfach vorbeikommen und üben. Man kann sich sogar einen Schlüssel für die Schule übers Wochenende ausleihen. Das wäre bei uns in Deutschland niemals möglich. Auch sonst ist der Unterricht hier ganz anders, die Lehrer machen einem hier sehr deutlich, dass man für sich selbst lernt und es ist alles viel selbstständiger gestaltet.

An meinem ersten Wochenende hier sind wir ans Meer gefahren. Meine Familie hat dort eine Hütte direkt am Strand, es ist wirklich wunderschön dort. Es war so eine Art Feiertag an dem man das Ende des Sommers und der „Hüttenzeit“ feiert. Hier hat nämlich so ziemlich jeder eine Sommerhütte. Am Abend wurden überall Kerzen angezündet und es gab auch Feuerwerke überall am Strand.

Nächstes Mal werde ich von den Unterschieden zwischen Finnland und Deutschland berichten und von meinem 18. Geburtstag, den ich in Finnland verbracht habe. Ich kann euch schon mal sagen, dass es ein ganz toller Tag war, aber auch ein ganz anderer Geburtstag als jeder davor. Bis bald!

Eure Jule