18.9.2017

Bericht #1 - Feststellung des Tages: 14 Stunden sind länger als gedacht

Ich war nicht mehr richtig in Deutschland, aber auch noch nicht in Argentinien, in diesem Gefühls-Zwiespalt erlebte ich in meine letzten Wochen in Deutschland vor der Abreise.... ,,Tschüss, wir sehen uns in 11 Monaten wieder, lass mal was von dir hören “, war der Satz den ich überall zu hören bekam.  

Dann kam der Tag, dem jeder Austauschschüler entgegenfiebert. Mein Koffer war gepackt, mein Bruder spielte den Chauffeur und brachte mich nach Frankfurt zum Flughafen. Endlich sah ich meine Freunde wieder; insgesamt waren wir 30 deutsche Austauschschüler, die sich auf ihr Jahr in Argentinien freuten.

Doch was wir alle unterschätzt hatten, war der Fakt, dass wir auf dem längsten Langstreckenflug saßen, den es non-stop von Frankfurt aus gibt. Als wir um 6.50 Uhr in Buenos Aires landeten, haben wir nach dem langen Sitzen alle freiwillig Treppen benutzt, die uns bis zum Ausgang leiteten.

In der Ankunftshalle wurden wir dann von freiwilligen AFS‘ler in Empfang genommen und in einen Raum ohne Fenster gebracht, wo man uns erklärte, wie wir weiter reisen würden. Jeder Austauschschüler der insgesamt 250 angereisten bekam ein Bändchen mit einer Uhrzeit darauf. Ich hatte mal wieder viel „Glück“ und durfte als letztes weiter reisen in die Hauptstadt meiner Provinz Cordoba. 12 Stunden später und todmüde ging es für mich dann weiter mit nochmal 7 Stunden per Nachtbus nach Cordoba.

Die Busse in Argentinien ähneln der First Class in einen Flugzeug. Um 180° verstellbare Sitze, TV, Bedienung am Platz , Essen, Wlan und vieles mehr. In Argentinien wird nicht, wie bei uns in Deutschland, mit der Bahn gereist, sondern mit dem Bus. Als ich dann endlich meine Gastfamilie in die Arme schließen konnte, war ich froh, diese lange Anreise hinter mir zu haben.

Meine Gastschwester zeigte mir dann gleich mit großer Freude die Markthallen, in denen wir vieles für das Wochenende eingekauft haben. Da ich ungefähr 3 Stunden mit dem Auto von Cordoba-Stadt entfernt wohne und es hier kaum Supermärkte mit viel Auswahl gibt, fahren wir regelmäßig nach Cordoba um einzukaufen.

Endlich angekommen!

Als ich dann nach also insgesamt 45 Stunden Anreise endlich zum ersten Mal mein argentinisches Zuhause gesehen habe, war ich mehr als froh. Mein Spanisch war fast nicht bis kaum vorhanden, also konnte ich fast nichts reden. Mir wurden dann schnell meine Cousins vorgestellt, die hier ein- und ausgehen, was hier vollkommen normal ist. Die Türen sind nie abgeschlossen. Willst du jemanden besuchen, einfach ins Haus rein laufen.

Ich teile mein Zimmer mit meiner Gastschwester Florencia (17). Mit meinem Gastbruder Franco (15) gehe ich direkt an meinem Wohnort El Tío in die Schule. Zur Familie gehören natürlich noch meine Gastmutter Rosana, ihr Lebensgefährte Marcelo und ein kleiner Haustierzoo mit Hunden, Katzen und Hasen. Für örtliche Verhältnisse habe ich es gut getroffen und bin komfortabel untergebracht. 

Die wichtigen Dinge des Lebens: Essen…!

Gleich am folgenden Tag erwartete mich typisch argentinisches Essen: Asado (Gegrilltes Fleisch) und Helado con dulce de leche (Eis mit einer Creme auf Basis von Milch und Zucker – in diesem Falle eine typische Karamellcreme). Jetzt machte ich auch direkt Bekanntschaft mit dem Nationalgetränk: mein allererster Mate (übersetzt: Kumpel). Das ist eine Art Tee, den man gemeinsam mit Freunden und Familien aus einem Becher mit Strohhalm trinkt. Es ist in Argentinien ganz normal, dass jeder eine Thermoskanne mit heißem Wasser unterwegs dabei hat, um immer wieder frisch aufzugießen. Ich muss gestehen, ich bin schon nach kurzer Zeit ein bisschen abhängig davon, da darin sehr viel Koffein enthalten ist und ich normalen Kaffee einfach nicht mag. 

Wie ihr seht, liebe Metropolregion Rhein-Neckar, habe ich nach nicht mal einer Woche schon so viel zu erzählen. Es ist erstaunlich wie viel man hier erlebt. Ich könnte noch so viel mehr schreiben.

Aber was ich alles in meiner ersten Schulwoche erlebt habe und was das Spiel UNO damit zu tun hat, erfahrt ihr in meinem nächsten Blogbeitrag.

Bis dahin schicke ich von der anderen Seite der Welt liebe Grüße,

Eure Maike