6.10.2017

Bericht #2 – Einleben

Also ich bin Nam Nguyen, bin 17 Jahre alt und es ist mittlerweile fast 2 Monate her seitdem ich mein neues Leben hier in Phoenixville/Valley Forge (ja, ich lebe irgendwie zwischendrin) angefangen hab.

Der Ort, an dem ich mein Auslandsschuljahr verbringe, liegt im Südwesten Pennsylvanias, ca. 35 Kilometer von Philadelphia entfernt und hat meiner Meinung nach wunderschöne, idyllische Landschaften.

Valley Forge ist ganz nebenbei ein wichtiger Ort in der amerikanischen Geschichte: George Washington machte hier als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee Station mit seinen Männern im Winter 1777/78 während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges.

Meine beiden Gasteltern und mein Gastbruder David haben mich wunderbar aufgenommen und ich konnte mich gut hier einleben.

Schule

Ich besuche hier die Conestoga High, die drittbeste Highschool in ganz Pennsylvania und unter den Top 20 in den USA. Sie ist bekannt für ihre große Vielfalt an Kursen und Clubs und ihren technischen Fortschritt.

Am 28.08.17 war mein erster Schultag (und zufälligerweise auch mein Geburtstag). Die Schule hier in den USA ähnelt unserer Oberstufe in Deutschland in dem Sinne, dass hier in Kursen unterrichtet wird. Wir haben 8 Schulstunden à 43 Minuten – mit 4 minütiger Pause, um von einem Raum zum nächsten zu wechseln.

Die Schule ist riesig, sie hat sage und schreibe rund 2000 Schülerinnen und Schülern. Zum Vergleich: Meine Heimatschule, das Alfred-Grosser-Gymnasium in Bad Bergzabern hat 500 Schüler – allerdings von Klassenstufe 7 bis 13, während Conestoga nur die Klassen 9 bis 12 umfasst. Kurz: Es war ein GEWALTIGER Unterschied für mich.

Die ersten Tage hatte man mir sogenannte „Frogs“ (= „Frösche“) zugewiesen, also Mitschüler, die mich von einem Raum zum nächsten bringen und mich generell mit der Schule vertraut machen sollten. Da meine „Frogs“ jedoch etwas vergesslich waren, durfte ich selbst herausfinden wo der nächste Raum ist. Aber auf diese Weise habe ich den Dreh wahrscheinlich schneller rausbekommen als alle anderen Austauschschüler.

Ein weiterer gewaltiger Unterschied zwischen den beiden Schulsystemen ist meiner Meinung nach das Spektrum an Kursen. Während der deutsche Lehrplan meist nur „Standardfächer“ umfasst, bietet die Schule hier eine weitaus größere Auswahl an Fächern, wie z.B. „Musik-Produktion“, „Kinder-Entwicklung“, „Psychologie“, „3D Design“ usw. Die uns Deutschen bekannten Fächer sind hier nochmal in einzelne Themengebiete unterteilt, die dann in separaten Kursen unterrichtet werden. Anstatt Mathe wird hier Geometrie, Algebra und Calculus unterrichtet. Anstatt Englisch (d.h. unserem Deutschunterricht entsprechend) wird hier in „Sprache & Verständnis“, „Weltliteratur“ und „US-Literatur“ differenziert.

Vorteil des Ganzen: mehr Auswahl. Nachteil: Qual der Wahl. Das Gleiche gilt für die Technik: Laptops, Whiteboards etc. – alles läuft über das Webportal der Schule und interaktive Online-Lernprogramme machen den Schulstoff interessanter. Aber für jemanden, der nur Hefte und Tafeln kennt, vielleicht zunächst ein kleines bisschen zu viel des Guten.

Baseball

Vielleicht eine der gefährlichsten Sportarten der Welt – für den Zuschauer! Jeder Zuschauer, der auf der Tribüne sitzt, riskiert es, von einem Baseball getroffen zu werden. Noch unglaublicher: Jeder wartet nur sehnsüchtig darauf! Fast alle kommen mit einem Baseballhandschuh. Manche finden mehr Reiz daran, einen Ball zu fangen als am eigentlichen Spiel. Andere wiederum kommen wegen des Essens. Und wiederum andere wegen der guten Laune.

Neben dem eigentlichen Baseballspiel gibt es mehr oder weniger eine ganze Show inklusive. Während sich die Spieler aufwärmen, bekommen ein paar Kinder die Chance auf dem Feld den Platz eines Spielers einzunehmen, was einfach nur unglaublich putzig ist. Das Maskottchen des Heimteams sorgt für gute Stimmung und verschiedene Gruppen bieten musikalische Beiträge. Immer dabei sein muss die amerikanische Nationalhymne, zu der JEDER aufsteht und jede eventuelle Kopfbedeckung entfernt. Generell muss ich sagen, dass der Patriotismus in diesem Land sehr SEHR stark ist.

Während des Spiels, oder besser gesagt, während der Pausen wird die Stimmung nochmal gehoben. Viele stürmen zu den Essensständen, der Rest amüsiert sich mit den verschiedenen Kategorien der Zuschauerkameras. Es gibt eine „Kids Cam“, wo Kleinkinder gezeigt werden, eine relativ neue „Selfie Filter Cam“, in der verschiedene Zuschauer mithilfe von Gesichtserkennungsprogrammen das Gesicht des Maskottchens angenommen werden und natürlich die bekannte „Kiss Cam“, bei der das Bild auf ein (manchmal nur vermeintliches) Liebespaar fällt.

Na ja, das war´s für diesen Monat. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft weiterhin so tolle Dinge erleben werde, von denen ich euch berichten kann. Bis dahin, viel Spaß mit den anderen Berichten aus den anderen Winkeln dieser Welt auf botschafter-rhein-neckar.de.

Euer Nam