3.11.2017

Bericht #3 - Tanzen, Ausflüge und AFS-Camp

Mein letzter Bericht, indem ich euch einen kurzen Überblick gab, was ich hier so treibe, ist doch schon wieder ein Weilchen her. In den letzten zwei Monaten war ganz schön viel los. Besonders ereignisreich waren die Tage vor dem Nationalfeiertag. Auch andere schöne Erlebnisse wie den Tanzauftritt unserer Schule, von dem ich in meinem ersten Bericht schon etwas erzählte, die Ausflüge mit meinen Gasteltern oder das AFS-Camp haben die Zeit geprägt. Manches liegt schon ein bisschen zurück, ich möchte euch jedoch trotzdem noch einen kleinen Einblick darüber geben.

Wie ich in meinem ersten Bericht schon schrieb, hatte ich einen Tanzauftritt mit meiner Klasse. Nachdem vier Tage vor dem Auftritt immer noch das größte Chaos herrschte, brach dann plötzlich Stress aus und das Bewusstsein kam auf, dass nicht mehr viel Zeit bleibt. Dank etlichen Extrastunden hat es schlussendlich trotzdem ganz gut geklappt. Vor etwa 1000 Zuschauern und dem regionalen Fernsehen führten wir unseren Tanz auf. Wir waren nicht die Einzigen, viele Klassen unserer Schule präsentierten typische chilenische Tänze vom Norden bis zum Süden Chiles. Alle mit traditioneller Kleidung, die – ich kann nur für unsere Klasse sprechen –, für jeden einzelnen Schüler maßgeschneidert wurde.

Diese und etliche weitere Veranstaltungen geschahen im September mit Ausblick auf den Nationalfeiertag. Den ganzen September lang wurde für die „Fiestas Patrias“ vorbereitet. Tag für Tag hissten immer mehr Leute die Flagge vor ihren Häusern, Supermärkte, öffentliche Gebäude oder auch die Privathäuser wurden dekoriert. Auch in unserer Schule lief alles auf Hochtouren. Es gab einen Wettbewerb, wofür zehn Schulstunden und etliche Pausen verwendet wurden, um den Klassensaal zu schmücken, sodass alles wirklich toll aussah.

Der Freitag vor dem eigentlichen Feiertag, dem 18. September, wurde dann gefeiert. Sehr überrascht, ja eigentlich eher etwas schockiert war ich, als ich an diesem Morgen in die Klasse kam und von der tollen Dekoration kein Hauch mehr zu sehen war. Wie ich später dann herausfand, war es wirklich nur für diesen Wettbewerb und da die Jury bereits den Tag davor bewertete, konnte gleich alles wieder abgerissen werden. Für mich etwas unverständlich; aber naja, ich habe nicht den Anspruch hier alles zu verstehen ;-)

An dem Freitagmorgen, am letzten Schultag vor den Ferien erschienen alle in traditioneller Kleidung; wir aßen zusammen Empanadas und zum Abschluss gab es einen Cueca-Wettkampf (der Nationaltanz Chiles), den unsere Klasse erfreulicherweise gewann. Trotzdem reichte unsere Gesamtpunktzahl für Schulsaaldeko, Kostümprämierung und Nationaltanz nicht für einen Gesamtsieg unserer Klasse. Alles in allem war es ein tolles Erlebnis und wirklich beeindruckend, wie sehr hier dieser Unabhängigkeitstag gefeiert wird und das wirklich an allen Ecken und Enden. So etwas könnte ich mir in Deutschland gar nicht vorstellen.

Das Nationalfeiertagsfieber dauerte noch etwas an. Ich reiste an dem darauffolgenden Wochenende mit meinen Gasteltern in das Nachbarstädtchen Puerto Natales, gerademal 250 Kilometer von Punta Arenas entfernt, für chilenische Verhältnisse ein Katzensprung! Auch dort, Märkte mit typischen Spielen, chilenischem Essen … alles rund um den Nationalfeiertag.

Am nächsten Tag starteten wir dann zum achtschönsten Platz der Welt, dem Nationalpark Torres del Paine. Trotz nicht allzu tollem Wetter, war es wirklich beeindruckend! Türkisfarbene Seen, Wasserfälle, Gletscher, unzählige freilebende Lamas … einfach ein Muss auf einer Patagonienreise.

Über die Feierlichkeiten anlässlich des Nationalfeiertags könnte ich noch einiges berichten, denn bis jetzt war der eigentliche Tag ja noch gar nicht gekommen. Doch so viel, so gut! Für mich war die Art des Feierns zwar sehr beeindruckend, aber ehrlich gesagt, war ich auch ganz froh, als wieder das „normale“ Leben weiterging. In der Ferienwoche hatten auch meine Gasteltern Urlaub und wir starteten nach den Feiertagen zu einem zweitägigen Trip in den südlichsten Zipfel von Chile, unterhalb von Punta Arenas. Schön war, dass ich Teresa, eine deutsche Austauschschülerin, mitnehmen durfte. Zwei wirklich tolle Tage und – sehr erfreulich, auch die Temperaturen waren ausnahmsweise mal nicht so mega frostig.

Eine Überraschungsparty meiner Klasse zu meinem 16. Geburtstag, die Geburtstagsfeier in meinem neuen Zuhause mit netten Überraschungen, ein Verkleidungswettbewerb und der Geburtstag meiner Schule, sowie viele weitere tolle Erlebnisse folgten.

Was ich unbedingt erwähnen muss, ist das zweite AFS-Camp Ende Oktober, ein wirkliches Highlight für mich. Aus unserem Komitee flogen wir zu fünft, zwei Italiener, eine Thailänderin, sowie Teresa und ich von Punta Arenas nach Santiago de Chile. Der erste große Moment nach der Ankunft: Sonne, Palmen und vor allem die Wärme. Dieses Feeling war nach drei Monaten in Punta Arenas etwas ganz Besonderes für uns.

Aber auch der Nächste ließ nicht lange auf sich warten: Das lang ersehnte Treffen und Wiedersehen der anderen Austauschschülern! Als ich das Camp betrat, lief mir Amelie, eine für mich mittlerweile sehr gute Freundin, die im Norden, am anderen Ende von Chile lebt, schreiend entgegen. Das ging nicht nur mir so, jeder freute sich natürlich riesig auf das Wiedersehen, vor allem auf die Schüler seines eigenen Landes, die man teilweise von den Treffen zuhause schon kannte und ja auch nicht allzu wenig Flugstunden und Zeit am Flughafen zusammen teilte.

Insgesamt waren wir 50 Jugendliche aus aller Welt. Vier wunderschöne und erlebnisreiche Tage durften wir miteinander teilen, uns über die vielen neuen Eindrücke austauschen, besser kennenlernen und neue Freundschaften schließen. Multikulti, einfach super toll!! In kleinen Gruppen erkundeten wir ein klein wenig Santiago, auch darüber freuten wir uns sehr.

Diese Zeit war auf jeden Fall sehr, sehr prägend und der Abschied fiel uns wirklich schwer. Ich glaube daran werden wir uns alle noch lange erinnern und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste, und damit leider auch schon letzte Camp im Mai nächsten Jahres.

Für mich geht es morgen früh um halb 3 schon wieder zum Flughafen. Wohin und weshalb, erfährt ihr in meinem nächsten Blog. Bis dann!

Eure Luise