7.11.2017

Bericht #3 - Die Zeit rennt und die Routine beginnt

Liebe Metropolregion Rhein-Neckar,

Ich melde mich wieder aus dem schönen Panama. Nun bin ich schon zwei Monate hier. Ich kann es wirklich kaum glauben, denn mir kommt es so vor, als wäre ich letzte Woche noch in Deutschland gewesen. Trotzdem habe ich hier schon so viel erlebt und gelernt, dass das eigentlich nicht in zwei Monate passen würde. Jeden Tag lerne ich mehr dazu, egal worum es sich handelt: ein paar neue spanische Wörter, ein typisch panamesisches Rezept kochen oder eine neue Busverbindung merken müssen…

Ich habe das Gefühl noch nie so viele neue und, für mich, besondere Dinge auf einmal gesehen zu haben. Tag für Tag und Woche für Woche. Ich glaube, man kann sich vorstellen, dass das manchmal echt anstrengend sein kann und man froh ist, wenn man abends ins Bett fallen darf. Trotzdem bin ich dankbar für jedes einzelne spanische Wort und jeden Bus, den ich dann besser kenne.

Ich denke, ich kann sagen, dass ich mich jetzt so langsam hier eingefunden habe. Nicht alles ist mehr neu für mich und ich kenne mich immer besser in meiner Umgebung aus. Auch in der Schule geht es mir sehr gut. Hier habe ich auch meine Gruppe von Freunden gefunden, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber tatsächlich finde ich es ein bisschen schade, dass die Schule so oft ausfällt. Ich gehe nun seit sechs Wochen zur Schule und mehr als die Hälfte des Unterrichts fiel aus.

Natürlich klingt das erst einmal super, aber ohne tatsächlich IN die Schule zu gehen, ist es sehr schwer, den Anschluss im Unterricht zu finden, zu halten, und auch meine neuen Freunde besser kennenzulernen. Natürlich freue ich mich an den unterrichtsfreien Tagen darüber, dass ich mal nicht so früh aufstehen muss und irgendetwas anderes machen kann. Allerdings ist es hier leider so, dass man mit seinen Freunden eigentlich nur in der Schule zusammen ist. Nachmittags oder an freien Tagen unternimmt man eher was mit der Familie. Für mich ist das ein bisschen schwer, da meine Gastmutter jeden Tag sehr lange arbeitet und meine Schwester im Moment sehr viel in der Schule zu tun hat. Das heißt an den freien Tagen habe ich manchmal sehr viel Langeweile, deshalb wünsche ich mir dann, der Unterricht würde stattfinden.

Zum Glück geht Maren, wie berichtet ebenfalls Austauschschülerin aus Deutschland, ebenfalls auf meine Schule und auch ihr geht es nicht anders. Wir verbringen viel Zeit miteinander und haben sehr viel Spaß. Wir waren schon oft einfach zusammen in einer Mall und haben uns irgendwelche Sachen angeschaut oder sind zusammen im Fitnessstudio. Wir kannten uns vor Panama eigentlich nicht, aber jetzt wüsste ich nicht, wie ich ohne sie die Zeit „totschlagen“ würde. Es ist einfach gut jemanden zu haben, der dich genau versteht und dem es genauso geht wie dir. Ich schätze es sehr sie zu haben, das macht manche Sachen sehr viel einfacher. Nicht zuletzt, weil Maren schon besser Spanisch spricht als ich.

Trotzdem kann ich sagen, dass ich wirklich beeindruckt bin wie schnell man eine Sprache lernen kann. Ich kam hierher fast ohne Spanischkenntnisse. Was sich anfangs wirklich sehr schwer gestaltete. Man will den Leuten erzählen, wie es in Deutschland ist und was man so macht, aber es geht einfach nicht wie in der Muttersprache wegen den fehlenden Wörtern oder der Grammatik. Teilweise hat mich das auch ein bisschen frustriert und traurig gemacht. Jetzt nach zwei Monaten hat sich das bereits sehr positiv entwickelt, ich kann sagen, dass ich wirklich sehr, sehr viel verstehe, zwar noch nicht alles, aber zumindest fast. Sprechen kann ich auch sehr viel mehr als anfangs, normale Unterhaltungen, auch über nicht so geläufige Themen, klappen im Vergleich sehr gut. Ich kann mich ausdrücken und meine Meinung sagen. Als uns Austauschschülern auf unseren Vorbereitungen gesagt wurde, wie gut wir die Sprache nach ein oder zwei Monaten beherrschen, konnte ich das nie wirklich glauben. Jetzt kann ich aber sagen: Es stimmt, und das finde ich echt beeindruckend!

Am 13. Oktober hatte ich meine erste Orientation mit den anderen AFS-Austauschschülern rund um Panama City. Morgens um 9.00 trafen wir uns in einem Hotel. Den Vormittag verbrachten wir am Pool, gingen gemeinsam schwimmen, nutzten die Zeit um uns auszutauschen und einfach mal wieder Deutsch bzw. Englisch zu reden. Nach einem sehr leckeren Mittagessen ging es mit dem eigentlichen Programm los. Wir sprachen über den ersten Monat, was wir schon alles erlebt und gelernt haben und wie es uns zu diesem Zeitpunkt ging. Natürlich war es wieder sehr schön zu hören, wie es den anderen geht und was sie schon alles erlebt haben.

Auch sonst mache ich sehr viel mit Maren und Justus. Wir waren zum Beispiel, zusammen mit meiner Klasse, auf der Isla Iguana. Die Insel liegt in Los Santos, mit dem Bus haben wir 5 Stunden gebraucht. Allerdings hat sich das mehr als gelohnt. Für mich war es das erste Mal auf so einer Insel, also quasi im Paradies gewesen zu sein. Es gibt dort weißen Sand, türkises Wasser und einen Palmenstrand. Den Namen hat die Insel von den vielen Leguanen, die am Strand und überall rumlaufen. Um auf die Insel zu kommen mussten wir erst 20 Minuten mit einem alten, kleinen Fischerboot fahren. Ich glaube, wenn ich nicht seekrank würde, hätte das echt Spaß gemacht. Den ganzen Tag verbrachten wir auf der Insel, um sie zu erkunden. Der Tag war sehr schön, trotzdem waren wir alle todmüde als wir nach Hause kamen.

Mit der Familie von Justus und mit meiner Familie waren wir dann eine Woche später am Strand. Das ist immer wieder sehr schön. Dieses Mal war es besonders schön, da wir bei tropischem, warmen Regen baden konnten. Es war ein sehr tolles Erlebnis. Sonst haben wir das Meer genossen und „UNO“ gespielt. Das Kartenspiel habe ich aus der Heimat mitgebracht und es war glaube ich die beste Idee. Es ist ein sehr guter Stimmungs-Auflockerer und macht immer Spaß. Wir haben mit unseren Gastgeschwistern nächtelang gespielt, manchmal sind wir dann erst morgens um sechs schlafen gegangen. Das ist echt immer lustig.

Das lange Kartenspielen führt aber auch dazu, dass man am nächsten Tag sehr müde ist. So war es auch als wir nach Colón gefahren sind, trotzdem war es natürlich sehr schön. In Colón wohnt mein Gast-Opa, er hat dort eine Farm mit vielen Pferden. Allerdings waren wir nicht bei ihm zu Hause, sondern in einem kleinen Örtchen und haben uns dort eine Parade angeschaut. Es hat sehr viel Spaß gemacht, den Musikern beim Spielen zuzusehen, da sie während neben Musik auch Kunststücke mit ihren Instrumenten machten. Der Ort liegt irgendwo in den Bergen und trotzdem direkt am Pazifik, man kann also von oben im Ort direkt übers Meer schauen.

Generell sieht dort alles noch ein bisschen aus wie im wilden Westen. Die Leute sind alle mit Pferden unterwegs und wie Cowboys gekleidet. Auch mein Opa sah aus wie ein Cowboy, er hatte einen Lederhut, Lederstiefel und ein Cowboyhemd an. Ich muss sagen, mir gefällt dieser Stil sehr. Auf dem Rückweg haben wir dann noch am Panamakanal gestoppt. An diesem Tag konnte ich dann auch nochmals sehen, wie unterschiedlich die Lebensweisen in einem Land sein können. Auf der einen Seite die sehr reichen Leute im Penthouse und auf der anderen Seite direkt daneben, die Leute, die ohne Strom leben und schauen müssen, wie sie sich über Wasser halten.

Am nächsten Tag ging es schon wieder früh aus dem Bett, da wir Maren abholten und dann nach Santiago fuhren. In Santiago wohnt die Familie der Gastmutter von Justus. Man braucht mit dem Auto rund 4 Stunden, trotzdem ist auch das nur eine Tagestour. Egal wo man hin kommt wird man immer sehr freundlich begrüßt, die Leute freuen sich darüber, dich in ihrem Haus empfangen zu dürfen und würden dir am liebsten alles anbieten können. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass die Familie von Justus mich immer einlädt und mich fragt, ob ich mitkommen will. Mit ihnen habe ich schon wirklich sehr viel gesehen und erlebt. Für meine Gastfamilie ist das sehr schwer, da meine Mutter sehr viel arbeitet und wir auch kein Auto haben.

Zum Abschluss will ich euch noch kurz vom Geburtstag meiner Gastschwester berichten. Am 30.10. wurde sie 18. Das war ein Montag, also hatte sie ganz normal Schule. Meine Klasse hatte aber zu dieser Zeit eine freie Woche, warum weiß ich selbst nicht, und ich hatte schulfrei. Das hat sehr gut gepasst, denn so konnte ich morgens dann alles schön vorbereiten. Maren hat bei mir geschlafen und wir konnten zusammen das Haus ein bisschen aufräumen und saubermachen, außerdem habe ich Muffins gebacken. Dann hieß es warten; eigentlich wollte meine Schwester um 3 aus der Schule zurück sein. Letztendlich war sie um 6 Uhr erst daheim, sie hat sich natürlich trotzdem über die Geschenke gefreut. Ich habe mir einen 18. Geburtstag eigentlich mit großer Party vorgestellt, allerdings ist das hier anscheinend anders. Abends kamen ein paar Freundinnen von ihr und ihre Oma und wir waren einfach nur zusammen gesessen. Am Anfang fand ich das ein bisschen schade, am Ende war es dann eigentlich sehr schön.

Da die letzte Zeit sehr ereignisreich war, ist das jetzt ein längerer Blog geworden. Ich hoffe er gefällt euch trotzdem!

Eure Miriam