20.11.2017

Bericht #3 - Winterliche Herbstferien

Hallo liebe Metropolregion Rhein Neckar!

Es ist mal wieder einmal Zeit für einen neuen Bericht, und wie versprochen werde ich von meinen Herbstferien hier in Finnland erzählen.

Ich bin über die Ferien zusammen mit meiner Gastfamilie nach Vuokatti gefahren. Das ist eine Stadt ungefähr 270 Kilometer östlich von dem Dorf Kaustinen, in dem ich wohne. Wir haben dort in einer Ferienhütte gelebt, die zu einem sehr großen Hotel in der Nähe gehört. In Vuokatti gibt es eine Langlaufski-Bahn. Ein Teil der Bahn ist in einem Tunnel, der gekühlt wird und in dem man das ganze Jahr über Skifahren kann. Der andere Teil ist unter freiem Himmel. Diese Strecke wurde erst ein paar Wochen vor den Ferien wieder geöffnet, da es jetzt für den Schnee kalt genug ist um nicht mehr zu schmelzen. Sie besteht aus Schnee vom letztem Jahr, der über den Sommer in einer Halle aufbewahrt wurde. Wenn ich ehrlich bin, ähneln meine Herbstferien hier in Finnland, zumindest vom Wetter her, eher unseren Weihnachtsferien in Deutschland.

Allerdings ist es für Finnen immer noch Herbst und um diese Jahreszeit sind nicht besonders viele Skifahrer hier unterwegs. Die meisten sind echte Profis, die mehrere Wochen in Vuokatti verbringen, da dies einer der wenigen Orte ist, an denen man schon Skifahren kann. Ich habe mich zum Beispiel mit einem Japaner unterhalten, der schon ein paar Mal an den Paralympics teilgenommen hat. Die meisten die dort trainieren, sind allerdings finnische Leistungssportler.

Und unter all diesen Sportlern war ich, die die in ihrem ganzen Leben noch nie Langlaufski gefahren ist. Ich glaube ehrlich gesagt, dass ich mich gar nicht so schlecht angestellt habe, aber von all den Profis umgeben, habe ich mich am Anfang ziemlich lächerlich gefühlt, allerdings stellte ich schnell fest, dass das mehr als unnötig war. Die Leute waren wirklich sehr nett und haben mir sogar den ein oder anderen echt guten Tipp gegeben.

Kurz nachdem wir nach Hause zurückgekehrt waren, ging auch schon wieder die Schule los und am Mittwoch nach den Ferien hatten wir auch das erste Mal richtigen Schnee. Als ich morgens aufwachte, war das ein kleiner Schock, aber nachdem ich mich von diesem erholt hatte, fand ich das ganze wirklich cool. Ich hatte nur wirklich nicht damit gerechnet, bereits im Oktober meinen ersten Schneemann zu bauen.

Ich stellte fest, dass der Schnee einen ganz großen Vorteil hat: Hier wird es jeden Tag dunkler und dunkler, mittlerweile haben wir über zwei Sonnenstunden weniger als in Deutschland und noch vor zwei Monaten war es genau anders herum. Der Schnee hellt die ganze Umgebung etwas auf und macht gute Laune. So ist es viel einfacher gegen die sogenannte Winterdepression anzukämpfen, unter der hier sehr viele Menschen leiden.

Es gibt ein paar Dinge, die helfen: Sport zum Beispiel, und manche haben so eine spezielle Lampe, die am Morgen, wenn man aufsteht, den Sonnenaufgang simuliert, aber die meisten Leute sagen, man muss einfach die Zähne zusammenbeißen und abwarten, bis es wieder besser wird. Allerdings gewöhnt man sich auch ein bisschen an die Dunkelheit, also kommt es einem nach einer Weile nicht mehr so schlimm vor.

Am Freitag nach den Ferien war in meiner Schule die Taiteiden yö. Man könnte das als „Kunstnacht“ übersetzen. In der letzten Stunde haben wir die ganze Schule dekoriert und überall Lichterketten aufgehängt, die eine sehr romantische Stimmung vermittelten; unglaublich was für einen großen Unterschied ein paar Lichter machen können.

Am Abend gab es in sechs verschiedenen Räumen Konzerte. Im großen Saal und einem anderen Klassenzimmer traten über vierzig Schulbands auf. Dann gab es einen Raum für Klassik, Volksmusik, einen Raum für die Sänger und in der Cafeteria wurde auch musiziert. Natürlich war jeder Musiker der an diesem Tag einen Auftritt hatte einer der 200 Schüler unserer Schule und viele hatten mehrere Auftritte; einer der Gitarristen stellte den Rekord von vierzehn Auftritten an einem Abend auf. Die ganze Schule war voll mit Menschen, die aus ganz Finnland angereist waren. Viele waren Familien von den Schülern die hier im Internat leben, aber es gab auch viele ehemalige Schüler, die die Gelegenheit nutzten, ihrer alten Schule einen Besuch abzustatten.

Auch ich hatte zwei Auftritte. Einen mit dem Chor und beim zweiten habe ich Klavier gespielt. Ich war wirklich sehr aufgeregt, aber im Nachhinein bin ich sehr zufrieden mit mir. Gegen elf Uhr waren die Auftritte vorbei und nachdem wir die Schule aufgeräumt hatten, durften wir auch alle nach Hause gehen. Es war wirklich ein ganz besonderer Abend und ich glaube ich habe mich selten so wohl in einer Schule gefühlt wie an diesem Tag.

So, das war es dann erstmal von mir. In der Zwischenzeit wünsche ich euch allen eine schöne Zeit! Bis bald!

Eure Jule