15.10.2017

Bericht #3 - Bienvenidos estudiantes de intercambio

Hola región Rin- Neckar,

Ich bin nun schon rund zwei Monate fernab der Heimat. Es war ein turbulenter Start hier. Aber nicht nur in Deutschland hat sich vieles verändert, sondern auch hier in Argentina. Zum Glück wird es hier langsam Sommer und immer wärmer. Die Temperaturschwankungen sind gewöhnungsbedürftig, und ich habe hier schon ganz schön gefroren. An einem Tag sind es 10 -- am nächsten mehr als 32 Grad!

Orientierungstag

Ich hatte im Gegensatz zu den meisten anderen kein Arrival Camp direkt nach der Ankunft, sondern erst nach 17 Tagen ein Orientierungstag. Zu diesem wurden alle Intercambio (Austauschschüler) meiner Region begrüßt. Wir haben über die Regeln gesprochen und unsere ersten Tage. Wir waren eine bunt gemischte Truppe aus der ganzen Welt und hatten viel Spaß. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell und leicht man Freunde finden kann bei AFS. Wir haben auch über das Thema Heimweh gesprochen. Ich dachte immer, dass auch ich nicht verschont werde, aber bis jetzt ist dem (noch) nicht so.

Día del maestro

In Argentinien wird alljährlich der Día del maestro begangen – der Tag der Lehrer. Wir haben uns alle versammelt und Dankesreden an unsere Lehrer angehört, die Nationalhymne gesungen, den Lehrern Geschenke überreicht und vieles mehr. Da würden sich in Deutschland die Lehrer vielleicht auch drüber freuen. Und den darauffolgenden Montag hatten wir dann keine Schule (kommt hier doch ziemlich oft vor). Ich finde es allerdings gut, dass man sich bei Leuten für ihr Engagement bedankt. Ich fange an darüber nachzudenken, dass wir in Deutschland manches mehr würdigen sollten.

Dia de Estudiantes

Analog zum Tag der Lehrer gibt es jedes Jahr auch einen Tag der Schüler – den Dia de Estudiantes. Dieser wurde kurze Zeit später gefeiert und war für mich ein weiteres Highlight. Ihr merkt, Feiertage sind hier sehr beliebt. Und sie werden auch alle gefeiert, irgendwie. Da ich im Quinto año (Klassenstufe 5) bin, haben wir die ganzen Vorbereitungswochen über für unser Motto „Disney“ gemalt, gebastelt und alles selbstgemacht. Das ist ein deutlicher Unterschied zu Deutschland: Hier wird alles selbstgemacht, in Deutschland kaufen wir unsere meistens Dekoration ein. Mir persönlich hat es besser gefallen, alles selbst zu gestalten. Danach hatte ich das Gefühl etwas geschaffen zu haben und war stolz auf das gelungene Endergebnis. Dadurch habe ich auch viel mit meinem Kurs gemacht. Und viele witzige Gespräche geführt.

Alle waren aufgeregt, wie uns geplanter Tag bei dem Rest der Schule ankommt. Da alles top secret war. Wir haben unsere Gesichter angemalt. Es gab Schlachten mit Farbpulver, Wasser und Schaum. Unsere Lehrer/Professoren haben ein Theaterstück aufgeführt, welches die typischen Klassen wiedergespiegelt hat. Die Kurse haben gegeneinander gespielt, und z.B. durch Wissensfragen einen Gewinner ermittelt. Das Witzige daran waren die Bestrafungen für falsche Antworten, z.B. Sahne ins Gesicht! Dass meine Klassenkameraden mich vorgewarnt hatten, ich solle mir nicht meine besten Klamotten anziehen, hatte ich nicht ganz verstanden -- bis ich das Matschfeld sah. Alle Schüler schmissen sich beherzt rein. Ich wurde eher mit „Liebe“ gezwungen. Nachdem das Spektakel mit einer Party und ganz viel Musik zu Ende ging und wir wieder zuhause waren, hat mein Gastvater mich und meinen Gastbruder nur kommentarlos unter die Dusche gestellt!

Das Freizeitleben der Jugendlichen 

Da mein Dorf sehr klein ist und wenig an Freizeitgestaltung anbietet, ist es schwer etwas zu unternehmen. Na dann komme ich auch nicht in Entscheidungsnöte. Und da es hier mittlerweile ziemlich warm ist (35 Grad), verbringt man viel Zeit zu Hause und hält Siesta. Es wird erst am späten Abend etwas unternommen, wie z.B. Mate trinken oder Basketball spielen. Ich hoffe die Information stimmt, dass es ab Januar irgendwo ein Schwimmbad geben soll!

Mar Chiquita (das kleine Meer)

Der See liegt ca. eine Autostunde von uns in El Tio entfernt. Er ist auf die Fläche von 5700 km² (so groß wie die Fläche der Metropolregion Rhein-Neckar!) bezogen der größte See Argentiniens und der zweitgrößte See Südamerikas nach dem Titicaca-See. Nach der Siesta ging es los. Nach Miramar (was direkt am See liegt), um dort die Stadt anzuschauen, ein bisschen Bummeln und vor allem Essen zu gehen. Als ich das Wasser dann sah, dachte ich echt, wir sind an einem Meer angekommen. Es war wunderschön. Meine Gastmama hat mir viel über die Geschichte des Ortes erzählt. Der See breitet sich immer weiter aus und verschlingt ganze Siedlungen. In dem See sind viele davon schon „begraben“. Auch zu besichtigen gibt es hier die Ruine des ehemaligen „Gran Hotel Viena“. Es soll mit Nazi-Geld finanziert geworden sein. Das haben wir uns auch noch angeschaut. Bei Nacht! Fand ich etwas gruselig. Vielleicht machen wir, wenn ich besser Spanisch verstehe nochmal eine Führung dort.

Muttertag mal anders

Ein weiterer großer Festtag in Argentinien ist der Muttertag. Er ist hier am 21. Oktober (statt im Mai wie in Deutschland), und er wird hier groß gefeiert. Deswegen haben wir ein Asado(Grillfest) veranstaltet. Am gleichen Tag war zufällig auch der Jahrestag von meinem Ort El Tío. So wurden dann auch dort viele Dankesreden auf das Wohl der Mütter gehalten. Allgemein ist die Familie in Lateinamerika sehr wichtig, vor allem die Mütter.

Meine Gasteltern wollten zur Feier des Tages ein Restaurant besuchen. Wo wir dann echt lecker gegessen haben. Und danach Quartetto getanzt haben. In Argentinien ist es nicht üblich, dass man ständig ein Restaurant besucht. Hier ist das immer etwas Besonderes. Essen, vor allem auswärts essen, ist für die meisten Leute sehr teuer.

Ich geh jetzt mal lernen, da ich in der nächsten Woche gleich zwei Präsentationen habe. Ich werde euch darüber berichten.

Bis dahin schicke ich von der anderen Seite der Welt liebe Grüße,

Eure Maik(e)