18.11.2017

Bericht #4 – Präsentationen, ein Krankenhausbesuch und deutsches Essen…

Hola región Rin- Neckar,

100 Tage meines Auslandsjahrs sind schon vorbei und ich möchte euch hier gerne von den jüngsten Ereignissen erzählen.

Als Austauschschueler bekommt man oft zu hören: „Das habe ich dir doch schon gesagt!“, aber eigentlich hast du gar keinen Plan, über was gesprochen wird. So geht es mir öfters. Da ich mich mittlerweile sehr gut verständigen kann, wird auch immer mehr von mir erwartet, was das Verstehen der Sprache betrifft. Trotzdem brauche ich natürlich nach wie vor länger als der Rest der Klasse. Meine Gastschule ist recht anspruchsvoll. Es werden Präsentationen erwartet; man muss mündliche Examen ablegen und auch die schriftlichen ohne Hilfe des Google-Übersetzers

Vortrag über Deutschland

Als Austauschschüler repräsentieren wir Deutschland. Und wir werden alle immer oft gefragt, wie es denn so ist in Europa. Für die meisten Menschen hier in Argentinien sind Reisen ins Ausland eher untypisch. Deshalb bestärkt uns AFS, dass wir immer wieder unser Land und unsere Region repräsentieren. So wurde auch ich eingeladen, um in einer Schule in Córdoba zusammen mit zwei anderen Austauschschülern zu sprechen, Vilho aus Finnland und Dorka aus Ungarn.

Wir waren alle ziemlich nervös, da wir uns nicht so sicher waren, ob wir alles an eventuellen Fragen verstehen würden und wie viele davon wir in Spanisch würden beantworten können. Erstaunlicherweise haben wir es bis auf ein paar Grammatikfehler ganz gut hinbekommen. Zu den Fragen an mich zählten einige typische Klischees, z.B.: in Deutschland trinkt man Bier wie Wasser, wir tragen alle Lederhosen oder Dirndl, und wie es ist ohne Tempolimit auf der Autobahn? War schon sehr interessant zur erfahren, was für ein Bild von Deutschland hier ankommt.

Erste Präsentation

Meine Schule hat vom ersten Tag angekündigt, dass ich genauso Noten bekomme wie jeder andere auch. Das habe ich irgendwann später erfahren, da ich in den ersten Wochen einfach gar nichts verstanden habe. Das bedeutet auch hier: lernen. So hielt ich meine allererste Präsentation auf Spanisch. Ich dachte nie, dass ich nach zweieinhalb Monaten überhaupt in der Lage dazu wäre.

In Geschichte haben wir gerade das Thema „Deutsche Geschichte“. Als einzige Deutsche fühlte ich mich nicht ganz so wohl dabei, wenn über die „Rasse der Arier“ gesprochen wird und meine Lehrerin nur trocken kommentierte, „dass [diese] alle so aussehen wie Maike“ und sie es grandios findet, wenn ich diesen Vortrag halten würde. So hielt ich einen Vortrag über die Nazis in Argentinien, wie meine heiß geliebten Großeltern im 2. Weltkrieg gelebt haben und das Konzentrationslager Dachau.

Zum Glück hat meine Gastmutter Rosana genügend Geduld und hat mir beim Schreiben und Lernen meines Vortrags geholfen. Sie war mehr als stolz, als ich grinsend mit einer 8 nach Hause gekommen bin. Das Notensystem geht von 1 bis 10 -- 1 ist das Schlechteste und 10 das Beste. Die Nächte ohne Schlaf hatten sich gelohnt.

Feliz Cumpleaños Rosana

Als meine Gastmutter Geburtstag hatte, gab es ein großes Asado für Freunde und Familie. Es wurde gesungen, gegessen und da meine Gastoma immer das Gefühl hat, dass ich zu wenig esse, bekomme ich immer schön Nachschlag.  Es wurde angestoßen, Karten gespielt und war einfach ein nettes Beisammensein.

Ich genieße solche Momente sehr.

Der Geburtstag hat dann für mich leider im Krankenhaus geendet – mit einem Gipsarm. Keine Sorge, mir geht es gut! Hab mich nur an meiner Hand verletzt. Habe aber dadurch das argentinische Gesundheitssystem kennenlernen dürfen. Auch eine andere Erfahrung.

Nach drei Monaten wieder deutsches Essen

In der nächsten Stadt Arroyito (25 km von meinen Ort El Tìo), gab es ein Wochenende mit Essen aus aller Welt und auch Deutschland war vertreten. Als ich dann aufgeregt an den Essensstand kam und sah, dass es Sauerkraut mit einer Bratwurst gab, war ich hellauf begeistert. Sofort versuchte ich meinen Gasteltern zu erklären, was Sauerkraut ist, da sie es nicht kannten. Was echt schwer ist, habe es nach 5 Minuten aufgegeben mit der Aussage „Probiert es!“

Meine Gastmutter hat eine andere Strategie verfolgt und gleich den Standbetreibern erklärt, dass ich aus Deutschland komme. Am Ende wurde ich für Fotos hinter den Stand gebeten. Und durfte natürlich auch probieren. Ich war mehr als zufrieden und glücklich, auch wenn die Wurst aus Argentinien ist und eigentlich nicht wirklich einer deutschen Bratwurst ähnelt. Mmmh … deutsche Bratwurst, eines der Dinge, die ich vermisse. Als dann auch noch meine Gastfamilie es als gut befand, war ich mehr als glücklich -- trotz Gips. Ist doch schwer nur mit einer Hand zu essen. Ich war wohl die Empfehlung des Abends.

Zoobesuch mit Gips

In meiner Gegend gibt es nicht den typischen Zoo, wie man ihn in Deutschland kennt, es ist eher ein Camp für Tiere. Wir sind 1 Stunde gefahren ohne durch einen Ort zu kommen und haben uns auch ein paar Mal verfahren. Hier gibt es keine Hinweisschilder. Wir haben mehre Einsiedler getroffen, bis wir endlich angekommen sind. Ich fand es echt sehr interessant zu sehen, welche Tiere in meiner Gegend leben, denn in diesem Camp gibt es nur Tiere die in Lateinamerika heimisch sind. Für mich war es wie eine Pflegestation, die man besuchen konnte. Und natürlich wie überall haben wir Mate getrunken.

Conformación von meinem Gastcousin

Mein jüngster Gastcousin Maximo hatte seine Konfirmation am Samstagabend in der Katholischen Kirche. Meine Gastoma ist seine Patin. Das war mein zweiter Kirchgang in Argentinien. Ich dachte vorher, ich würde jeden Sonntag in die Kirche gehen in Lateinamerika. Dem ist aber nicht so. Meine Gastfamilie geht nur zu besonderen Anlässen. Als ich in der Kirche war, habe ich klar die Unterschiede zu Deutschland gesehen: Die Musik ist moderner, mit jeglichen Instrumenten wie Schlagzeug oder Gitarre. Die Texte werden an eine Leinwand gebeamt damit jeder mitsingen kann.

Zu Feier des Tages gab es dann an einem Grillplatz in meinen Ort wieder ein Asado, hier konnte man auch Basketball spielen. Mit Musik und der Familie haben wir im Schatten gegessen. Ohje, es wird gerade jeden Tag heißer! Es sind 39 Grad, ich hab das Gefühl ich schmelze…

Ich schicke euch ein bisschen Sonne aus dem warmen Argentinien!

Eure Maik(e)