22.12.2017

Bericht #4 - Der erste Urlaub und „das letzte Mal“ Schule

Liebe Metropolregion,

mein letzter Bericht liegt jetzt schon einige Zeit zurück. Panama ist jetzt schon mehr als drei Monate mein neues Zuhause, ich kann das wirklich kaum glauben. Die Zeit vergeht so schnell und ich bin nun schon ein Drittel meines gesamten Aufenthaltes hier. Natürlich ist wieder so viel in der letzten Zeit passiert, dass ich das gar nicht alles erzählen kann.

Wie ihr in der Überschrift lesen könnt, war ich das erste Mal in Urlaub. Mehr oder weniger spontan wurden meine Freundin Maren und ich von einer Klassenkameradin von mir eingeladen, in das Haus ihrer Oma zu gehen und dieses weihnachtlich zu schmücken.

Mittwochs früh ging es hier in Arraiján los und wir fuhren mit dem Bus gute 100 Kilometer südlich nach "El valle der Antón". Nachdem wir uns die Gegend ein bisschen angeschaut hatten, fingen wir direkt an das Haus zu dekorieren. Währenddessen schmiedeten wir Pläne für den nächsten Tag. Wir entschieden uns für eine Wanderung zum 700 Meter hohen „India dormida“ („Die schlafende Indianerin“), das ist der bekannte Berg in El Valle.

Am nächsten Tag ging es morgens mit gepackten Rucksäcken los, außerdem hatten wir auch noch Fanies Cousin und seine Freundin eingeladen, die uns begleiteten. Das Wandern machte echt Spaß, vor allem auch weil morgens das Wetter noch mitspielte. Mittags begann es schütten und wir wurden komplett nass. Das war allerdings nicht schlimm, eher im Gegenteil, wir hatten sehr viel Spaß. Wir badeten zum Beispiel in einem Wasserfall und anderen kleinen Gewässern (natürliche Thermalquellen). Außerdem besuchten wir einen großen Felsen mit sog. Petroglyphen (prähistorische Felsmalerei) und machten trotz Regen eine wunderschöne Erfahrung.

Kaum daheim ging es auch schon wieder weiter. Um den Sonnenuntergang über El Valle anschauen zu können, fuhren wir zu einem Aussichtspunkt. Es war einer der schönsten Sonnenuntergänge, die ich bis jetzt gesehen habe. Direkt als die Sonne weg war, konnte man direkt spüren, wie es kalt wurde. Ich glaube, dass ich hier zum ersten Mal wegen des Wetters gefroren habe.

Auch nach dem Sonnenuntergang war der Tag noch nicht zu Ende. In der Vorweihnachtszeit gibt es in jedem Ort in Panama Weihnachtsumzüge. Das sind in der Regel große Paraden, bei denen Musikorchester, Vereine oder irgendwelche privaten Gruppen sich weihnachtlich verkleiden und Musik machen oder Süßigkeiten verteilen. Für mich war diese Parade eine kleine Sensation, da ich mich das erste Mal so richtig weihnachtlich gefühlt habe.

Freitags war der kleine Urlaub dann leider schon wieder zu Ende. Bevor wir heimfuhren waren wir noch auf dem großen Markt in Antón. Hier gab es auch nochmal allerhand zu sehen, von Hängematten bis zu ganz normalen Kochbananen gab es alles. Anschließend sind wir mit dem Bus nach Hause gefahren. Für mich war dieser Urlaub echt spannend und hat echt Spaß gemacht, einfach Mal auf eigene Faust etwas zu unternehmen und zu planen finde ich sowieso toll.

Nach dem Urlaub kam auch schon das nächste große Ereignis: die Graduation meiner Schwester und vorher die meiner Cousine. Samstags machten sich meine Schwester, meine Cousine und ich einen schönen Tag in der Stadt, denn da, wie in Panama üblich, alles auf den letzten Drücker erledigt wird, mussten wir noch allerlei Sachen für die Graduation kaufen und erledigen. Sonntags war dann zuerst der Abschluss meiner Cousine in ihrer Schule.

Ich muss sagen, von dem was mir von meiner Familie vorher erzählt wurde, habe ich mir das ganz anders vorgestellt. Es hieß, alles sei ganz groß, viel Musik und Essen und es wird gefeiert und es sei ein sehr wichtiger Tag. Allerdings saßen wir am Ende in irgendeiner riesigen Sporthalle und haben vor uns hin geschwitzt.

Die Absolventen wurden nacheinander aufgerufen und bekamen ihre Zeugnisse. Leider gab es keine Mikrofone, weshalb wir auch nicht verstanden haben was gesagt wurde. Ich dachte mir dann, vielleicht ist die große Feier erst im Anschluss. Danach ging es zwar zum Essen, aber das typische Restaurant war das auch nicht, sondern nichts anderes als ein McDonalds. Die Graduation meiner Schwester lief ungefähr genauso ab. Der Unterschied war, dass wir dieses Mal in einem Hotel waren und der Raum klimatisiert war. Auch nach ihrer Graduation gingen wir zu einem Fast-Food-Lokal – diesmal Kentucky Fried Chicken.

Was mich aber echt erstaunte, war die Anzahl der Absolventen des Jahrgangs meiner Schwester: insgesamt 1200 Schüler und Schülerinnen bekamen ihr Abschlusszeugnis. Das sind mehr als alle Schüler auf meinem heimatlichen Gymnasium in Germersheim. Auch wenn ich mir das alles etwas anders vorgestellt habe, war es eine Erfahrung wert. Ich kam mir ein bisschen vor wie in einem amerikanischen Highschool-Film und das war dann doch echt spannend.

Ansonsten freue ich mich schon sehr darauf, euch endlich von Weihnachten und Silvester berichten zu können. Ich bin sehr gespannt, diese Zeit hier in Panama bei 30 Grad und ohne meine deutsche Familie zu erleben. Das werdet ihr aber erst im nächsten Blog erfahren…

Bis dahin

Eure Miriam