5.1.2018

Bericht #5 - Rückblick auf die Weihnachtszeit - Eine ganz neue Erfahrung

Liebe Metropolregion Rhein-Neckar,

auf diesen Bericht und auf diese Zeit während meines Auslandsjahrs habe ich mich, glaube ich, immer am meisten gefreut. Ich wollte schon immer wissen, was es heißt, Weihnachten bei 30 Grad zu feiern. Wie in einer für mich ganz neuen und komplett anderen Kultur gefeiert wird und wie es ist, Weihnachten, was für mich ein Familienfest ist, nun ohne meine deutsche Familie zu feiern. Außerdem war ich sehr gespannt darauf, wie man hier Silvester feiert und ins neue Jahr rutscht. Diese Erfahrung durfte ich dieses Jahr machen und ich muss sagen, für mich war es echt eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich will euch jetzt erzählen wieso.

Für mich begann Weihnachten am 22. Dezember. An diesem Tag war ich mit Maren und Timo (dem Sohn einer Freundin von meiner Mutter) in Panama City. Timo wohnt in sehr armen Verhältnissen und war in der Woche vor Weihnachten bei uns. In der Stadt mussten Maren und ich einiges erledigen und danach haben wir Timo ins Kino eingeladen. Für Timo war es das erste Mal, einen Film im Kino zu schauen. Für uns war es sehr schön zu sehen, wie viel Spaß er hatte und wie er sich gefreut hat.

Nach dem Kino waren wir noch shoppen und er hat einen Fußball bekommen, den wir ihm zu Weihnachten geschenkt haben, über den er sich auch sichtlich gefreut hat. Abends zu Hause meinte Timo plötzlich zu mir, dass es das schönste Weihnachten ist, das er je hatte. Als er mir das sagte, freute auch ich mich wie ein kleines Kind, da es für mich kein großer Aufwand war, aber ich ihn damit trotzdem so glücklich machen konnte.

Da in Panama, wie wahrscheinlich in allein lateinamerikanischen Ländern, alles auf den letzten Drücker erledigt wird, war es auch bei uns so, dass wir uns erst am 23. Dezember auf den Weg machten, um Geschenke zu kaufen. Das war für mich noch relativ normal. Als ich am gleichen Abend dann aber schon mein Geschenk bekam, wurde ich so langsam etwas stutzig. Ich hatte noch nie gehört, dass man die Geschenke schon am 23. bekommt. Wie sich dann später herausstellte, ist das auch nur in meiner Gastfamilie so.

Der 24. Dezember startete für mich etwas traurig, da meine Mutter und meine Schwester arbeiten mussten. So war ich den Tag über alleine zu Hause und wie das dann eben so ist, kommt das Heimweh auch ab und zu hoch. Am Nachmittag habe ich mich dann auf den Weg nach Panama City gemacht, um dort meine Familie auf der Arbeit abzuholen. Wie üblich in Panama, hatten wir natürlich keinen weiteren Plan für diesen Tag. Meine Schwester entschied dann, dass sie gerne zur „Cinta Costera“, das ist die Küste, gehen würde und dort Weihnachten verbringen will, da es dort ein großes Feuerwerk geben sollte. Ich ging mit ihr also dorthin. Meine Mutter bevorzugte es allerdings nach Hause zu gehen. Als wir aber auf der Cinta Costera ankamen, war es dort menschenleer – außer ein paar zahmen Waschbären war weit und breit niemand zu sehen.

Als wir dann drei Stunden später endlich im Bus nach Veracruz saßen, war ich echt froh. In Veracruz waren wir dann auf einer Party, von der aber nicht mal meine Schwester wusste, wer der Veranstalter war. Deshalb wurde mir erst alles wieder geheuer, als wir zu einer Freundin meiner Schwester fuhren. Dort haben wir dann auch die Nacht, bis morgens um neun, verbracht.

Am 25. passierte leider auch nicht sehr. Wir fuhren mit dem Bus nach Hause und zwischen durch konnte ich endlich mit meiner Familie in Deutschland telefonieren. Zu Hause angekommen sind wir dann erstmal ins Bett gefallen und haben den halben Tag verschlafen. Abends gab es dann noch eine Überraschung für mich: Meine Mutter hatte mir einen deutschen Christstollen gekauft, den ich dann voll Freude essen durfte. Ich glaube, mir hat noch nie ein Christstollen so gut geschmeckt wie an diesem Tag.

Trotzdem gab es dann doch noch sowas wie das richtige Weihnachtsessen. Bei uns war das Gemüsereis mit Schweinshaxen. Außerdem gibt es an Weihnachten hier immer sehr viele frische Früchte, zum Beispiel Mango, Ananas, Trauben und vieles mehr. Da meine Mutter in einer Bäckerei arbeitet, gab es zudem noch sehr viel "dulce", also Süßes, und das meint Kuchen und Gebäck aller Art. Der 26. Dezember ist hierzulande wieder ein ganz normaler Arbeitstag, das heißt, meine Familie muss arbeiten und ich verbringe den Tag zu Hause.

Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich leider auch mehr oder weniger alleine verbracht, da meine Familie arbeiten war. Am 30. Dezember sind wir dann aber zu einer Tante gefahren. Diese wohnt auf der anderen Seite von Panama City, allerdings ist das in meinen Augen nicht mehr "City", sondern Dschungel. Das Haus steht mitten im Urwald, ohne Wasser und ohne Strom. Um dort hin zu gelangen, sind wir erst einmal im Dschungel umhergeirrt, bis wir es gefunden hatten. Für mich war das natürlich eine komplett neue Erfahrung, da ich so noch nie leben musste. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, einmal so zu leben. Allein nur an diesen zwei Tagen konnte ich schon wieder so viele neue Eindrücke sammeln. Dazu zählte zum Beispiel, dass ich nachts nicht schlafen konnte, da die Affen so laut kreischten, aber auch, dass meine erste eigene Kokosnuss ernten durfte.

Der 31. Dezember lief typisch panamesisch ab: Morgens hatte natürlich noch niemand einen Plan, was es abends zum Essen, gibt und auch sonst hatte man nicht den Eindruck, dass überhaupt was geplant war. Wir waren einkaufen, haben das Haus geputzt und geschrubbt und gekocht. Nachmittags kam dann noch andere Verwandtschaft und wir verbrachten den Abend mit Dominospielen bis ungefähr 22 Uhr.

Dann gingen plötzlich alle schlafen, was ich total komisch fand. Ich muss gestehen, ich habe auch jetzt noch nicht verstanden warum. Auf jeden Fall sind wir dann zum Glück, 10 Minuten vor Jahreswechsel wieder aufgestanden und haben die Gläser mit Eierlikör vorbereitet. Das wiederum ist eine Tradition, welche ich persönlich sehr gut finde :) Um Mitternacht haben wir uns dann "Feliz año Nuevo" gewünscht und das Buffet wurde eröffnet. Es gab Hühnchen, Schweinshaxen, ganz viel Reis, Kochbananen, Hefezopf und ganz viele Früchte – wie an Weihnachten auch. Auch dieses Essen habe ich wieder sehr genossen. Danach haben wir die Silvesternacht ausklingen lassen und sind schließlich ins Bett gegangen. Den Neujahrstag haben wir damit verbracht uns auszuruhen und dann wieder nach Hause zu fahren.

Ich glaube, dieses Weihnachten und Silvester werde ich nicht so schnell vergessen, für mich war es eine sehr spannende Erfahrung. Trotzdem bin ich auch irgendwie froh, dass die Weihnachtszeit jetzt zu Ende ist und das "normale Leben" wieder losgeht. Ich denke diese Zeit ist nun mal eine Zeit, in der es die Austauschschüler nicht so leicht haben. Das kann ich für mich bestätigen. Trotzdem bin ich auf jeden Fall froh, diese Eindrücke gesammelt zu haben und diese Zeit mal anders als von der Heimat gewohnt erlebt zu haben.

Bis ganz bald

Eure Miriam