15.12.2017

Bericht #4 – 100 Jahre Finnland…

Hallo liebe Metropolregion Rhein Neckar,

mein letzter Bericht ist schon eine Weile her und seitdem ist einiges bei mir in Finnland passiert.

Ende November bin ich mit meiner Familie und einigen Bekannten übers Wochenende nach Ruka gefahren. Das ist ein Ort in der Nähe von Kuusamo, nordöstlich von Kaustinen, der Stadt in der ich lebe, und sehr nah an den Grenzen zu Lappland und Russland.

Dort gab es an diesem Wochenende das „FIS Ruka Nordic“, ein Wettkampfwochenende an dem sich die Weltspitzen im Skispringen, Skilanglauf und Nordischer Kombination messen. Ich habe dort auch einige bekannte Profis aus Deutschland gesehen, wie zum Beispiel Andreas Wellinger und Stefanie Böhler.

Wir sind auch selbst ein bisschen Ski gefahren. Obwohl die Skigebiete, die ich gewohnt bin, um einiges größer sind – das liegt vor allem an den fehlenden Bergen und Hügeln hier in Finnland. Und obwohl es wirklich sehr kalt war, hatten wir wirklich eine Menge Spaß dort.

Am 6. Dezember wurde hier kein Nikolaus, aber dafür das hundertjährige Jubiläum Finnlands gefeiert. Ihr müsst wissen, die Finnen sind ein sehr stolzes Volk und meiner Meinung nach ist das durchaus auch gerechtfertigt. Ihr könnt euch also wahrscheinlich gut vorstellen, dass die Finnen bei ihrer hundertjährigen Unabhängigkeit viel zu feiern haben.

Schon seit ich hier in Finnland angekommen bin, was bereits einige Monate her ist, war das Jubiläum immer wieder ein Thema. Ich erinnere mich noch an meinen allerersten Besuch in einem finnischen Supermarkt. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte man spezielle Gläser mit „Suomi (Finnland) 100“-Gravierung oder Schokolade mit demselben Motto kaufen. Und natürlich gab es schon das ganze Jahr überall blau-weiße Girlanden, Finnland-Flaggen und andere Dekorationen in den Farben von Finnland.

Am Tag vor dem Nationalfeiertag hatten wir in der Schule ein großes Fest. Am Morgen kamen alle Schüler in der Aula zusammen, die Schulleiterin hat mit uns über den Feiertag geredet und es wurde die Nationalhymne gesungen. Nach dem Mittagessen sind wir alle in das KTK (Kansantaiteenkeskus - das öffentliche Kunst-Zentrum) gegangen. Dort gab es ein großes Konzert. Die Bands und Orchestren haben gespielt und ich hatte auch einen Auftritt mit meinem Chor. Nach dem Konzert gab es Kaffee und Kuchen für alle. Danach wurde der Schultag frühzeitig beendet und jeder durfte nach Hause gehen.

Am eigentlichen Nationalfeiertag hatte jeder frei. Morgens sind wir in die Kirche gegangen und nach dem Gottesdienst gab es draußen auf dem Friedhof eine kleine Zeremonie. Auf den Gräbern der im Krieg gefallenen Soldaten standen Männer aus Kaustinen, die ungefähr im selben Alter waren wie die Soldaten zum Zeitpunkt ihres Todes. Einige von Ihnen waren gerade Mal siebzehn Jahre alt. Die gleiche Zeremonie ist zur selben Zeit auf jedem Friedhof in Finnland durchgeführt worden.

Danach sind wir nach Hause gegangen und haben mit der ganzen Familie zu Mittag gegessen. Es gab Juustopaisti, ein traditionelles Essen (eine Art Schweinegeschnetzeltes), das es nur hier in Kaustinen gibt. Am Abend haben wir im Fernsehen die Feier im Präsidentenpalast angeguckt. Jedes Jahr werden Menschen aus ganz Finnland in den Präsidentenpalast eingeladen, um dort den Nationalfeiertag zu feiern. Das sind vor allem Sportler, Politiker und andere Menschen, die besondere Dienste für Finnland geleistet haben. Das war ein Fest im ganz großen Stil. Es wurde getanzt, gegessen und es gab unterschiedliche Shows und natürlich wurden auch einige Reden gehalten.

So das war’s jetzt erst Mal von mir. In meinem nächsten Bericht werde ich von Weihnachten und Neujahr hier in Finnland berichten. Bis dahin wünsche ich allen eine schöne Zeit und erholsame Feiertage!

Eure Jule