14.2.2018

Bericht #7 - Roadtrip nach Machu Picchu (Teil 1)

Hola Region Rhein-Necker,

Am Montag den 8.01.18 ging plötzlich bei mir zuhause die Aufbruchstimmung los. Es wurde gepackt, Geld abgehoben, das Haus geputzt. Start zur Reise einmal quer durch Lateinamerika nach Peru, das Ziel: Machu Picchu.

Zuerst ging es über die Provinzhauptstadt Còrdoba über den Ort Jesus Maria. Dann zu einer Tankstelle, diese war unsere erste Nachtstation, unkonventionell auf dem Parkplatz.

Mit Zelt kann man nämlich so gut wie überall schlafen (auch wenn es gerade sehr oft regnet). Am nächsten Morgen ging es durch die Provinz Tucumán. Da habe ich schon gemerkt, wie sich das Landschaftsbild verändert. Die Häuser wurden kleiner, die Viertel ärmer. In Tucumán kam auch schon das erste Problem auf uns zu. Unserem Auto fehlte eine Plakette zur Weiterfahrt. Das hieß für uns erstmal organisieren.

Weiter ging es durch die Provinz Jujuy in die Hauptstadt. Mein aktueller Betreuer stammt ursprünglich von dort. Ich habe schnell lernen müssen, dass für diese Reise nicht wirklich etwas vorgeplant wurde. Um die Übernachtungen wird sich immer am selben Tag gekümmert, was für diese Art der Reise echt nur vorteilhaft war.

In Jujuy ging es dann am Mittwoch mit drei weiteren deutschen Austauschschülern (Alessandro, Luis und Miriam), meiner Gastfamilie und meinem Betreuer auf Entdeckungsreise in Jujuy. Wir wollten erst die Cierra siete Colores anschauen. Danach ging es auf einer nicht befestigen Straße, was bedeutete öfters unser Auto anzuschieben, in ein kleines wunderschönes Dorf „Purmamarca“. Dort gab es dann den „Gaucho-Flair“. Ein Baby-Lama ist schon etwas Besonderes, am liebsten würde ich alle mitnehmen! Leider hab ich nur 20 kg ...

Im Anschluss fuhren wir zu den Salinas von Jujuy, auf 4.180 Meter Höhe. Was echt ein kleiner Geheimtipp ist. Dort haben wir dann Mate getrunken und viele Fotos gemacht. Es war echt schön mit anderen Austauschschüler zusammen zu sein. Durch ein kleinen "See" sind wir dann auch alle schön durchgestapft. Am Abend ging es dann nach La Quiaca, eine Stadt die zu zwei Ländern gehört: Argentinien und Bolivien.

Über die Grenze sind wir schneller durchgekommen, da meine Gastmutter Zeugin war, wie die Polizei einen Bus durchsucht hat. Wer ein Zeuge wird, wird von der Grenzstelle bevorzugt und vorgelassen. Und auch mit meinem Visum gab es keine Probleme.

Als wir dann im bolivianischen Teil waren, wurde mir erst bewusst, wie sehr ich hier auffalle. Bolivianer sind deutlich kleiner und ich kann mich mit meinen 175 cm nicht wirklich verstecken. Meine schon zu Reisebeginn eingepackte Erkältung wurde schlimmer und wir beschlossen einen Arzt zu suchen. Somit habe ich das bolivianische Gesundheitssystem kennengelernt – worauf ich wirklich gut hätte verzichteten können. Mehrere Patienten in einem Raum, kaum bis keine Hygiene. Ein Fieberthermometer für alle. Das war selbst für mich ein Schock, obwohl ich mittlerweile einiges gewöhnt bin. (Die öffentlichen Toiletten in Deutschland werden mir wie ein Traum vorkommen :) ) Als ich dann irgendeine Mischung gespritzt bekam, ging es mir zum Glück auch schnell besser.

Und hier wird mir wieder bewusst: Wir haben in Deutschland den reinsten Luxus. Durch mein Auslandsjahr habe ich erst so richtig gelernt, wie dankbar wir alle sein können. Uns werden in Deutschland alle Chancen geboten. Es liegt nur an dir selbst, ob du sie nutzt oder nicht. Wir haben Rechte, die viele Teile der Welt nicht haben. Vieles ist zu selbstverständlich. Es wird viel kritisiert oder gemeckert – auf einem zu hohen Niveau.

Ich freu mich darüber, wenn ich mal fließendes Wasser habe und ich nicht schnell duschen muss, weil das Wasser nach 10 min weg ist oder wenn man die Badtür abschließen kann. So geht es vielen, die in Lateinamerika sind. Man merkt, dass unsere „Probleme“ als Austauschschüler vor dem Jahr totaler Quatsch waren, z.B. das 10. Paar Schuhe… Man lernt, mit wie wenig man im Leben auskommt, wenn es um Platz für einen selbst oder um persönlichen Besitz geht. Die Weltansicht ändert sich. Auch wird man die Menschen zuhause umso mehr schätzen

Ich werde oft gefragt, wie es ist in Argentinien zu leben. Meine Antwort: Es ist nicht gut, nicht schlecht, es ist einfach anders.

Das „Heiligste“ für mich ist im Moment mein Abschiedsbuch (dafür noch einmal ein dickes fettes Danke an alle, die dort reingeschrieben haben, ich bin immer glücklich, wenn ich es lese) Und zwei kleine Fotobücher, die mir meine Mama gemacht hat.

Mama, Dennis, Basti und Ise, ich drücke euch ganz doll und vielen Dank, dass ihr sogar Nachts erreichbar seid. Danke auch meiner Austauschfreundefamilie.

Liebe Rhein-Neckar-Region, ich hoffe ihr hattet ein guten Start ins neue Jahr. Im nächsten Blog werde ich über Machu Picchu berichten, ich verspreche es!

Bis dahin,

Liebe Grüße, eine frierende (ich dachte ich hätte Sommer),

Mai