16.2.2018

Bericht #6 - Unvergessliche Familienmomente

Liebe Metropolregion Rhein-Neckar,

heute darf ich euch von meinen bisher wahrscheinlich schönsten Tagen in Panama berichten. Ich durfte in diesen ersten Wochen des Jahres schon wieder so viel erleben und sehen, was ich natürlich auch mit euch teilen möchte.

Anfang Januar war ich mit AFS in Las Tablas, dort war das traditionelle Fest der tausend Polleras. Eine Pollera ist die typische Tracht in Panama. Freitags haben wir uns mit unserer Betreuerin auf den Weg gemacht, da wir einen ganzen Tag brauchten, um mit dem Auto dort hinzukommen. Schon abends fand ich es sehr schön, die ganzen anderen Austauschschüler aus ganz Panama zu treffen und mich mit ihnen zu unterhalten und auszutauschen. Das ist immer sehr spannend und lustig, da es ja wirklich Leute aus aller Welt zusammenkommen.

Samstag morgens ging es schon um 8 Uhr los mit dem Make-up für die Mädels, zur Tracht gehört nämlich auch ein sehr buntes und auffälliges Make-up. Danach war der Kopfschmuck an der Reihe. Die sogenannten Tembleckes sind aus Draht und Perlen geformte Blumen, die werden zusammen mit Krönchen und anderem Goldschmuck in die Haare gesetzt. Alleine bei mir dauerte das 2 Stunden. Zum Schluss zogen wir uns dann die eigentliche Pollera an. Meine war weiß mit türkisen Verzierungen.

Der Umzug startete um 13 Uhr und wir waren die Attraktion, denn wo sieht man schon mal weiße Leute in Polleras. Wir wurden nach Fotos gefragt und interviewt, außerdem waren wir im Fernsehen zu sehen. Der Umzug an sich bestand einfach aus tausenden tanzenden Leuten in Polleras. Insgesamt dauerte der Umzug 8 Stunden, aber wir haben irgendwann aufgehört, da viele noch am selben Tag nach Hause fuhren. Wir haben noch eine Nacht in Las Tablas verbracht und sind dann sonntags nach Hause gefahren.

Ich glaube es war schon immer mein Traum, einen Hund zu haben. Eine Woche bevor ich mit meiner Familie nach Colón fuhr, ging dieser Traum in Erfüllung. Ich bekam einen kleinen Welpen von meiner Familie geschenkt, als verspätetes Weihnachtsgeschenk. Ich glaube, ich muss nicht sagen, wie mich das überrascht und gleichzeitig natürlich auch glücklich gemacht hat.

Wie schon gesagt, eine Woche später fuhren wir nach Colón zu unserer Verwandtschaft. Natürlich auch mit Hund sowie viel Gepäck. Nachts um 3 Uhr ging es los. Mit dem Bus bis Migel de la borda, von dort aus sind wir mit einem kleinen Fischerboot bis zur Finca Aquafria, das ist die Finca meines Onkels, gefahren. Ich glaube, solche Angst unter zu gehen, hatte ich noch nie. Erstmal wäre dieses Boot in Deutschland vermutlich gar nicht mehr zugelassen beziehungsweise schon auf dem Schrottplatz. Dazu kam, dass wir zehn Leute mit Gepäck waren, anstatt nur fünf – so viele wie ungefähr auf das Boot gepasst hätten. Eigentlich war der Fluss zwar auch nicht breit und anfangs dachte ich noch, dass ich ja notfalls schwimmen kann und das alles nicht so schlimm ist. Aber das zog ich spätestens dann nicht mehr in Betracht, als ich erfuhr, dass in den Flüssen Alligatoren gibt. Es war wirklich eine sehr spannende Bootstour, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Als wir dann nach 2 Stunden Bootsfahrt gegen Abend an der Finca ankamen, gab es noch was zu Essen und dann fielen wir alle todmüde ins Bett.

 

Am nächsten Morgen ging es auch schon wieder früh raus, um die Kühe zu melken. Das heißt, erstmal haben wir eine halbe Stunde die Kühe auf dem Gelände der Finca gesucht und nachdem wir sie fanden, haben wir sie gemolken. Das Melken hat bei mir leider auch nach einer halben Stunde noch nicht funktioniert, ich musste es aufgeben. Trotzdem durfte ich die Milch direkt probieren und kann nun sagen: Was Besseres gibt es nicht!

Nach dem Melken zeigten mir meinen Cousins und Cousinen das gesamte Gelände der Finca. Es ist wunderschön; die Tiere laufen alle frei herum, es fließen Bäche durch grasgrüne Wiesen, es gibt kleine Wäldchen und sehr viele leckere Früchte. Ich fühlte mich wie im Paradies, als wir diverse Früchte ernteten und gegessen haben. Nachmittags hat mir das Baden im Fluss auch sehr gut gefallen.

Am nächsten Morgen wurde ich von lauten Schreien geweckt. Als ich nach unten kam, sah ich auch, woher diese kamen: Mein Onkel war gerade dabei ein Schwein zu schlachten, da die ganze Verwandtschaft aus Colón kam. Meine Mutter stammt eigentlich aus Colón und ist dort aufgewachsen, deshalb wohnt dort noch ein Teil ihrer Geschwister, der andere Teil wohnt auch rund um Panama City. Ich wurde gefragt, ob ich gerne helfen würde, das Schwein zu schlachten, allerdings war mir das Zuschauen lieber. Ich zog es vor, später mit meinen 15 Cousins und Cousinen die Chorizo, also die Bratwurst zu machen. Natürlich gab es nach der Arbeit auch ein großes Familienessen. Es ist immer was sehr Besonderes, wenn die komplette Familie sich trifft, deshalb gab es viel zu Essen und es wurde bis spät in die Nacht gefeiert. Ich war natürlich zwischendrin und fühlte mich richtig wohl, so als ob ich schon immer dabei gewesen wäre.

Um so viel Zeit wie möglich mit meiner Verwandtschaft verbringen zu können, haben wir am nächsten Tag meine Tante Yari und meinen Onkel Yuni besucht. Die beiden haben jeweils auch eine eigene, riesige Finca, deshalb ritten wir mit den Pferden hin. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und weil ich in Deutschland auch schon geritten bin, hatte ich damit auch keine Schwierigkeiten. Bei Yari habe ich das erste Mal seit fünf Monaten wieder Fußball gespielt. Außerdem haben wir ein Hühnchen geschlachtet und natürlich gegessen. Bei Yuni durften wir die Ferkel füttern, das hat mir natürlich auch sehr viel Spaß gemacht. Ich finde es sehr schön, eine so große Familie hier zu haben, zu der ich wann immer ich will, wiederkommen darf.

Auch am nächsten Morgen ging es wieder sehr früh los, um meinen Opa besuchen. Seine Finca ist etwas weiter weg, mit den Pferden haben wir drei Stunden gebraucht. Es war so schön mit meiner Schwester und den anderen über die Weiden zu galoppieren. Natürlich gab es bei meinem Opa wieder viel zu Essen und ich wurde auch direkt zu seinem Geburtstag eingeladen, weil er schon immer einmal mit einer "Blancita", also einer Weißen, feiern wollte. Sonst gab es natürlich bei meinem Opa auch ganz viele Tiere, mit denen ich gekuschelt habe. Am Ende, kurz bevor wir gehen wollten, gab es dann noch eine kleine Überraschung für mich, ich bekam zwei Hühner und einen Hahn geschenkt. Mein Opa meinte, als Andenken an ihn. Meine Mutter wollte die Hühner eigentlich essen, aber das geht natürlich gar nicht. Abends kamen wir erst spät wieder zu meinem Onkel David, wir haben schnell unsere Sachen gepackt und sind dann ins Bett. Morgens wollte ich dann gar nicht aufstehen, weil ich nicht gehen wollte. Mir hat es soo gut gefallen, dass ich glatt noch länger dort geblieben wäre. Als wir am Abend endlich daheim ankamen, hatte ich irgendwie das Gefühl erst jetzt zu 100 Prozent in Panama angekommen zu sein. Ich weiß nicht wieso, aber ich glaube es lag daran, dass ich hier noch nie so lange von meinem panamaischen Zuhause weg war und dann erst richtig gemerkt habe, wie wichtig mir dieses Zuhause ist.

Das war's jetzt auch erstmal wieder von mir, mein nächster Blog lässt auch nicht mehr lange auf sich warten…

Eure Miriam