27.2.2018

Bericht #9 – “Vamos Belgrano!” und eigene Nudelproduktion

Hola Region Rhein-Neckar,

die Stadt Carlos Paz ist eine stark touristisch geprägte Stadt im zentralen Argentinien. Sie liegt in der Nähe von Córdoba an einem See und vielen Flüssen. Es ist megaschön dort, aber mir persoenlich sind dort zu viele Menschen, echt so viele, dass man kaum laufen kann.

Ich bin zu dem allerersten Fussballspiel meines Lebens gegangen. Ausgestattet mit einem Trikot vom Erstligisten Club Atlético (CA) Belgrano, das ist der Fussballverein von Córdoba. In Argentinien wird man immer gefragt, ob man für Boca oder River ist. Diese Frage hat sich für mich erledigt, da ich jetzt nach dem Spiel für Belgrano bin.

Das Stadion heißt offiziell Estadio “Julio Cesar Villagra”, wird aber meist nur abgekürzt nach seinem früheren Namen “El Gigante” genannt. Es erschien mir erst ziemlich klein, da wir sehr nah am Rasen gesessen haben. Aber da es etwa 30.000 Zuschauer fasst, ist es ziemlich ähnlich groß wie die Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim und wenn man so will etwa doppelt so groß wie die Mannheimer SAP-Arena, wo ja rund 15.000 Menschen Platz finden.

Nachdem ich gefragt habe, welche Trikotfarbe denn unsere Mannschaft trägt, habe ich dann auch gewusst fuer wen ich sein sollte. Nach 10 Minuten habe ich schon in die Fanchöre eingestimmt und war voll mit dabei. Ich wurde richtig von der Stimmung gepackt.

Ein bedeutsamer Unterschied zu Deutschland ist, dass im Stadion nur die Fans der heimischen Mannhschaft Einlass haben. Die Fans des gegenerischen Vereins dürfen nicht mit anreisen. Da es in Argentinien früher viel Gewalt bei Spielen gab, haben sie beschlossen, dass nur noch ein Auswärts-Fanclub pro Spiel zugelassen wird. Dadurch soll die Gewaltbereitschaft gesenkt werden. Was ich auch bestätigen kann: Es war friedlich und ich habe mich nie unsicher gefuehlt, und auch um kleine Kinder musste man sich nicht sorgen. So war das Stadion mit 30.000 Belgrano Fans gefuellt.

In einem Bereich, ich würde ihn mal den Ultra-Block nennen, schwenkten die Fans grosse Fahnen und immer wurde mit Trommeln und Trompeten den Fangesängen der Takt vorgegeben. Am Ende hatte jeder, der in meiner Nähe sass, auch noch ein par nicht so druckreife deutsche Wörter von mir gelernt, die man beim Anfeuern so benutzen kann. Leider erlebten wir kein Tor und es ging 0:0 nach Hause. Wir sind dafür aber mit einem Foto in der lokalen Zeitung erschienen:

Da das Stadion ziemlich im Zentrum von Córdoba liegt, ging es danach ins neue Einkaufzentrum, direkt zu McDonalds: Ich weiss schon gar nicht mehr, wann ich das letzte mal dort gegessen habe. In Argentinien gibt es viele der in Deutschland bekannten Marken nicht. Also H&M zum Beispiel wird man vergeblich suchen, und McDonalds ist auch ziemlich beschraenkt auf die Großstädte und hauptsächlich nur in Einkaufszentren zu finden. Dort traf man dann auch alle Leute mit Belgrano-Trikot an.

Ich war echt megaglücklich, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Argentinier sind ein fussballvernarrtes Volk, das muss man erlebt haben. Ich bin schon megagespannt auf die diesjährige Weltmeisterschaft im Sommer. Den Beginn im Juni werde ich auf jeden Fall noch hier miterleben.

Zur Hälfte meines Auslandsjahres haben wir zuhause Nudeln produziert. Alles selbst! Das war ein wunderschoner Samstag, ich war nur strahlend anzutreffen. 

Mit den Hunden gespielt und auch mit dem Babyhund Kala nachts in den eigenen Pool gegangen.

Sonntags ist hier in Cordoba Familientag, dank Marcelo habe ich auch gelernt richtig Asado zu grillen. Vielen Dank fuer die ganz besonderen letzten Tagen. Ich werde sie nie vergessen!

Bis zum naechsten Mal schicke ich euch aus den Backofen ganz viele Grüße. Seit es 2018 ist, rennt förmlich die Zeit, bis ich wieder zurück in meiner Heimat bin.

Eure Mai