3.3.2018

Bericht #7 - Oh wie schön ist Panama! Mein Roadtrip zur Halbzeit.

Liebe Metropolregion Rhein-Neckar,

es ist schon verrückt: Sechs Monate bin ich nun schon hier, ein halbes Jahr. Ich kann es selbst kaum glauben, mir kommt es so vor, als wäre ich gerade eben noch in Deutschland gewesen. Ich frage mich manchmal echt, wo meine Zeit bleibt, die ist nämlich jetzt schon mehr als zur Hälfte vergangen.

Zur Halbzeit meines Auslandsjahres bekam ich Besuch von meiner Tante aus Deutschland, von diesen wunderschönen Tagen will ich euch jetzt berichten. Am 31. Januar um 16.35 Uhr musste ich am Flughafen sein, um meine Tante abzuholen. Netterweise klärte sich eine Freundin meiner Familie dazu bereit, uns mit dem Auto zum Flughafen zu begleiten. Ich hatte ein komisches Gefühl im Bauch, natürlich hab ich mich sehr gefreut, aber ich konnte es einfach nicht glauben, dass ich gleich meine Tante aus Deutschland sehen würde. Als sie dann aber da war, war ich einfach nur froh und hab mich riesig gefreut. Sie wohnt in Weingarten, einem Nachbarort meines Wohnorts Lingenfeld im Landkreis Germersheim.

Donnerstags und freitags waren wir in Panama City unterwegs. Wir besuchten das "Casco viejo", quasi die Altstadt von Panama. Da auch ich dort noch nicht gewesen bin, war es auch für mich sehr interessant und spannend. Ich finde aber, dass die Altstadt irgendwie nicht zu dem Bild von Panama passt, das ich habe. Freitags habe ich endlich, nach 5 Monaten, mein Visum bekommen. Ich musste deshalb den ganzen Morgen im Migrationszentrum verbringen. Meine Tante hat sich in dieser Zeit, auf eigene Faust, Panama angeschaut.

Als wir mittags wieder zu Hause angekommen sind, wollten wir eigentlich direkt weiter, um uns mit Noris, der Freundin meiner Mutter und ihrer Familie, auf den Weg nach Santiago zu machen. Allerdings machten uns die Katzenbabys einen Strich durch die Rechnung: Da sie an diesem Nachmittag zur Welt kamen, konnte ich ja nicht einfach gehen. Nachdem das Erste gesund und munter das Licht der Welt erblickt hatte, machten sich meine Tante, meine Cousine aus Panama und ich uns auf den Weg, um uns mit Noris zu treffen. Nachdem wir spät abends in Santiago ankamen, sind wir nach den Essen direkt schlafen gegangen.

Samstagsmorgens machten wir uns früh auf den Weg zu einer Insel, auf der am Abend ein 15. Geburtstag gefeiert wurde. In Panama sind die 15. Geburtstage der Mädchen etwas ganz Besonderes und werden deshalb auch sehr groß gefeiert. Teilweise können es mehr als 500 Gäste sein und das ist eigentlich noch normal. Meine Schwester erzählte mir, dass meine Mutter 12 Jahre lang gespart hat, um den "Traumgeburtstag" zu ermöglichen. Um die 3000 Dollar hat der Geburtstag gekostet und das bei einer relativ armen Familie. Ich will mir nicht vorstellen wie viel das erst in einer Familie ist, die Geld hat.

Um auf die Insel zu kommen, sind wir erst noch zwei Stunden Boot gefahren, das hat mir persönlich sehr gut gefallen, ich konnte so die Natur und das Bootfahren genießen. Auf der Insel angekommen, wurden wir freundlich begrüßt. Den Nachmittag haben wir mit Baden im Meer verbracht. Abends sollte der Geburtstag eigentlich um sechs Uhr anfangen, aber wie das in Panama eben so ist, hat er erst um neun Uhr begonnen. Die ganze Insel war da und viele Freunde und Bekannte aus ganz Panama. Zuerst gab es viel Essen und dann kam der Höhepunkt des Abends: Die "Quinzeañera", das Geburtstagskind, wurde auf den Platz geführt. Allerdings erst nach 15 Tänzern und Tänzerinnen, die die Geschenke brachten. Danach war die Tanzfläche für alle eröffnet und es wurde bis in den Morgen getanzt. Wir waren allerdings vorher schon müde und sind schlafen gegangen. Wir haben direkt am Strand, unter klarem Sternenhimmel, unsere Matratzen aufgeblasen und dort übernachtet. Eigentlich wäre das wunderschön gewesen, wenn nicht die vielen Ameisen gewesen wären, die uns die ganze Nacht gebissen haben.

Am nächsten Morgen machten wir uns früh wieder auf den Weg zu unserem Auto, da meine Tante und ich noch am selben Tag nach Boquete fahren wollten. Nachdem wir noch eine Kleinigkeit gegessen hatten, verabschiedeten wir uns von Noris und ihrer Familie und meiner Cousine und machten uns mit dem Bus auf den Weg nach Boquete. Am Abend, als wir ankamen und uns ein Hotel gesucht hatten, machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch Boquete. Am nächsten Tag hatten wir für mittags eine Kaffeetour gebucht. Am Vormittag haben wir uns dann den Ort nochmal genauer angeschaut. Boquete ist wirklich sehr schön, es liegt in einem Tal, umgeben von Regenwald, unterhalb des Vulkan Barú, dem höchsten Punkt Panamas.

Zur Kaffeetour wurden wir mit dem Bus abgeholt und zu einer Plantage gefahren. Wir hatten eine sehr interessante Führung – über die komplette Produktion bis zum Kaffeepulver – und durften am Ende den Kaffee von dort auch probieren. Da in Boquete so besondere Verhältnisse für die Kaffeeproduktion herrschen, entsteht daraus auch besonderer und teurer Kaffee, er wird von Boquete aus in die ganze Welt geliefert, sogar in den Buckingham Palast.

Für Dienstag hatten wir eine Seilrutschentour und Hängebrückentour gebucht, um uns den Regenwald anzuschauen. Um acht Uhr morgens war Treffpunkt um hoch in die Berge zu fahren. Wir begannen mit den Seilrutschen. Insgesamt waren es um die fünf Kilometer Seilrutschen, die höchste in 70 Meter Höhe. Es machte richtig Spaß, quasi durch den Urwald zu fliegen und dabei auch noch tollen Ausblick auf den Vulkan zu haben. Auch das Wetter spielte sehr gut mit und wir hatten Sonnenschein und blauen Himmel, da machte es gleich doppelt Spaß.

Am Mittag bekamen wir, während der Hängebrückentour, den Urwald gezeigt und erklärt. Ich persönlich finde das echt unglaublich spannend und beeindruckend, was der Wald alles zu bieten hat. Auch auf den langen Brücken, über die großen Wasserfälle zu gehen, hat seinen Reiz. Alles in allem war es wirklich ein sehr sehr schöner Tag mit meiner Tante. Nachmittags waren wir nochmal im Städtchen und haben Geschenke und Andenken gekauft und den letzten Nachmittag in Boquete genossen.

Am nächsten Tag ging es früh mit dem Bus nach Bocas del Toro. Die Straße führt die ganze Zeit zwischen den Bergen hindurch, so hatte man nochmal einen wunderschönen Ausblick auf die Berge und Einblick in das Leben der Einheimischen. In Bocas del Toro beziehungsweise am Bootsanleger, für die Boote zur „Isla Colón“, empfing uns das schlechte Wetter, Regen, Nebel und Gewitter. Auch in Bocas hatten wir kein Hotel gebucht, weshalb wir uns erst ein suchen mussten, was aber auch nicht weiter schwer war. Den restlichen Tag schauten wir uns in Bocas del Toro um, was gleichzeitig auch die Hauptstadt von der Provinz Bocas del Toro ist. Man merkt direkt, dass man in einem touristischen Ort ist, da die Leute hier alle Englisch sprechen und alles pünktlich passiert, das war ich so gar nicht gewohnt. Trotz des schlechten Wetters war Bocas trotzdem wunderschön, vor allem wenn man auf den Hotelterrassen direkt über dem Wasser sitzt und seinen Kaffee genießen kann.

Für die nächsten Tage hatten wir eigentlich eine Tour gebucht und geplant, allerdings wurde diese wegen des schlechten Wetters leider abgesagt, weshalb wir uns dann auf die Schnelle eine neue suchen mussten. Morgens früh ging es los, mit dem Boot als erstes zur Dolphin Bay, einer Bucht, wo man Delfine beobachten kann. Das war wirklich schon immer ein kleiner Wunsch von mir und es war wunderschön, auch wenn wir sie leider nicht so oft zu Gesicht bekamen.

Der zweite Programmpunkt war das Schnorcheln am Korallenriff, das war auch die einzige Stunde am Tag, in der wir teilweise mal blauen Himmel genießen konnten. Das Schnorcheln an sich fand ich persönlich das Highlight des Tages. Auch wenn es nicht solche Korallenriffe waren, die man vielleicht aus Fernseh-Dokus kennt, war es trotzdem sehr spannend und schön zu sehen, was dort alles lebt. Was mich aber erschreckt hat, war der viele Plastikmüll der nicht zu übersehen war, als ich ein paar Meter abseits geschwommen bin. Das finde ich echt schade und schlimm, vor allem auch, weil man deutlich den Unterschied zwischen den Riffen mit und ohne Müll sehen konnte.

Auf dem Weg zum „Playa de Estrellas“, dem typischen Karibikstrand, kamen wir an der Faultierinsel vorbei. Wir konnten sogar direkt mehrere Tiere beobachten. Naja was soll ich sagen, natürlich ist es sehr interessant, die Tiere mal gesehen zu haben, aber trotzdem wird es schnell langweilig, da sie ihren Namen zurecht tragen und die meiste Zeit schlafen und sich nicht bewegen. Am Strand der Seesterne fühlte man sich trotz des schlechten Wetters wie im Paradies. Das türkise Wasser, der weiße Sandstrand und natürlich die vielen, wunderschönen Seesterne im Wasser ließen einen das schlechte Wetter zum Glück relativ schnell vergessen. Kurz gesagt, es war wunderschön.

Am Abend sind wir nochmal durchs Städtchen flaniert und haben auch aus Bocas noch ein paar Andenken mitgenommen. Freitags ging es dann schon früh wieder nach Hause. Unser Schiff legte um halb sieben ab, unser Bus nach Panama City ging um acht. Bis wir endlich abends wieder zu Hause waren, waren wir insgesamt 13 Stunden unterwegs und dann froh wieder daheim zu sein.

In den letzten zwei Tagen bekam meine Tante nochmal die panamaische Kultur zu spüren. Samstags gingen wir nochmal nach Panama City, um uns die Cinta Costera anzusehen. Es hieß wir gehen um neun zu Hause los, tatsächlich saßen wir dann erst um elf im Bus. Ich musste feststellen, dass auch ich mittlerweile mehr Panamaña bin als Deutsche, da es für mich eigentlich auch logisch war, nicht um neun, sondern erst um elf zu gehen. Den Tag haben wir damit verbracht an der Cinta Costera entlang zu spazieren und natürlich muss man als Tourist auch im Hardrock Cafe gewesen sein, deshalb waren wir danach dort noch etwas trinken.

Mit dem Sonntag war der abschließende Tag gekommen, den haben wir noch ein letztes Mal am Strand verbracht. Danach habe ich meine Tante nach Panama City ins Hotel begleitet, in dem sie die letzte Nacht verbracht hat, da sie am nächsten Tag schon sehr früh am Flughafen sein musste. Für mich war es ein sehr komisches Gefühl, denn es hat sich für mich die ganze Zeit so angefühlt, als wären wir zusammen in Urlaub gewesen und eigentlich müssten wir dann ja auch wieder zusammen nach Hause gehen, aber das war eben nicht so. Das war für mich ein klein bisschen schwer, einfach da zu bleiben. Trotzdem war es natürlich eine sehr schöne Zeit. Jetzt nachdem ich wieder „alleine“ hier bin, hab ich manchmal das Gefühl alles nur geträumt zu haben.

Da meine Mutter die Woche noch frei hatte war ich viel mit meiner Familie unterwegs. Wir waren um Beispiel in Santa Clara, das ist nicht weit von uns, bei den Wasserfällen. Dort ist es, wie an vielen Orten in Panama, wunderschön.

Außerdem hatte mein Opa Geburtstag, den wir aus diesem Anlass in Colón besucht haben. Es wurde eine ganze Kuh geschlachtet und es gab sehr viel leckeres Essen, ich persönlich liebe die panamaische Küche. Wir tanzten bis früh morgens, wie es in Panama üblich ist. Ohne zu schlafen sind wir morgens früh direkt zum Strand gelaufen um zu baden. Ich glaube, ich muss nicht sagen wie schön das ist, so früh morgens schon im Meer baden zu können. Außerdem waren die Wellen so hoch, dass wir probiert haben mit langen Holzbrettern zu surfen, das war echt witzig. Am selben Tag sind wir leider schon wieder heim gefahren, obwohl ich gerne noch geblieben wäre!

Es ist einfach so wertvolle Familienzeit, die ich immer sehr genieße. Bei meiner Familie fühle ich mich inzwischen so, als wäre ich schon immer dabei gewesen. Auch mit meinem Spanisch bin ich, muss ich sagen, immer wieder überrascht wie gut das schon klappt. Ich kann mich jetzt mehr oder weniger fließend unterhalten, natürlich kenne ich noch lange nicht alle Wörter, aber mir ist es tatsächlich schon ein paar Mal passiert, dass man mich für eine Einheimische gehalten hat. Ich glaube, darauf darf ich schon ein bisschen stolz sein. Außerdem ist mir aufgefallen, dass mir in letzter Zeit das Deutschsprechen und vor allem das Schreiben immer schwerer fällt, beziehungsweise es sich manchmal echt lustig anhört.

Das war's jetzt erstmal wieder von mir. Nächste Woche fängt nach fast fünf Monaten die Schule wieder an, aber darüber werde ich euch ausgiebig im nächsten Blog berichten.

Bis dahin,

Eure Miriam