16.3.2018

Bericht #6 – 101 Austauschschüler im hohen Norden

Hallo liebe Metropolregion Rhein-Neckar, 

wie verspochen, werde ich heute von meiner Reise nach Lappland berichten. Ich habe zusammen mit knapp 100 anderen Austauschschülern eine Woche in Pyhä verbracht. Pyhä ist hoch im Norden in der Nähe von Rovaniemi. Diese Woche war mit Abstand die beste Zeit, die ich in Finnland bisher hatte – und vielleicht sogar in meinem ganzen Leben. Am Mittwochmorgen fuhr ich von Kokkola mit dem Zug nach Rovaniemi. Dort traf ich einige andere Austauschschüler, die ich noch nicht kannte. Ich habe auch ein paar alte Freunde aus Deutschland getroffen, für mich die ersten Deutschen seit über fünf Monaten.

Wir haben in dieser Woche auch eine ganze Reihe von Exkursionen in Lappland gemacht. Am Donnerstag haben wir einen Ausflug zu einer Amethyst-Mine gemacht, die sich hoch oben auf einem Berg befand. Der Ausblick von dort war atemberaubend und die Miene war sehr beeindruckend. Wir durften auch alle einen der Amethyste, die wir ausgegraben hatten, behalten. Am nächsten Tag besuchten wir eine Rentierfarm. Wir fuhren Schlitten und bekamen am Ende sogar einen Rentierschlitten-Führerschein! Zudem lernten wir eine Menge über die Sami, die Uhreinwohner Lapplands. Jeder Rentierbesitzer in Finnland hat Sami-Vorfahren und seine Rentiere geerbt. Diese haben alle eine individuelle Ohreinkerbung, sodass man sie auseinanderhalten kann. Zweimal im Jahr werden dann alle Rentiere zusammengetrieben und es wird geprüft, ob noch alle da sind. 

In den folgenden Tagen waren wir Skifahren, Schneeschuhwandern und Eisfischen. Am letzten Tag sind wir nach Rovaniemi gefahren und haben dort den Weihnachtsmann getroffen, den echten und einzig wahren Weihnachtsmann. Ihr müsst wissen, in Finnland glaubt man nicht, dass der Weihnachtsmann in der Arktis lebt, sondern in Lappland. Man sagt auch, dass der Weihnachtsmann jede Sprache spricht und da wir als Austauschschüler aus vielen verschiedenen Ländern kommen, wollten wir das natürlich auch testen. Und tatsächlich waren wir doch ziemlich beeindruckt von den sprachlichen Fähigkeiten des Weihnachtsmannes. Sein Deutsch war auf jeden Fall ganz gut und auch in Chinesisch, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Arabisch und einigen anderen Sprachen konnte er sich ganz gut verständigen. Natürlich waren seine Fähigkeiten begrenzt, aber das ist verständlich.

Auch wenn wir wirklich aufregende Exkursionen gemacht haben, war der beste Teil an unserem Lappland-Trip, dass man so viele Leute kennengelernt und viele neue Freunde gefunden hat. Wir kamen alle aus so unterschiedlichen Kulturen und trotzdem haben wir uns alle unglaublich gut verstanden. Außerdem war es für mich, und für die anderen Austauschschüler mit Sicherheit auch, wirklich unglaublich schön, endlich mit jemandem reden zu können, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat und meine Probleme und Gefühle wirklich verstehen konnte, weil wir ja alle in derselben Situation sind. Es war aber auch manchmal ein ziemliches Chaos in unserer Unterkunft. Das kann man sich bei so vielen Menschen auf kleinem Raum ja leicht vorstellen. Von daher bin ich auch ein bisschen froh jetzt wieder in Kaustinen zu sein und meinen normalen Alltag leben zu können.

In meinem nächsten Bericht werde ich von meinem Schulball und meinen Skiferien erzählen, bis dahin wünsche ich euch allen eine schöne Zeit!

Eure Jule