17.4.2018

Bericht #10 - Nach dem Familienwechsel...

Hola Region Rhein-Necker,

viele haben mich gefragt, wer sind die Leute in meinen letzten Bericht. Das ist meine neue Familie in Cordoba Capital. Ich wuerde sagen ein Familienwechsel wirft viele Fragen auf: Bin ich die Schuldige, bin ich gescheitert, was habe ich falsch gemacht, wie haette ich es anders machen sollen? Letztlich muss ich sagen, es spielt vieles eine Rolle, warum wir als Austauschueler wechseln wollen. Es sind oft persoenliche Beziehungen, die einfach nicht funktionieren, die dich traurig machen und wodurch es dir schlecht geht. Wen man mehr schlechte als gute Tage hat mit einer Familie, wuerde ich wechseln. Es sind nur 11 Monate in deinem Leben. Die muss man bestmoeglich nutzen. Du musst mit Leuten leben, die anfangs nur Namen auf einem Blatt Papier waren, und ihnen dann blind vertrauen, dass sie das Beste wollen fuer dich.

Mein Gastvater ist Richter hier in Cordoba und hat mich zu seiner Arbeit mitgenommen. Zu einer seiner Verhandlungen. Es war super spannend, das argentinische Justizsystem live zu erleben. Und ich war sogar ueberrascht, dass ich alles verstanden habe. Dazu muss man sagen, das viel ueber das System diskutiert wird. Korruption ist auch in Argentinien eine große Sache – so wie eigentlich in allen anderen latainamerikanischen Laendern.

Viel wird gestritten, aber umso interessanter finde ich es auch. Das Tolle in einem Auslandsjahr ist, dass man soviele neue Dinge ausprobieren darf. Ueber sich hinauswaechst. So habe ich festgestellt, dass das Thema “Jura” interessanter ist als gedacht. Könnte ich zumindestens in den engeren Kreis der Berufswünsche hinzufügen.

Deshalb danke ich fuer alle Chancen, die mir hier geboten wurden. Dass ich neue Interessen gefunden habe. Danke an Marce und Fer und meine Geschwister, dass sie ihr Haus fuer mich geoeffnet haben und versuchen, mir die besten 5 Monate zu bieten.

Kinospaß...

Mein erster Kinobesuch hier war etwas ganz besonderes fuer mich. Es ging in den Animationsfilm “Olé”, in Deutschland bekannt als “Ferdinand - Geht STIERisch ab!” Es war mega witzig ich habe geheult vor lachen. Filme aus USA laufen hier auf Englisch mit Untertitel (werden i.d.R. nicht synchronisiert), und spanischsprachige Filme laufen natürlich im Original. Es war das erste Mal, dass ich einen Film im Kino angeschaut habe, ich liebe Kino!. Der Film ist fuer die ganze Familie und ich kann ihn nur weiter empfehlen.

Gluecklich bin ich raus, wo meine Gastmutter ein ganz besonders Geschenk fuer mich hatte: ein silberner Matebecher-Anhaenger für mein Armband oder meine Kette, an denen alle Anhaenger eine besondere Bedeutung fuer mich haben, alle Meilensteine meines Lebens. Dank Fer habe ich dann jetzt auch mein Meilenstein fuer Argentinien dran.

Meine Familie und ich sind total “seriensuechtig” und es wird immer ein Serie als Familie zusammen geguckt. So haben wir schon “Stranger Things” abgearbeitet und sind dann auf die beruehmte spanische Serie “La Casa de Pabel”. Da diese aber nicht auf latainamerikanisches Spanisch uebersetzt wurde, habe ich erst einmal gemerkt, wie unterschiedlich die spanische Sprache ist. Und wie schwer es mir fällt, wenn schnell gesprochen wird, da sehr unterschiedliche Redewendungen benutzt werden, sodass selbst meine Familie nicht alles verstanden hat. Auch wenn ich mit Miri (Panama) spanisch spreche, verstehen wir nur die Hälfte. Obwohl wir ja eigentlich dieselbe Sprache gelernt haben. Miri, das sind immer die verruecktesten und witzigsten Gespraeche! Fazit: Spanisch ist nicht gleich Spanisch.

Kleine Zwischenbilanz...

Als dann auch die neuen Austauschschueler angekommen sind, wurde mir bewusst, dass ich bereits in den letzten Monaten bin. Eine Norwegerin wohnt von mir nur 5 min entfernt. Das ist mega cool, da die meisten in Villa Allende sind, das mit dem Bus ueber eine Stunde dauert.

Um ehrlich zu sein, fuehlt es sich immer noch wie ein Traum an. Irgendwie nicht “wirklich”,  dass man schon so lange von Zuhause weg ist, es sich aber noch nicht nach ueber 6 Monate anfuehlt sondern kuerzer und man so viel erlebt hat. Es ist manchmal unwirklich, dass man sogar eine Sprache erlernt hat, wobei ich nie im klassischen Sinn Vokabeln gelernt habe. Ein fremdes Land dir immer vertrauter wird. Es ist immer noch komisch mit 16 soweit weg zusein, aber ich bin auch verdammt stolz, was ich hier so alles geschafft habe. Es stimmt: Das Auslandsjahr laesst dich alles fuehlen, und wenn du Glueck hast alles im selben Moment. Aber du wirst dich gluecklich fuehlen wenn du soviel geschaffst hast.

In letzter Zeit wird mein Deutsch doch schlechter. Oft muss ich googlen, wie man etwas richtig schreibt. Oh Gott, Text-Interpretation, ich komme... Ich merke immer mehr, dass ich, nach dem ich etwas auf Deutsch gesprochen habe, wieder froh bin, auf Spanisch zu wechseln. Das wird eine ganz schöne Umstellung in Deutschland. Es zeigt mir aber immer wieder, was ich schon alles erreicht habe. Auch wurden letztens üeberraschte Blicke ausgetauscht als ich meinte, dass ich erst 6 Monate hier bin, da viele an meinen Aussehen erkennen, dass ich aus Europa komme, aber sich nicht vorstellen koennen, dass ich nicht schon sehr lange Spanisch sprechen kann.

Ich wuensche euch eine schoene Woche und hoffe das Wetter wird langsam besser. Bis zum naechsten Blog schicke ich euch Sonnenstrahlen aus dem Backofen Córdobas

Eure Maike

P.S.: Im naechsten Blog werde ich ueber mein erstes Konzert berichten und meinen Geburtstag