30.5.2018

Bericht #10 – Neue Eindrücke der panamaischen Kultur

Hallo Metropolregion,

schon wieder ist ein Monat vergangen und ich kann es kaum glauben. Jetzt sind es nur noch bisschen mehr als 50 Tage, die mir hier in Panama bleiben. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, wie ich darüber denken soll. Soll ich mich freuen, in 50 Tagen wieder in Deutschland zu sein und meine Familie und Freunde wieder um mich zu haben? Oder soll ich traurig sein, da ich in 50 Tagen wieder nach Deutschland muss, weg von meinem zweiten Zuhause, das ich mir hier aufgebaut habe, weg von all den vielen Leuten, die ich hier so lieb gewonnen hab…? Ich muss ehrlich gestehen, ich bin beides: traurig und fröhlich. Ich freue mich natürlich riesig auf meine Familie und meine Freunde in Deutschland, aber der Abschied von meiner Familie hier in Panama wird mir sicherlich sehr schwerfallen. Jedoch denke ich mir immer, wenn ich nicht gehe, kann ich auch nicht wiederkommen und das macht es dann ein bisschen einfacher.

Anfang Mai war ich mir AFS ein Wochenende am Playa Venao, das ist ein bekannter Surfer-Strand an der Südküste von Panama. Freitagsmorgens hab ich mich um vier Uhr auf den Weg nach Panama City gemacht und von dort, mit Maren und Matteo, weiter nach Chitre. In Chitre war Treffpunkt für alle, um dann gemeinsam weiter zu reisen. Um ca. fünf Uhr waren wir in unserem Hotel direkt am Strand. Es ist wunderschön dort. Die Hotelanlage sieht ein bisschen aus wie ein eigenes Dörfchen, da jede Gruppe ihr eigenes Häuschen oder Zelt hat. Die Küche und die Bar liegen direkt am Wasser, das heißt während des Kochens kann man direkt aufs Meer schauen. Der Strand ist einer der bekanntesten Strände für Surfer in Panama, wir hatten aber leider nicht die Möglichkeit zu surfen. Den Freitagabend haben wir am Strand ausklingen lassen, während wir den Sonnenuntergang beobachtet haben, danach sind alle müde ins Bett gefallen.

Samstags waren wir ebenfalls viel am Strand und im Meer. Wer das nicht wollte, konnte sich auch an den Pool legen oder Strandspaziergänge machen. Irgendwie bekommt man einen Tag am Strand immer gut und schnell vorbei. Am Abend gab es Musik in der Bar und es war wie in der Disko, aber ebenso direkt am Wasser am Strand. Es war echt besonders und wunderschön. Sonntags haben wir nur noch gefrühstückt und uns dann auf den Heimweg gemacht.

Ich finde AFS- Ausflüge immer toll. Man hat eine Auszeit vom „Alltag“ und der direkten Umgebung seines Gast-Zuhauses. Außerdem trifft man immer andere Austauschschüler, mit denen man sich auf Anhieb versteht. Das finde ich immer besonders schön: Man kennt sich zwar kaum bzw. gar nicht, aber versteht sich immer auf Anhieb super. Ich finde, irgendwie weiß man immer, wie es dem anderen geht oder was er/sie denkt. Ich kenne jetzt Leute aus der ganzen Welt, das ist echt unglaublich. Mein Freundeskreis hat sich um einiges erweitert, jetzt kann ich sagen, ich hab Freunde in Thailand, Italien, Norwegen, Finnland, USA, in Panama natürlich und in noch vielen anderen Ländern der ganzen Welt. Das hätte ich mir vorher nie vorstellen können, aber jetzt kann ich es mir, zumindest hier in Panama, gar nicht mehr ohne sie vorstellen.

Die darauf folgende Woche war eine sehr schwierige Woche. Es gab zwei Unglücksfälle in meiner Familie. Samstags wurde ein Cousin meiner Gastschwester ermordet, als er auf dem Weg war, meinen Gast-Opa im Krankenhaus zu besuchen. Am darauffolgenden Dienstag verstarb leider auch er, nachdem er eine Woche im Koma im Krankenhaus gelegen hatte. Ich glaube es waren bisher die traurigsten Tage hier in Panama. Ich persönlich finde das natürlich sehr schlimm und es macht mich traurig, weil ich die beiden kannte, allerdings hatte ich natürlich keine so starke Bindung wie meine Gastfamilie. Viel schlimmer für mich war es, meine Verwandten in so einer Verfassung zu sehen. Ich habe mich sehr hilflos gefühlt, da man ja irgendwie helfen will, aber eben doch nicht viel tun kann.

Mittwochs waren wir einkaufen für die Beerdigung. Donnerstags sind wir dann gemeinsam mit der restlichen Familie die in Panama lebt, nach Colon gefahren, wo mein Opa gewohnt hat. Wir kamen mittags an und mussten erstmal das ganze Haus putzen, da mein Opa die letzte Zeit auf seiner Finca lebte. Dann wurde begonnen alles herzurichten und aufzuräumen und auszusortieren. Das war echt anstrengend! Am Freitag ging es dann weiter. Meine Onkel, die wir im Januar auf ihren Finca besucht haben, haben morgens eine Kuh geschlachtet und diese dann mitgebracht. Den Tag über wurde das Fleisch verarbeitet und zum Schluss gegessen. Außerdem kamen am Nachmittag alle Geschwister meiner Mutter mit Familien. Wenn alle da sind, sind es insgesamt 32 Leute, das heißt, das kleine Häuschen war dann voll bis oben hin.

Eigentlich ist es echt traurig, aber es war das erste Mal seit 12 Jahren, dass sich die Geschwister und Verwandten alle gleichzeitig gesehen haben. Es ist echt schade, dass erst so etwas passieren musste, um sich wieder zu vereinen, zumal man das Gefühl hatte, dass sich echt alle über das Wiedersehen gefreut haben.

Am Samstag ging es dann früh los. Um vier Uhr ist das ganze Haus aufgestanden, um sich vorzubereiten, da um zehn Uhr der Sarg kam. Hier ist es wohl so, dass der Sarg mit dem Verstorbenen anstatt in die Kirche erst nochmal nach Hause kommt und dann auf den Friedhof. Als der Sarg da war, konnte man sich vom Verstorbenen verabschieden und ihm nochmal die letzte Ehre erweisen. Am Nachmittag kam ein Pfarrer und es wurde ein Gottesdienst gehalten, danach im Trauerzug durchs Dorf zum Friedhof getragen und beerdigt.

Abends saß die ganze Familie zusammen und hat erzählt. Später ging ich mit meinen Cousins und Cousinen zum Strand, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Diese Zeiten genieße ich immer am meisten, es ist so schön zu merken hier eine neue Familie gefunden zu haben und zu wissen, wann immer ich möchte zurück kommen kann. Sonntags haben wir uns morgens früh von unserer Familie schweren Herzens verabschiedet und uns auf den Heimweg gemacht.

Für mich war dieses Wochenende eine sehr interessante Erfahrung, ich habe noch einmal eine ganz andere Seite der panamaischen Kultur kennengelernt. Wie wichtig der Glaube hier ist, da sie so etwas haben, an dem sie sich festhalten können. Mir wurde auch von Geistern erzählt, die sie heimsuchten oder sie in ihren Träumen heimgesucht haben. Vor dem Tod meines Opas soll sein Geist meine Verwandten auch in ihren Träumen aufgesucht haben, und sich dementsprechend entschuldigte, aufforderte etwas zu tun oder andere Sachen forderte. Ich kann mir das eigentlich gar nicht vorstellen, weil ich nie an Geister geglaubt habe, aber die Leute können sich so einige Sachen besser erklären, die sie sich sonst nicht erklären könnten.

Auch wenn es eigentlich sehr traurige Tage waren, waren sie für mich trotzdem sehr lehrreich und ich bin auf einer Seite auch dankbar sie erlebt haben zu dürfen. Das war's dann auch wieder von mir.

Bis dahin und viele Grüße

Miriam.